Karsten von Köller richtet den Blick nach innen
Eurohypo hat kein Interesse an Übernahmen

"Eine Fusion mit einer weiteren Bank über die derzeitige Dreierfusion hinaus würde uns nur behindern. Zurzeit sind wir gut aufgestellt und mit uns beschäftigt", erteilte Karsten von Köller, Vorstandschef der neuen Eurohypo allen Spekulationen eine Absage. "Wir haben die kritische Masse und wir haben den Gemischtbankstatus. Was wir noch ausbauen müssen, ist der Dienstleistungsbereich", erklärte von Köller im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Der deutsche Hypothekenbankenmarkt erlebt derzeit eine Konsolidierungsphase. Durch die Fusion der drei Hypothekentöchter von Deutscher Bank (Eurohypo alt), Dresdner Bank (Deutsche Hyp) und Commerzbank (Rheinhyp) zur Eurohypo neu entstand der mit Abstand größte Spieler im Markt mit einer Bilanzsumme von 240 Mrd. Euro. Dahinter folgt die HVB Real Estate, in der die Hypo-Vereinsbank ihre Hypothekenbanktöchter gebündelt hat. Die Depfa hat sich vor kurzem in die Staatskreditbank Depfa Bank plc und das Immobilienfinanzierungsinstitut Aareal aufgespalten. Vor allem um die Aareal Bank ranken sich Fusionsgerüchte. "Die Aareal könnte eine Andockstation für andere Hypothekenbanken sein", erwartet von Köller eine Konsolidierung unter kleineren Spielern.

Zunächst gilt die ganze Aufmerksamkeit des neuen Eurohypo-Vorstandes der Bewältigung des Zusammenschlusses: Von Köller (Rheinhyp) und seine Stellvertreter Bernd Knobloch (Eurohypo alt) und Dirk Wilhelm Schuh (Deutsche Hyp) kämpfen noch täglich im Integrationsausschuss für Fortschritte. "Die Integration ist voll auf Kurs, aber wir brauchen noch ein bisschen Zeit", räumt von Köller ein. Mitte nächsten Jahres soll die neue Hypthekenbank reibungslos arbeiten.

Nachdem sich die Integration bislang vor allem auf die Zentralen konzentriert hat, kommen in den nächsten Monaten die Filialen an die Reihe. Bis Jahresende soll die Anzahl der Filialen für die gewerbliche Finanzierung im Inland von 25 auf 10 an weiterhin zehn Standorten gesenkt werden.

Von fusionsbedingten Störungen sei bislang noch nichts zu spüren, erklärte von Köller. Das Hypotheken-Neugeschäft aller drei Banken liege über dem Vorjahr. Für das Gesamtjahr rechnet der Eurohypo-Chef, dass sich die positive Tendenz fortsetzen werde. Auch der Verband deutscher Hypothekenbanken (VdH) ist optimistisch. Vor allem bei gewerblichen Finanzierungen ziehe das Geschäft an, sagte eine Sprecherin vor kurzem.

Auslandsgeschäft bekommt besonderes Gewicht

Besonderes Gewicht in der neuen Eurohypo hat das Auslandgeschäft. Hier will das Institut in den nächsten fünf Jahren zu den ersten drei der europäischen Immobilien-Finanzierungsbanken aufsteigen. Durch die Zusammenlegung der drei Institute verfüge die Eurohypo über "ein einzigartiges Netz" mit 17 Standorten weltweit, sagte von Köller. Erklärtes Ziel ist es, deutlich mehr als 50 % des Neugeschäfts im Firmenkundensegment im Ausland zu akquirieren.

Mit großem Rückhalt der Mutterinstitute können von Köller und seine Kollegen nicht mehr rechnen: "Die Hypothekentochter Eurohypo gehört nicht zu unserem Kerngeschäft. Wir werden uns davon trennen," stellte der neue Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann jüngst unmissverständlich klar. Der erste Schritt ist mit der Fusion getan. Da der Anteil an der Hypothekenbank nur noch 35 % beträgt, muss sie nicht mehr in der Bilanz konsolidiert werden.

Bis Ackermann seine Anteile verkaufen kann wird aber noch viel Zeit ins Land gehen. 2004 sollen 25 % der Eurohypo im Streubesitz liegen. Damit hätten die drei Mutterbanken aber erst einen Teil des Wertes gehoben, der laut einem Gutachten von Wirtschaftsprüfern bei 7 Mrd. Euro liegt. Doch momentan wäre nicht einmal das denkbar. Denn der Anteil der freien Aktionäre beträgt derzeit nur 2,2 %. "Es gibt keinen gut funktionierenden Markt", räumt auch von Köller ein. "Wir müssen uns erst als Aktienemittent entwickeln."

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