Kartellamt begrüßt neues Trassenpreissystem der Deutschen Bahn
Private Konkurrenz will Mitsprache bei Bahnreform

DÜSSELDORF. Die privaten Konkurrenten der Deutschen Bahn AG fordern ein Mitspracherecht, wenn über Maßnahmen zur Verbesserung des Wettbewerbs auf der Schiene entschieden wird. So hat die französische Connex-Gruppe, die bereits auf vielen Regionalstrecken in Deutschland fährt, nach Informationen des Handelsblatts Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig in einem Brief gebeten, an der Task Force zur Bahnreform beteiligt zu werden.

Die von Bodewig eingerichtete Task Force, die gestern ihre Arbeit aufgenommen hat, soll untersuchen, wie der Wettbewerb auf der Schiene durch größere Unabhängigkeit des Schienennetzes vom Betrieb der Deutschen Bahn verstärkt werden kann. Nach einem heftigen Streit zwischen Bodewig und Bahn-Chef Hartmut Mehdorn soll entgegen der ursprünglichen Pläne des Ministers auch Mehdorn an der Arbeitsgruppe teilnehmen. Mehdorn sträubt sich vehement gegen eine Trennung von Netz und Betrieb. Deshalb fordert nun Connex, dass dort auch die Erfahrungen und Vorstellungen der privaten Bahnkonkurrenten Gehör finden.

Ein Sprecher der Connex-Gruppe, die in 16 Ländern mehr als eine Milliarde Fahrgäste befördert, erklärte auf Nachfrage, dass es möglicherweise sogar die falsche Fragestellung sei, ob man das Netz aus der Bahn herauslösen solle. Viel harmonischer und rechtlich einfacher umzusetzen sei es doch, das Netz bei der Bahn zu belassen, aber umgekehrt den Betrieb Stück für Stück aus dem Unternehmen auszugliedern.

Ein wichtiges Hindernis für private Konkurrenten, die auf deutschen Schienen fahren wollen, hat die Deutsche Bahn jetzt beseitigt. So führt sie am 1. April ein neues Trassenpreissystem ein. Gegen die bisherige Preisstruktur hatte das Bundeskartellamt nach Beschwerden von Bahnkonkurrenten ein Missbrauchsverfahren eingeleitet.

Das Kartellamt hat das Missbrauchsverfahren jetzt eingestellt. "Ein wesentliches Hindernis für Wettbewerb auf der Schiene ist beseitigt", sagte Kartellamtspräsident Ulf Böge. Die Umstellung auf ein lineares Preissystem werde die so genannten Geringnutzer jährlich um einen zweistelligen Millionenbetrag entlasten, sagte der für Finanzen zuständige Manager der DB Netz, Matthias Zieschang. Bisher hatten die Bahn-Töchter als Großabnehmer Rabatte erhalten. Details der neuen Preisstruktur sollen im Internet veröffentlicht werden. In den kommenden fünf Jahren will die DB Netz den Umsatz mit Dritten auf 400 Mill. DM verdoppeln.

Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum
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