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Karstadt-Quelle senkt 2004-Prognosen - Quartal besser als erwartet

Der tief in der Krise steckende Handelskonzern Karstadt-Quelle hat seine Prognosen für das laufende Jahr deutlich gesenkt. In den ersten neun Monaten 2004 wies der Handelskonzern einen Milliardenverlust aus und kämpft weiter mit Umsatzrückgängen.

dpa-afx ESSEN. Der tief in der Krise steckende Handelskonzern Karstadt-Quelle hat seine Prognosen für das laufende Jahr deutlich gesenkt. In den ersten neun Monaten 2004 wies der Handelskonzern einen Milliardenverlust aus und kämpft weiter mit Umsatzrückgängen. Wie die Gesellschaft am Mittwoch meldete, hat die Krise Kunden abgeschreckt, insbesondere beim Versandhaus Quelle.

In diesem Jahr erwartet Karstadt-Quelle statt eines Umsatzrückgangs von 4,5 bis fünf Prozent nun ein Minus von etwa sieben Prozent. Auch der um Sonderfaktoren bereinigte Verlust vor Steuern und Firmenwertabschreibungen (Ebta) werde höher ausfallen als bisher angenommen. Der Ebta-Verlust dürfte 280 bis 295 Mill. Euro betragen. Bisher hatte Karstadt-Quelle ein Minus von 160 bis 200 Mill. Euro vorausgesagt.

In den ersten neun Monaten meldete Karstadt-Quelle einen Ebta-Verlust von 1,57 Mrd. Euro. Seit Jahresbeginn sank der Umsatz bis Ende September um sechs Prozent auf 10,1 Mrd. Euro. Im dritten Quartal übertraf Karstadt-Quelle derweil trotz Umsatzrückgängen Analysten-Erwartungen. Die im MDax gelisteten Aktien verteuerten sich am Vormittag zuletzt um 3,37 Prozent auf 8,89 Euro. Damit entfernten sie sich vom am Dienstag erreichten Jahrestief von 8,50 Euro.

Quelle Besonders Betroffen

Negativschlagzeilen und die Unsicherheit im Zusammenhang mit dem langen Ringen um ein tragfähiges Sanierungskonzept haben dem Traditionskonzern zu schaffen gemacht. Das umfangreiche Umstrukturierungsprogramm habe über mehrere Wochen eine hohe Aufmerksamkeit der breiten Öffentlichkeit zur Folge gehabt, berichtete der Konzern. "Als negative Begleiterscheinung verzeichneten wir eine durch die Verunsicherung der Kunden entstandene Kaufzurückhaltung." Davon sei insbesondere das Inlandsgeschäft vom Versandhaus Quelle betroffen. Das deutsche Quelle-Geschäft macht 25 Prozent des Konzernumsatzes aus.

Im dritten Quartal sank der Umsatz weniger stark als von Analysten und Unternehmen erwartet. Die Erlöse büßten 5,9 Prozent auf 3,2 Mrd. Euro (Vorjahr: 3,41 Mrd Euro) ein. Von dpa-AFX befragte Experten hatten mit einem etwas deutlicheren Rückgang auf 3,125 Mrd. Euro gerechnet. Konzernchef Christoph Achenbach selbst hatte Ende September allerdings angekündigt, dass der Quartalsumsatz nach vorläufigen Berechnungen um 8,2 Prozent sinken werde. Das Unternehmen betonte nun: "Die Entwicklung ist weiterhin unbefriedigend, lag aber im Rahmen unserer moderaten Erwartungen."

Ebta Verharrt BEI Minus 31 MIO Euro

Der um Sonderfaktoren bereinigte Konzernverlust vor Ertragsteuern und Firmenwertabschreibungen (Ebta) verharrte im dritten Quartal überraschend bei 31 Mill. Euro. Die Belastungen durch den Umsatzrückgang seien durch die inzwischen fortgeschrittenen Programme zum Kostenabbau ausgeglichen worden, teilte Karstadt-Quelle mit. Analysten hatten hier allerdings mit einem viel deutlicheren Minus von 108 Mill. Euro gerechnet.

Das Quartals-Ebta enthalte im laufenden Jahr Sonderfaktoren in Höhe von 1,1 Mrd. Euro, die sich als Folge der Umstrukturierung und Neuausrichtung des Karstadt-Quelle-Konzerns ergäben, hieß es. Inklusive dieser außerordentlichen Ergebnisbelastung belief sich der Ebta-Verlust auf 1,1 Mrd. Euro.

Roland Berger Gutachten Noch Nicht Fertig

Unterdessen ist ein Gutachten der Unternehmensberatung Roland Berger zu den Zukunftsaussichten des Sanierungspakets laut Karstadt-Quelle noch nicht fertig. Dieses werde wohl Mitte November vorliegen, sagte Konzernsprecher Jörg Howe. Zuvor hatte es Spekulationen gegeben, dass das Gutachten bereits zur Vorlage der Quartalszahlen fertig sein könne.

Eine Entscheidung der Banken über eine Verlängerung der Kreditlinie von 1,75 Mrd. Euro ist somit noch offen. Diese Verlängerung soll dem Unternehmen auch über den Jahreswechsel hinaus wieder finanziellen Spielraum schaffen. Vor rund zwei Wochen hatten die Banken mit einer Kreditverlängerung bis zum Jahresende zunächst grünes Licht für das wichtige Weihnachtsgeschäft gegeben. Vor einer endgültigen Entscheidung der Banken soll das Gutachten vorgelegt werden.

Rettungsplan

Vor rund drei Wochen hatte sich das ums Überleben ringende Unternehmen nach einem Verhandlungsmarathon mit den Beschäftigten auf einen Rettungsplan geeinigt, der in den nächsten drei Jahren neben empfindlichen Lohneinbußen den Abbau von 5 500 der rund 100 000 Stellen im Konzern vorsieht. Dadurch sollen 760 Mill. Euro eingespart werden. Bei einer außerordentlichen Hauptversammlung am 22. November sollen die Karstadt-Quelle-Anteilseigner zudem eine Kapitalerhöhung von 500 Mill. Euro beschließen.

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