Karstadt Quelle, Douglas und Beate Uhse leiden unter der Konsumflaute
Einzelhandelsaktien stecken in der Krise

Die Konsumflaute hält an, und darunter leiden die Aktien der im MDax gelisteten Einzelhändler. Sie versuchen auf unterschiedliche Art und Weise die Krise zu meistern. Besonders gebeutelt wurde der Karstadt Quelle-Konzern. Recht wacker schlägt sich hingegen die Optikerkette Fielmann.

FRANKFURT/M. Der deutsche Einzelhandel erlebt derzeit das schlechteste Jahr in der Nachkriegsgeschichte. In den ersten sechs Monaten des Jahres sind die Umsätze nach Informationen des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE) um fast fünf Prozent eingebrochen. "Einen so starken Einbruch hat der Handel weder erwartet, noch jemals zuvor erlebt", sagte der Präsident des HDE Hermann Franzen. Die vier im MDax notierten Einzelhändler Karstadt Quelle, Fielmann, Douglas und Beate Uhse haben verschiedene Strategien entwickelt, um die Krise zu meistern.

Betroffen von der Konsumflaute ist vor allem Europas größter Warenhaus- und Versandhandelskonzern Karstadt Quelle, der im ersten Halbjahr einen hohen Verlust verbuchen musste. Der Konzernumsatz ging auf 7,36 Mrd. Euro zurück. Der Vorsteuerverlust erhöhte sich um fast 133 Prozent. Thilo Kleibauer, Analyst bei M.M. Warburg, empfiehlt die Karstadt-Aktie trotz der aktuellen Konsumflaute auf mittlere Sicht aber zum Kauf. Die schlechten Nachrichten seien überwiegend im Preis enthalten, zudem ergebe sich durch das Restrukturierungsprogramm deutliches Verbesserungspotenzial, sagt er.

"Im ersten Halbjahr lief vor allem das traditionelle Warenhausgeschäft schlecht. Die Umsatzeinbrüche waren so hoch, dass sie nicht durch den Versandhandel oder die Sparmaßnahmen kompensiert werden konnten", ergänzt Kleibauer. Im Versandhandel konnte der Konzern dagegen ein Umsatzplus erzielen. "Das lag zum großen Teil an der Jubiläumsaktion zum 75jährigen Bestehen von Quelle", sagt Kay Strippel, der bei Independent Research Konsumtitel analysiert. Hoffnungen setzen die Analysten in das Sparprogramm von Karstadt. Der Konzern hat im ersten Halbjahr 7700 Arbeitsplätze gestrichen. "Alle Warenhäuser werden jetzt überprüft und unrentable Standorte sollen geschlossen werde. Da werden wohl weitere Entlassungen folgen", meint Strippel, dessen Empfehlung für die Aktie "untergewichten" lautet.

Von der Krise im Einzelhandel kann sich die Optikerkette Fielmann absetzen: Das Unternehmen erwartet für 2002 das fünfte Rekordjahr in Folge. "Fielmann hat sich als klarer Niedrigpreisanbieter positioniert. Solche Unternehmen gewinnen zur Zeit gegen den Trend", sagt Kleibauer. Positiv beurteilen die Analysten die Expansion des Unternehmens im Ausland. "Es hat sich bereits in den vergangenen Jahren gezeigt, dass dies eine gute Strategie ist. Es wurden neue Märkte erschlossen, ohne dass das Konzernergebnis negativ beeinflusst wurde", fügt Kleibauer hinzu. Mit einem Kursziel von 44 Euro empfiehlt er, die Fielmann-Aktie zu kaufen.

Auch die Parfümeriekette Douglas bekam die Konsumflaute im zweiten Quartal zu spüren. Der Parfümriese hat seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2002 bereits gesenkt. "Die Korrektur der Prognose nach unten kam nicht überraschend. Wenn die Branche einen Rückgang von fünf Prozent verzeichnet, dann ist es kaum möglich, Umsatzzuwächse zu erzielen", sagt Sven Madsen, Analyst bei der ING BHF Bank. Seine Empfehlung für das Papier lautet "Kaufen". "Der Kurs der Aktie ist jetzt niedrig genug. Der Einstiegszeitpunkt ist gut und es wird eine ordentliche Rendite gezahlt", begründet Madsen.

Kaum betroffen von der Krise ist der Erotikartikel-Anbieter Beate Uhse . Im Einzelhandel gab es im ersten Halbjahr zwar einen leichten Rückgang, insgesamt konnten jedoch sowohl der Umsatz als auch das Ergebnis deutlich gesteigert werden. Die Empfehlung von Independent Research lautet dennoch nur "market neutral". Dresdner Kleinwort Wasserstein rät sogar zu "verkaufen". Strippel von Independent Research sieht ein Problem in der recht hohen Bewertung der Aktie. Ein anderer Analyst befürchtet, dass die Aktie nach der Umstellung der Bilanzierungsmethode von HGB aus IAS (International Accounting Standards) 2004 eine schlechtere Profitabilität aufweisen werde.

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