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Karstadt-Quelle verzichtet auf betriebsbedingte Kündigungen

Bei der Sanierung des angeschlagenen Kaufhausriesen Karstadt-Quelle muss voraussichtlich keiner der rund 100 000 Beschäftigten eine betriebsbedingte Kündigung fürchten. Im Gegenzug kommen auf die Arbeitnehmer allerdings empfindliche Lohnschnitte zu.

dpa-afx ESSEN. Bei der Sanierung des angeschlagenen Kaufhausriesen Karstadt-Quelle muss voraussichtlich keiner der rund 100 000 Beschäftigten eine betriebsbedingte Kündigung fürchten. Im Gegenzug kommen auf die Arbeitnehmer allerdings empfindliche Lohnschnitte zu. Nach Angaben von ver.di-Vorstandsmitglied Franziska Wiethold hat die Gewerkschaft dem Vorstand in einem rund 29-stündigen Verhandlungsmarathon die Zusage abtrotzen können, dass betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden sollen.

Dennoch sollen in den kommenden drei Jahren 5 500 Stellen im Konzern gestrichen werden, 4 000 in der Warenhaussparte und 1 500 im Versandhandel. Betroffen sei vor allem die Verwaltung, weniger der Verkauf. Für viele Filialen seien Standortsicherungen erreicht worden. "Aber leider nicht für alle", sagte Wiethold weiter. Karstadt-Quelle hatte angekündigt, 77 kleinere Kaufhäuser auszugliedern und nach Möglichkeit zu verkaufen.

Die im MDax notierte Aktie gab nach Bekanntgabe der Details zur Einigung einen Großteil der zuvor eingesammelten Gewinne wieder ab. Zuletzt notierte sie mit einem Plus von 1,48 Prozent bei 12,33 Euro. Zuvor war sie in der Spitze bis zu sieben Prozent gestiegen.

Tariferhöhungen Eingefroren

Als "bitterste Pille" bezeichnete Wiethold Zugeständnisse bei der Bezahlung: Tariferhöhungen sollen für drei Jahre gestundet und erst parallel zu einer eventuellen Dividendenausschüttung ausgezahlt werden. Dass 100 000 Menschen nicht mehr um ihre Zukunft bangen müssten, sei dies aber wert gewesen.

Der Chef der Karstadt-Quelle AG, Christoph Achenbach, sagte, man habe das Ziel des Vorstandes erreicht, bei den Personalkosten in den kommenden drei Jahren 760 Mill. Euro einzusparen. "Wir müssen jetzt die Ärmel hochkrempeln", sagte Achenbach. Der erfolgreiche Abschluss der Verhandlungen sei auch ein "gutes Signal" für die anderen Partner des Konzerns.

Achenbach hatte stehst betont, dass Einsparungen bei den Personalkosten die Voraussetzung für die Verlängerung von Bankkrediten in Höhe von 1,75 Mrd. Euro und einer Kapitalerhöhung über 500 Mill. Euro sei. "Die Ampeln stehen jetzt auf Grün, dass es weiter geht", sagte Achenbach. Das Management und die Gewerkschaft ver.di hatten seit Tagen um eine Einigung gerungen. Laut Achenbach hätte sonst das Ende des Traditionskonzerns gedroht.

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