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Karstadt-Quelle sucht Rettung für gefährdete Kapitalspritze

Der von der Pleite bedrohte Handelsriese Karstadt-Quelle sucht unter großem Zeitdruck eine Rettung für die wider Erwarten gefährdete Kapitalerhöhung. Die Kapitalspritze war zwar am Montagabend beschlossen worden, wird aber faktisch von wenigen Kleinaktionären blockiert.

dpa-afx ESSEN/WÜRZBURG. Der von der Pleite bedrohte Handelsriese Karstadt-Quelle sucht unter großem Zeitdruck eine Rettung für die wider Erwarten gefährdete Kapitalerhöhung. Die Kapitalspritze war zwar am Montagabend beschlossen worden, wird aber faktisch von wenigen Kleinaktionären blockiert.

"Wir werden Gespräche mit den Aktionären führen, die Widersprüche eingelegt haben", sagte Karstadt-Quelle-Sprecher Jörg Howe am Dienstag in Essen. Howe zeigte sich überzeugt, dass rechtzeitig eine Lösung gefunden werden könne. Bis zum Freitag muss eine Einigung erzielt werden, um den Sanierungsplan wie vorgesehen umsetzen zu können. Die im MDax notierte Aktie notierte nach den Kursverlusten der vergangenen Tage bis zum Dienstagnachmittag unverändert bei 9,78 Euro.

'Anfechtungsinfizierte Aktien'

Die Widersprüche sind aktienrechtlich zwar nicht wirksam. Wenn aber mögliche Anfechtungsklagen gegen den Kapitalerhöhungsbeschluss der Hauptversammlung drohen, wollen die beteiligten Banken die Maßnahme platzen lassen.

Dann würden die Institute ein erhebliches Risiko sehen, "anfechtungsinfizierte Aktien" zu platzieren, sagte Howe nach Gesprächen mit den Banken. Der Vollzug der Kapitalerhöhung um 500 Mill. Euro ist wegen des drastisch geschrumpften Eigenkapitals überlebenswichtig - und außerdem Voraussetzung für die unter dieser Bedingung zugesagte Verlängerung der Kreditlinien über 1,75 Mrd. Euro für drei Jahre.

VFA Will Karstadt-Quelle-Existenz Nicht Gefährden

Der Verein zur Förderung der Aktionärsdemokratie (VFA), der mehrere kritische Anteilseigner vertritt, verteidigte die Widersprüche, signalisierte in einer Mitteilung in Würzburg aber Gesprächsbereitschaft. "Selbstverständlich sind weder der VFA noch die von ihm vertretenen Aktionäre daran interessiert, die Existenz von Karstadt-Quelle zu gefährden", heißt es in der Mitteilung.

Der Verein betonte, weder er noch Vorstandsmitglied Caterina Steeg halte Karstadt-Quelle-Aktien. Der VFA habe die Stimmrechte durch Steeg in Absprache mit Vollmachtgebern ausgeübt. Ein mögliches gerichtliches Vorgehen liege nun allein in der Entscheidungsgewalt der Aktionäre.

VER.DI Fordert Rücknahme DER Widersprüche

ver.di-Vorstandsmitglied Franziska Wiethold forderte die Anteilseigner zur sofortigen Rücknahme ihrer Widersprüche auf. "Durch diesen Missbrauch des Aktienrechts werden Arbeitsplätze in Gefahr gebracht", sagte Wiethold der dpa. Die Vertreterin der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di sitzt im Aufsichtsrat der Karstadt-Quelle AG und hatte im Oktober mit Konzernchef Christoph Achenbach in einem mehrtägigen Marathon den Beschäftigungspakt mit der Belegschaft ausgehandelt. Er ist - neben Kapitalerhöhung und einer Verlängerung der Kreditlinien auf drei Jahre - einer der Bausteine von Achenbachs Sanierungspaket.

Wiethold kritisierte, dass Hintergrund derartiger Aktionen durch Aktionäre vielfach weniger die Sorge um das Wohl des Unternehmens sei als die Hoffnung auf private finanzielle Vorteile. "Es ist ungeheuerlich, dass einzelne Menschen mit Profil- und Geldinteressen einen ganzen Konzern und damit auch die Belegschaften derart in Schwierigkeit bringen können", sagte sie. Die aktuellen Meldungen über die neuerlichen Probleme hätten bereits zu "größter Sorge" unter den rund 100 000 Karstadt-Quelle-Beschäftigten geführt.

DSW Verweist AUF Treuepflicht

Der Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Jürgen Kurz, wies auf die Treuepflicht von Aktionären gegenüber dem jeweiligen Unternehmen hin. Wenn ein Anteilseigner mit einer missbräuchliche Anfechtungsklage ein Unternehmen in Richtung Insolvenz bringe, sei dies mit diesem Grundsatz nicht zu vereinbaren. Grundsätzlich sei es jedoch das Recht von Aktionären, Widerspruch einzulegen.

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