Archiv
Kartellamt gegen Lufthansa-Einstieg bei Eurowings

Die Behörde befürchtet eine erhebliche Schwächung des Wettbewerbes.

dpa BONN/DORTMUND. Das Bundeskartellamt will die Expansionspläne der Deutschen Lufthansa im Regionalflugverkehr stoppen und die Fusion mit der Fluglinie Eurowings verbieten. Nach bisheriger Prüfung führe der Zusammenschluss zu einer unerlaubten marktbeherrschenden Stellung bei innerdeutschen Flugreisen, stellte das Kartellamt am Dienstag in Bonn fest. Vor einer endgültigen Entscheidung räumte die Wettbewerbsbehörde dem Unternehmen noch bis zum 19. März eine Frist für eine Stellungnahme ein. Prüfung und Entscheidungsfindung enden am 28. März. Mit dem Einstieg bei der führenden deutschen Regionalfluggesellschaft Eurowings (Dortmund/Nürnberg) wollte Lufthansa seine Position in Nordrhein-Westfalen und die Anbindung des Landes an den innerdeutschen und europäischen Flugverkehr stärken. Das Angebot an Flügen im gemeinsamen Streckennetz sollte erweitert werden. Die Lufthansa wollte in der Kooperation auch preislich günstigere Flüge anbieten. Eurowings zeigte sich in einer ersten Stellungnahme «total überrascht». «Wir sind dabei zu klären, wie es zu dieser plötzlichen Maßnahme des Bundeskartellamtes gekommen ist», sagte Eurowings - Sprecher Thomas Wilde. Man wolle zusammen mit LH das Gespräch mit dem Kartellamt suchen und «den bewährten konstruktiven Dialog fortsetzen».

Verbot betrifft gesamten Anteilserwerb

Das Verbot des Zusammenschlusses werde den gesamten Anteilserwerb der Lufthansa an Eurowings betreffen, hieß es beim Kartellamt. Das seien 49 % der Anteile. Dabei spiele es keine Rolle, dass dieser Anteilserwerb in zwei Stufen erfolge. Zu Jahresbeginn hatte die Lufthansa 24,9 % der Eurowings-Anteile übernommen. Eine Option für 2003 und 2004 über weitere 24,1 % wurden eingeräumt.

Das Kartellamt räumte zwar möglicherweise positive Auswirkungen beim Regionalflugverkehr von Deutschland ins benachbarte Ausland ein, insbesondere zu den Drehkreuzen Amsterdam und Paris. Die positiven Effekte überwögen aber nicht die wettbewerbliche Nachteile im Inland.

Schritte zur Wettbewerbsverbesserung

Das Kartellamt habe deshalb den beiden Unternehmen seine Absicht mitgeteilt, die Fusion unter den gegebenen Umständen zu untersagen, erläuterte Kartellamtspräsident Ulf Böge. Ob letztlich ein Verbot der Fusion noch abgewendet werden könne, sei davon abhängig, ob die Unternehmen noch geeignete Schritte zur Wettbewerbsverbesserung vorschlügen.

Im Inland würden 66 von 86 Strecken, auf denen Lufthansa seine Flüge anbiete, ohne Konkurrenten beflogen, erläuterte Böge. «Die Marktstellung von Lufthansa ist insbesondere auf dem innerdeutschen Markt so überragend, dass die Fusion zu einer erheblichen Schwächung des Wettbewerbs führen würde.»

Weitere Streckenmonopole

Die Fusion würde weitere vier von Eurowings beflogene Strecken im Inland (Dortmund-München, Düsseldorf-Nürnberg, München-Paderborn, Nürnberg-Berlin) aus dem Wettbewerb nehmen. Der dann noch verbleibende einzig nennenswerte Konkurrent Deutsche BA stünde noch auf lediglich sieben Strecken im Wettbewerb.

Die Eurowings Luftverkehrs AG hat zur Zeit eine Flotte von 42 Maschinen. Die Gesellschaft transportierte 2000 rund 3,2 Millionen Passagiere zu 62 Zielen in europäischen Ländern. Mit einem Umsatz (1999) von 730 Mio. DM (373 Mio. Euro) ist sie die drittgrößte deutsche Fluggesellschaft.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%