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Karstadt-Quelle steht vor 'Herkules'-Aufgabe - Analysten

Mit seinem Sanierungsprogramm steht der schwer angeschlagene Handelskonzern Karstadt-Quelle aus Sicht von Analysten vor einer Herkules-Aufgabe. Kapitalmarktexperten begrüßten zwar einhellig die von Vorstandschef Christoph Achenbach am Dienstag in Essen vorgestellten Pläne, bezeichneten sie aber zugleich als "sehr ambitioniert". "Achenbach hat keinen Spielraum mehr, irgendwelche Risiken abzufedern", sagte ein Branchenkenner. "Er muss seine Ziele erreichen, sonst sieht es für Karstadt-Quelle alles andere als rosig aus."

dpa-afx FRANKFURT. Mit seinem Sanierungsprogramm steht der schwer angeschlagene Handelskonzern Karstadt-Quelle aus Sicht von Analysten vor einer Herkules-Aufgabe. Kapitalmarktexperten begrüßten zwar einhellig die von Vorstandschef Christoph Achenbach am Dienstag in Essen vorgestellten Pläne, bezeichneten sie aber zugleich als "sehr ambitioniert". "Achenbach hat keinen Spielraum mehr, irgendwelche Risiken abzufedern", sagte ein Branchenkenner. "Er muss seine Ziele erreichen, sonst sieht es für Karstadt-Quelle alles andere als rosig aus."

Große Fragezeichen setzen die Experten insbesondere hinter die geplanten Unternehmensverkäufe. "Es wird unglaublich schwierig. Da sind ja auch Verlustbringer dabei und Häuser in 1-B-Lage", sagte Analyst Christian Schindler von der Landesbank Rheinland-Pfalz. "Karstadt-Quelle tut so, als könnten sie 100 Meter in zehn Sekunden zurück legen, dabei haben sie gerade mal angefangen zu trainieren."

Konzentration AUF DAS Kerngeschäft

Karstadt-Quelle will sein Geschäft nur noch auf die 89 größeren Warenhäuser konzentrieren und 77 kleinere Häuser mit einer Fläche von weniger als 8 000 Quadratmetern versilbern. Alternativ stehen Teilverkäufe und Voll- oder Teilvermietungen an. Analysten zufolge wird Karstadt-Quelle vermutlich versuchen, die Warenhäuser in drei Paketen zu verkaufen. Zudem plant das Traditionshaus die Trennung von den Modeketten Sinnleffers und Wehmeyer sowie den Sportgeschäften Runners Point und Golf House.

Das Dienstleistungsportfolio wird sich künftig nur noch auf die Touristik (Thomas Cook), Informations- und Finanzdienstleistungen und den Sportsender DSF konzentrieren. Für die Logistik ist nach Angaben der "Financial Times Deutschland" die Deutsche Post als Käufer im Gespräch. Die Beteiligung an der US-Kaffeehauskette Starbucks will Karstadt-Quelle laut Achenbach an den US-Konzern abtreten. Auch für die Fitness-Clubs werde bald eine Lösung präsentiert, sagte er. Insgesamt soll durch die Trennung von den Randgeschäften und den Verlustbringern 1,1 Mrd. Euro in die Kasse kommen. Damit sollen die anfallenden Umbaukosten in Höhe von insgesamt 1,4 Mrd. Euro refinanziert werden.

'Investorensuche Wird Schwierig'

Nach Angaben von Karstadt-Quelle gibt es bereits Gespräche mit Investoren für die kleineren Warenhäuser. "Die Frage ist nur, wer will sich die ans Bein binden", sagte ein Börsianer. Die Erfahrung, wie schwer Käufer für Töchter oder Beteiligungen zu finden sind, mussten bereits die Konkurrenten Metro und Douglas machen. Metro hatte vor sechs Jahren seine Randgeschäfte in die Beteiligungsgesellschaft Divaco ausgegliedert, die "Perlen" veräußert und den Rest mangels geeigneter Käufer in diesem Jahr zum symbolischen Preis von einem Euro an das Management verkauft. Douglas wiederum sucht noch immer einen Käufer für seine Schmucktochter Gildemeister.

Jürgen Elfers von der Commerzbank hält es für schwierig, ausländische Retailer für eine Übernahme zu begeistern. Die italienische Textilkette Oviesse, der US-Konzern Gap und die britische Marks & Spencer Plc hätten sich blutige Nasen auf dem deutschen Markt geholt. Nach Ansicht des LRP-Experten Schindler könnten im Laufe der nächsten drei Jahre durchaus einige Warenhäuser verkauft werden. Höchstwahrscheinlich werde Karstadt-Quelle aber um Schließungen nicht herum kommen. Dann wiederum seien aber weitere Arbeitsplätze gefährdet.

Schliessungen

Karstadt-Quelle selbst hat sich mit Verweis auf die noch laufenden Verhandlungen mit Arbeitnehmervertretern noch nicht detailliert zum Stellenabbau geäußert, allerdings betriebsbedingte Kündigungen eingeräumt. Derzeit werden die Mitarbeiter über die bevorstehenden Einschnitte informiert. Die Gewerkschaft ver.di sieht 10 000 Jobs auf der Kippe und hat Proteste angekündigt. "Wir werden die Belegschaften mobilisieren, damit die Häuser unter dem Karstadt-Dach bleiben", sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Franziska Wiethold der "Berliner Zeitung". Das wiederum könnte den Konzern in weitere Bedrängnis bringen. "Streiks vor dem Weihnachtsgeschäft kann Karstadt nun gar nicht gebrauchen", sagte ein Analyst.

Karstadt-Quelle-Chef Achenbach hatte am Dienstag die bislang gültige Planung von einem Umsatzrückgang in Höhe von 4,5 bis fünf Prozent bestätigt. In den ersten neun Monaten verbuchten die Essener ein Minus nach vorläufigen Berechnungen von 6,7 Prozent. In den großen Warenhäusern waren es vier Prozent. HVB-Analyst Holger Bosse glaubt nicht, dass es Karstadt-Quelle gelingen wird, diesen Trend umzukehren. Dafür sei auch die eingeleitete Restrukturierung kein Garant.

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