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Karstadtquelle will sich mit gravierendem Umbau aus Misere befreien

Der ums Überleben ringende Waren- und Versandhauskonzern Karstadtquelle hat sich ein einschneidendes Sanierungsprogramm verordnet. Mit einem massiven Personalabbau, der Trennung von Randgeschäften, Auslagerungen und einer schärferen Positionierung der Marke will sich der tiefrote Zahlen schreibende Traditionskonzern aus der Misere befreien.

dpa-afx ESSEN. Der ums Überleben ringende Waren- und Versandhauskonzern Karstadtquelle hat sich ein einschneidendes Sanierungsprogramm verordnet. Mit einem massiven Personalabbau, der Trennung von Randgeschäften, Auslagerungen und einer schärferen Positionierung der Marke will sich der tiefrote Zahlen schreibende Traditionskonzern aus der Misere befreien.

Vorstandschef Christoph Achenbach sprach am Dienstag in Essen bei der Vorstellung des Konzepts von den "tiefsten Einschnitten, denen sich Karstadt jemals unterziehen musste". Und stellte sogleich klar: "Es gibt keinen anderen Weg". Die Karstadtquelle-Aktie stieg bis zum frühen Nachmittag um 6,58 Prozent auf 14,26 Euro. Das Tagestief lag im frühen Handel bei 12,85 Euro. Der MDax notierte zuletzt praktisch unverändert.

30 000 Stellen Betroffen

Nach Angaben der Gewerkschaft ver.di sind 30 000 der insgesamt rund 100 000 Mitarbeiter von der Umstrukturierung betroffen. Etwa 10 000 Arbeitsplätze könnten dem Rotstift zum Opfer fallen. Achenbach wollte die Zahlen nicht kommentieren. "Wir werden aber nicht ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen", sagte er, ohne konkreter zu werden. Die Gespräche mit den Gewerkschaften und Arbeitnehmervertretern liefen noch. Auch das Management werde über die Kürzung von Gehaltskomponenten, Urlaubsverzicht und Senkung von Vergünstigungen seinen Beitrag leisten.

Achenbach nannte das Sanierungskonzept einen "historischen Solidarpakt" zwischen Management, Belegschaft, Anteilseigner und Banken. ver.di sprach hingegen von für die Arbeitnehmer "unzumutbaren Einschnitten" und übte heftige Kritik an der "Kahlschlagpolitik". "Wer meint, er könne Karstadt eine Sanierung mit dem Zollstock aufzwingen, zeigt, dass das Geschäft nicht versteht", hieß es in einer Stellungnahme.

Investorensuche FÜR Warenhäuser Läuft

Der wesentliche Teil des Konzepts betrifft das Warenhausgeschäft. Künftig will sich Karstadtquelle nur noch auf die innenstadtnahen Läden mit mehr als 8 000 Quadratmetern Fläche konzentrieren. Der Warenhauskern umfasst somit nur noch 89 Häuser. In ihnen werden die Sortimente zusammengestrichen und auf hochmargige Lifestyle-Bereiche (Mode, Sport, Parfümerie, Schmuck, Lederwaren Bücher) fokussiert.

77 kleinere Häuser, die zwar nach Aussage von Warenhaus-Vorstand Helmut Merkel in der Summe positive Ergebnisse liefern, aber nicht mehr in das überarbeitete Konzept passen, sollen in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert und nach Möglichkeit an einen Investor verkauft werden. Gespräche mit europäischen Interessenten liefen bereits, sagte Merkel. Alternativ käme der sukzessive Verkauf einzelner Häuser oder eine Vermietung in Frage.

Die Fachgeschäftsketten Sinn Leffers, Wehmeyer, Runners Point und Golf House stehen ebenfalls auf der Verkaufsliste. Das gleiche gilt für die im Dienstleistungsportfolio angesiedelte Beteiligung an dem mit der US-Kaffeehauskette Starbucks betriebenen Gemeinschaftunternehmen. Die Anteile will Karstadtquelle an den Joint-Venture-Partner abtreten.

Konzern Hält AN Thomas Cook Fest

Auch die Karstadt-Fitness-Studios würden in den nächsten Wochen abgegeben, kündigte Achenbach an. Zudem seien Verhandlungen zur Auslagerung der Logistik in ihre Endphase getreten. An der Reisetochter Thomas Cook will der Konzern hingegen festhalten. Das mit der Lufthansa gemeinsam betriebene Unternehmen soll laut Achenbach in den kommenden Jahren wieder positive Beiträge liefern.

Im Versandhandel will Karstadtquelle die beiden Marken Quelle und Neckermann stärker von einander abgrenzen und zugleich den Spezialversand und den E-Commerce weiter voran treiben. Die Hauptkataloge in der bisherigen Form sollen verschwinden und strenger an den Kundenbedürfnissen orientiert werden. Zugleich planen die Essener eine Ausweitung der Expansion - vor allem nach Mittel- und Osteuropa.

Bei den Immobilien prüft Karstadtquelle die Abspaltung bis 2006 in eine börsennotiertes Immobilienunternehmen. "Wir können nicht länger auf derart vielen Hochzeiten tanzen", kommentierte Achenbach die Vorgänge.

Kapitalerhöhung Geplant

Fast 1,4 Mrd. Euro wird die Umstrukturierung verschlingen, inklusive Wertberichtigungen. Durch Verkäufe von Unternehmensteilen sollen auf der anderen Seite 1,1 Mrd. Euro in die Kasse kommen.

Einen Teil der Aufwendungen will Karstadtquelle zudem über eine 500 Mill. Euro schwere Kapitalerhöhung abgefangen. Die Großaktionäre Allianz (10,5%) und der Pool Schickedanz (42%) haben bereits erklärt, sie würden die Kapitalmaßnahme entsprechend ihrem Anteil zeichnen. Die dritte Großaktionärin, die Riedel Holding (9%), hat bislang noch keine Entscheidung getroffen.

Milliardenverlust 2004

Für das laufende Jahr muss der Konzern zunächst aber einen Milliardenverlust verkraften. Durch die Umstrukturierungen wird der operative Verlust (Ebta) 2004 voraussichtlich 1,3 bis 1,34 Mrd. Euro betragen. Bereinigt um diese Belastungen soll wie geplant ein Verlust von 160 bis 200 Mill. Euro in der Bilanz stehen.

Im nächsten Jahr soll sich der Konzernumbau bereits positiv auf die Ertragslage auswirken. Achenbach erwartet hier ein positives bereinigtes Ebta von 110 Mill. Euro. 2006 dürfte dann ein Wert von plus 355 Mill. Euro erreicht werden. Die Dividende für 2004 und 2005 wird gestrichen.

Der Umsatz soll der früheren Prognose zufolge im laufenden Jahr um 4,5 bis fünf Prozent sinken. Bis Ende September sei bislang ein Umsatzrückgang von 6,7 Prozent aufgelaufen. Im dritten Quartal betrug das Minus nach vorläufigen Berechnungen 8,2 Prozent.

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