Karriere in der Buchbranche
Der Verlagsleiter - Stratege mit Blick fürs Detail

Galileo Press ist ein junger Fachverlag, der sich vorgenommen hat, den Expertenmarkt für sich zu gewinnen. Seine 18 Mitarbeiter haben in diesem Jahr 70 Neuerscheinungen verlegt. Ihre Spezialgebiete: Computer- und Wirtschaftsbücher. An der Spitze von Galileo Press steht mit Verlagsleiter Tomas Wehren ein Germanist und Philosoph.

Eine ungewöhnliche Position für einen Geisteswissenschaftler? Wehren wiegelt ab: Sein Studium habe ihm die Fähigkeit vermittelt, sich schnell in Neues einzuarbeiten, es habe seine Kommunikationsfähigkeiten geschult und ihm auch einen Sinn für das Zweckfreie und Unnütze mitgegeben. Wieso man sich in einem Verlag über Unnützes freuen sollte? Als Lektor habe er früher eben nicht nur das Nötigste in den Klappentext geschrieben, sondern noch eine zusätzliche halbe Stunde auf stilistische Fragen verwendet. Solche Kleinigkeiten seien manchmal ausschlaggebend für den Erfolg eines Unternehmens.

Auch heute noch sind es Kleinigkeiten, für die er sich als Verlagsleiter interessieren muss, um seinen Verlag am Laufen zu halten. Das verwundert, denn eigentlich hört sich seine Arbeitsbeschreibung ganz anders an: "Ich kümmere mich bei Galileo Press vor allem um die Entwicklung der Unternehmensstrategie, die Programmleitung und die Personalentwicklung", erklärt Wehren.

Strategiebestimmung

Zu den wichtigsten strategischen Entscheidungen gehörte seiner Ansicht nach zum Beispiel die Fokussierung des Verlagsprogramms auf die vier Bereiche "Grafik, "Programmierung", "E-Business" und "SAP". Wie er zu solchen Entscheidungen kommt? Er führe mit seinen Mitarbeitern und Geschäftspartnern viele Gespräche. "Man erhält Anregungen und hat eigene Ideen, die man erst mal mit sich herum trägt. Oft bleibe ich dann einen Tag zu Hause, denke alle Möglichkeiten in Ruhe durch und arbeite ein Diskussionspapier aus." Danach lege er es im Verlag vor und spreche es mit den Mitarbeitern noch einmal durch. Dann erst fällt die Entscheidung.

Jetzt beginnt für Wehren die Feinarbeit: Um die einzelnen Verlagsbereiche kundenorientiert auszurichten, wies er allen vier Marken Marketing Manager und Lektoren zu. "Doch ohne gute und motivierte Mitarbeiter kann die beste Strategie nicht funktionieren", so Wehren. Sein Erfolgsrezept deshalb: Verantwortung. "Die Lektoren erhalten die alleinige Verantwortung für die Programmgestaltung. Sie werden nur an ihren Erfolgen gemessen." Außerdem beschloss Wehren, dass das ganze Verlagsteam nach außen hin in Erscheinung treten sollte: Auf der ersten Seite aller Galileo Press Bücher begrüßt der Lektor persönlich den Leser. In den Werbebroschüren und auf der Website des Verlages erscheinen Fotos und Interviews der Mitarbeiter. Sein Motivationsprogramm scheint zu wirken: Noch keiner der Angestellten hat den 1999 gegründeten Verlag wieder verlassen; bereits im ersten Jahr konnte Galileo Press Gewinne erzielen.

Ähnliche Entscheidungsprozesse laufen in den Bereichen Programmleitung und Personalentwicklung ab. Welche Arten von Wirtschaftsbüchern sollte Galileo Press verlegen? - Lehrbücher? Ratgeber? Karrieretipps? Den größten Erfolg versprach sich Wehren in der klassischen Managementliteratur. Wie schnell sollte der Verlag wachsen? "Wir werden Galileo Press bis Ende 2001 von 14 auf 21 Mitarbeiter aufstocken", entschied Wehren.

Vom Philosophen zum Unternehmer

Wehren hatte 1994 einen Promotionsstudiengang im Fach Philosophie abgebrochen, um als freier Verlagslektor zu arbeiten. Zwei Jahre später stieg er bei einem Computerfachverlag als fester Lektor ein. Mit vier anderen ehemaligen Mitarbeitern dieses Verlags gründete Wehren 1999 Galileo Press. Hat er es einmal bereut, als Geisteswissenschaftler in der Computer- und Wirtschaftsbranche gelandet zu sein? "Natürlich bedauert man manchmal, nicht die Bücher zu bearbeiten, mit denen man sich im Studium beschäftigt hat. Aber dem gegenüber steht der Spaß, den ich am Job des Verlagsleiters habe: Im Wettbewerb zu stehen, in einem guten Team an gemeinsamen Aufgaben zu arbeiten, Unternehmer zu sein. Ich empfinde es als ständige sportliche Herausforderung."

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