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Karstadt-Quelle sucht Rettung für gefährdete Kapitalspritze

Der von Pleite bedrohte Handelsriese Karstadt-Quelle sucht unter großem Zeitdruck eine Rettung für die wider Erwarten gefährdete Kapitalerhöhung.

dpa-afx ESSEN/WÜRZBURG. Der von Pleite bedrohte Handelsriese Karstadt-Quelle sucht unter großem Zeitdruck eine Rettung für die wider Erwarten gefährdete Kapitalerhöhung. Dabei ist der Vorstand zumindest einen wichtigen Schritt vorangekommen: Nach Angaben von Konzernsprecher Jörg Howe ist der Widerspruch eines als besonders unnachgiebig geltenden Aktionärs aus formalen Gründen nichtig. "Der Aktionär Rainer Johannes hat seinen Widerspruch nicht wie notwendig zur Niederschrift gegeben", sagte Howe der Nachrichtenagentur dpa am Dienstag.

Nun müsse nur noch eine Lösung für eine Reihe von Widersprüchen gefunden werden, die im Auftrag anderer Aktionäre vom Würzburger Verein zur Förderung der Aktionärsdemokratie (VFA) eingelegt wurden. Während Johannes auf Anfrage betonte, sein Widerspruch bleibe "bestehen bis ans Ende aller Tage", gab sich der VFA am Dienstag in einer Mitteilung gesprächsbereit: "Selbstverständlich sind weder der VFA noch die von ihm vertretenen Aktionäre daran interessiert, die Existenz von Karstadt-Quelle zu gefährden".

Kapitalerhöhung Blockiert

Die Kapitalspritze, von der sich Karstadt-Quelle 500 Mill. frisches Geld erhofft, war am Montagabend beschlossen worden, wird aber faktisch von etwa einem halben Dutzend Kleinaktionäre blockiert. Die Widersprüche sind aktienrechtlich zwar nicht wirksam, aber Voraussetzung für eine spätere Anfechtungsklage. Weil die beteiligten Banken ein erhebliches Risiko sehen, "anfechtungsinfizierte Aktien" zu platzieren, wollen sie die Kapitalerhöhung platzen lassen, wenn die Widersprüche nicht ausgeräumt werden. Der Vollzug der Kapitalerhöhung um 500 Mill. Euro ist wegen des drastisch geschrumpften Eigenkapitals überlebenswichtig - und außerdem Bedingung für die grundsätzlich zugesagte Verlängerung der Kreditlinien über 1,75 Mrd. Euro für drei Jahre.

"Wir werden Gespräche mit den Aktionären führen, die Widersprüche eingelegt haben", sagte Karstadt-Quelle-Sprecher Jörg Howe. Howe zeigte sich überzeugt, dass rechtzeitig eine Lösung gefunden werden könne. Bis zum Freitag muss eine Einigung erzielt werden, um den Sanierungsplan wie vorgesehen umsetzen zu können.

Der VFA betonte, weder er noch Vorstandsmitglied Caterina Steeg hielten Karstadt-Quelle-Aktien. Der VFA habe auf der Hauptversammlung am Montag in Düsseldorf die Stimmrechte durch Steeg in Absprache mit Vollmachtgebern ausgeübt. Ein mögliches gerichtliches Vorgehen liege nun allein in der Entscheidungsgewalt der Aktionäre.

VER.DI Fordert Sofortige Rücknahme DER Widersprüche

ver.di-Vorstandsmitglied Franziska Wiethold forderte die Anteilseigner zur sofortigen Rücknahme ihrer Widersprüche auf. "Durch diesen Missbrauch des Aktienrechts werden Arbeitsplätze in Gefahr gebracht", sagte Wiethold der dpa. Die Vertreterin der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di sitzt im Aufsichtsrat der Karstadt-Quelle AG und hatte im Oktober mit Konzernchef Christoph Achenbach in einem mehrtägigen Marathon den Beschäftigungspakt mit der Belegschaft ausgehandelt. Er ist - neben der Kapitalerhöhung und der Verlängerung der Kreditlinien auf drei Jahre - einer der Bausteine von Achenbachs Sanierungspaket.

Wiethold kritisierte, dass Hintergrund derartiger Aktionen durch Aktionäre vielfach weniger die Sorge um das Wohl des Unternehmens sei als die Hoffnung auf private finanzielle Vorteile. "Es ist ungeheuerlich, dass einzelne Menschen mit Profil- und Geldinteressen einen ganzen Konzern und damit auch die Belegschaften derart in Schwierigkeit bringen können", sagte sie. Die aktuellen Meldungen über die neuerlichen Probleme hätten bereits zu "größter Sorge" unter den rund 100 000 Karstadt-Quelle-Beschäftigten geführt.

Der Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Jürgen Kurz, wies auf die Treuepflicht von Aktionären gegenüber dem jeweiligen Unternehmen hin. Wenn ein Anteilseigner mit einer missbräuchliche Anfechtungsklage ein Unternehmen in Richtung Insolvenz bringe, sei dies mit diesem Grundsatz nicht zu vereinbaren. Grundsätzlich sei es jedoch das Recht von Aktionären, Widerspruch einzulegen.

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