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Karstadt-Betriebsrat verständigt sich auf Verhandlungsstrategie

Im Ringen um die Zukunft von Karstadt-Quelle AG sind Arbeitnehmer und Unternehmensführung bemüht, den Konflikt nicht eskalieren zu lassen. Der Betriebsrat und die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di verständigten sich am Montag in Kassel auf eine Strategie für die Verhandlungen mit dem Vorstand, die nächste Woche stattfinden sollen.

dpa-afx KASSEL. Im Ringen um die Zukunft von Karstadt-Quelle AG sind Arbeitnehmer und Unternehmensführung bemüht, den Konflikt nicht eskalieren zu lassen. Der Betriebsrat und die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di verständigten sich am Montag in Kassel auf eine Strategie für die Verhandlungen mit dem Vorstand, die nächste Woche stattfinden sollen.

Der Betriebsratschef der Karstadt Warenhaus AG, Wolfgang Pokriefke, sagte: "Wir drohen nicht mit Streik, wir kennen den Ernst der Lage." Nachdem am Wochenende als Reaktion auf einen Streik die Rede von Insolvenz war, sagte auch Karstadt-Quelle-Sprecher Jörg Howe: "Ich glaube nicht, dass es einen Streik geben wird." Und: "Von Insolvenz kann keine Rede sein." Er gehe davon aus, dass alle Beteiligten das Interesse haben, in diesem Monat zu einer Einigung zu kommen.

Strategie Soll IN Einzelheiten Vorgestellt Werden

Nach Angaben von ver.di-Vorstandsmitglied Franziska Wiethold soll die Strategie in ihren Einzelheiten an diesem Dienstag in Frankfurt vorgestellt und in den Betrieben erörtert werden. Noch in dieser Woche will die Gewerkschaft mit der in Kassel bestimmten Verhandlungskommission zusammenkommen, um die Forderungen an die Karstadtleitung weiter zu präzisieren.

Einer der Knackpunkte bei den Verhandlungen der Arbeitnehmerseite sei das Zugeständnis längerer Wochenarbeitszeiten gewesen, sagte ein Teilnehmer in Kassel. Andererseits seien sich die Vertreter der unterschiedlichen Karstadtfilialen einig gewesen, sich nicht auseinander dividieren zu lassen, hieß es. Die Arbeitnehmer wehren sich dagegen, dass 77 kleinere Warenhaus-Filialen von insgesamt 181 Häusern ausgegliedert und verkauft werden sollen. Auf dem Spiel stehen insgesamt 30 000 von 100 000 Arbeitsplätzen bei Karstadt-Quelle.

Zugeständnisse VON DER Unternehmensleitung

Der Gesamtbetriebsrat fordert Zugeständnisse auch von der Unternehmensleitung. "Die sollen ein Konzept auf den Tisch legen, über das man reden kann", sagte Gesamtbetriebsratsmitglied Heinrich Gigler. Bisher habe es lediglich unstimmige Forderungen der Firmenleitung gegeben. Schon 2006 wolle Karstadt wieder schwarze Zahlen schreiben, während die Arbeitnehmer für eine viel längere Zeit Opfer bringen sollten.

Unterdessen warnten Politiker von SPD und Union vor einer Eskalation des Konflikts. Der Vorsitzende der CDA, Hermann-Josef Arentz, sagte der "Bild"-Zeitung (Montag), die Drohungen des Karstadt-Aufsichtsrats, bei Streik Insolvenz zu beantragen, seien nicht hinnehmbar. "Ich warne die Arbeitgeber, weiter Öl ins Feuer zu gießen und die Beschäftigten zu erpressen", sagte Arentz.

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" schreibt in seiner jüngsten Ausgabe zur Frage, dass die Gewerkschaft ver.di gar auf Streik setzen könnte: "'Dann wäre Schluss', heißt es düster aus dem Aufsichtsrat." Der SPD-Bundestagsabgeordnete und Arbeitsmarktexperte Klaus Brandner forderte die Karstadt-Manager ebenfalls auf, eine Eskalation zu verhindern. "Drohungen dieser Art helfen nicht weiter", sagte Brandner der Zeitung. Um eine Lösung für den angeschlagenen Konzern zu finden, seien stattdessen faire Verhandlungen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern nötig.

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