Karstadt-Quelle öffnet sich stärker für Kooperationen
Sportartikel sollen Karstadt Wachstum bringen

Der passionierte Golfspieler Wolfgang Urban, Vorstandsvorsitzender der Karstadt-Quelle AG, Essen, will das Geschäft mit Sportartikeln künftig deutlich ausbauen. "Sportartikel werden für den Konzern eines der wichtigsten Ziele der nächsten Jahre", sagte Urban gestern in Hamburg.

beu HAMBURG. Karstadt soll den Umbruch des deutschen Sportartikelmarkts vorantreiben. Die derzeitige Marktführerschaft mit einem Anteil von knapp 9 % (ohne den Quelle-Versandhandel) an dem 8,7 Mrd. Euro-Sportmarkt will Urban durch Verdrängung mittelständischer Facheinzelhändler bis 2005 auf 15 % ausweiten, die Ebit-Marge von 2,3 % auf 6 % stärken. Dabei rechnet Urban für 2005 mit einem Gesamtvolumen des Sportmarkts von 9,1 Mrd. Euro.

Urban will dieses Ziel durch den Aufbau neuer Karstadt-Sporthäuser erreichen. Ihre Zahl soll sich von 27 auf 35 erhöhen. Geplant sind außerdem 23 neue Sportmärkte mit Verkaufsflächen zwischen 2 000 und 3 000 Quadratmetern, die in Einkaufszentren angesiedelt werden. Diese Sportmärkte sollen die Ware zu grundsätzlich gleichen Preisen anbieten wie die Karstadt-Sporthäuser. Da ihre Kostenstruktur aber günstiger ist als die der innerstädtischen Sporthäuser, könnten Angriffe von Wettbewerbern durch Preissenkungen abgewehrt werden, betont Gert Hügler, der neue Verkaufsdirektor "Sport".

Eigenmarke "Alex" soll vorangetrieben werden

Zudem will Karstadt den Ausbau von Eigenmarken (Alex) vorantreiben. Der Textilkonzern C & A habe vorexerziert, dass hier die Wertschöpfung hoch sei, erklärt Urban. Zur klaren Abgrenzung hat Karstadt den Sportvertrieb eigenständig angesiedelt.

Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr 650 Mill. Euro mit Sportartikeln umgesetzt, davon 252 Mill. Euro in den Warenhäusern. Dieser Schwerpunkt soll sich künftig verschieben: Für 2005 geht die Planung von 1,21 Mrd. Euro aus. Davon entfallen nur 218 Mill. Euro auf die Warenhäuser. Den Löwenanteil sollen die Sporthäuser mit 456 Mill. Euro erzielen, gefolgt von den so genannten "Outdoor"-Centern, also den neun Fachmärkten für Aktivitäten außer Haus mit 154 Mill. Euro, den Sportmärkten mit 144 Mill. Euro und den auf Sportschuhe spezialisierten "Runners Point"-Geschäften mit 128 Mill. Euro.

Ausbau des Sportartikelgeschäfts ist ein Teil der Strategie

Der Wettbewerb in der Branche hat sich seit 1999 durch die Expansion großflächiger Sportanbieter verschärft. Insgesamt wurden 33 Sporthäuser und-Märkte mit 100 000 Quadratmetern Verkaufsfläche und 300 Mill. Euro Umsatz eröffnet. Neben Karstadt tummeln sich auf diesem Markt der zur Otto-Gruppe gehörende Sport-Scheck, die Sportarena (Kaufhof), der französische Anbieter Decathlon sowie Sports Experts aus Österreich.

Der Ausbau des Sportartikelgeschäfts ist ein Teil der Strategie, Karstad-tQuelle vom Handelsunternehmen zum integrierten Handels- und Dienstleistungskonzern umzukrempeln, führte Urban vor dem Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten aus. Neben dem stationären und dem Versandhandel gehören Dienstleistungen und Immobilien zum Spektrum.

Urban setzt auf Kooperationen

Generell setzt Urban auf Kooperationen, nicht so sehr auf Übernahmen. "Eine Mehrheit ist kein Dogma mehr", betonte der Karstadt-Chef. So gebe es im Bereich Logistik "nicht nur" konkrete Gespräche. Die Warenhäusern wickeln den Einkauf bereits gemeinsam mit der Promodes-Gruppe ab. Bei den Finanzdienstleistungen kündigte Urban die Vorstellung gemeinsamer Versicherungsprodukte der Quelle-Versicherung und des Ergo-Konzerns für Oktober an.

Im November will Urban seine Pläne für das künftige Warenhauskonzept vorstellen. Schließungen seien für ihn die teuerste Alternative. So wird offensichtlich an neuen Nutzungskonzepten und Betreibermodellen mit Partnern gearbeitet.

Stellenabbau für dieses Jahr nicht geplant

Urban bekräftigte, dass es derzeit keine konkreten Pläne für einen Stellenabbau noch in diesem Jahre gebe. Er könne allerdings "Produktivitätsanpassungen" für Europas größten Warenhaus- und Versandhandelskonzern nicht ausschließen. "Es gibt keine Zahl bei mir im Kopf, wie viele Leute zu entlassen sind." KarstadtQuelle müsse aber wie jedes andere Unternehmen auf den Markt reagieren und gegebenenfalls die "Produktivität" anpassen, fügte der seit knapp zwei Jahren amtierende Vorstandsvorsitzende des Essener Konzerns hinzu.

Quelle: Handelsblatt

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