Kartellamt hat Bedenken gegen geplante Internet-Kooperation
T-Online und Bild.de dürfen nicht gemeinsam ins Netz

Neue Schlappe für die Axel Springer AG: Die geplante Kooperation von Bild.de mit dem Internet-Riesen T-Online droht zu scheitern. Die Kartellbehörden befürchten zu große Marktmacht.

pos/hps DÜSSELDORF. Die geplante Kooperation zwischen Bild.de, dem Online-Portal der Boulevardzeitung Bild, und dem deutschen Marktführer im Internet-Zugangsgeschäft, der T-Online AG, droht zu scheitern. Das Kartellamt hat Bedenken gegen ein gemeinsames Unterhaltungsportal angemeldet, die Unternehmen abgemahnt und um Stellungnahme gebeten. T-Online und Springer bestätigten den Eingang entsprechender Schreiben, wollen aber, so Unternehmenssprecher, derzeit noch keine Stellung zu den Bedenken nehmen.

Nach ursprünglicher Planung sollte sich T-Online mit 37 % an der Bild.t-online.de AG beteiligen. Die restlichen 63 % sollte der Springer Verlag halten. Bild-Inhalte wären dann - vorzugsweise gegen Gebühr - über T-Online angeboten worden.

Eine endgültige Untersagung der im April 2001 angekündigten Kooperation wäre für beide Partner, die mit dem Verkauf von Inhalten aus den roten Zahlen kommen wollen, eine schwere Schlappe. Die T-Online-Aktie gab im Handelsverlauf nach, erholte sich dann aber wieder.

Der Zusammenschluss würde die marktbeherrschende Stellung von T-Online noch verstärken, erklärte ein Sprecher des Kartellamts am Donnerstag. Gerade der kostenpflichtige Bereich gilt als problematisch.

T-Online könnte sich hier eine Schlüsselposition aufbauen, da der Web-Dienst über die Telefonrechnungen der Mutter Deutsche Telekom AG auch kleinste Beträge (im Cent-Bereich) wirtschaftlich in Rechnung stellen könnte. Die Kunden müssten kein monatliches Bild-Abo im Web bestellen, was die Hemmschwelle für die Nutzung des Dienstes senken würde. Das könnte Signalwirkung für andere Inhalteanbieter haben, sich für T-Online zu entscheiden. Denn angesichts horrender Verluste im Web versuchen alle Medienhäuser, schnell kostenlose Dienste auf Zahlbasis umzustellen.

Auch Bild.de, das rund 100 Mill. Mal im Monat angeklickt wird, fährt nach Brancheninformationen hohe Verluste ein. Mitte des Jahres wurden unter dem Druck einer drastisch verschlechterten Lage des Gesamtkonzerns dann auch die ursprünglichen Pläne - etwa Liveberichte - fallen gelassen. Für 2001 wies Springer, auch wegen Wertberichtigungsbedarfs im Internet-Geschäft, einen Fehlbetrag von 191 Mill. Euro aus. Das Geld - und die Hilfe - von T-Online für Bild.de kämen für Springer-Chef Mathias Döpfner also genau zur rechten Zeit. Die Frist zur Stellungnahme läuft bis nächste Woche, kann aber, so ein Sprecher des Amts, verlängert werden.

Die Kooperation von T-Online und ZDF läuft dagegen weiter planmäßig und ist laut ZDF nicht von der Abmahnung berührt. ZDF und T-Online betreiben seit Ende August ein Nachrichtenportal (heute.t-online.de). Für die Lieferung von Nachrichten erhält das ZDF einen geheim gehaltenen Betrag von T-Online. Das Angebot ist - anders als das geplante Bild/T-Online-Portal - werbefrei und kostenlos.

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