Kartellamt muss zustimmen: Saban hat noch Chancen

Kartellamt muss zustimmen
Saban hat noch Chancen

Der US-Milliardär Haim Saban könnte mit seinem späten Angebot im Bieterprozess um die insolvente Filmrechte- und TV-Gesellschaft Kirch-Media den bisher favorisierten Bauer Verlag vielleicht doch noch ausstechen. "Ich würde heute nicht mehr sagen, dass Saban keine Chancen mehr hat", sagte Kirch-Media-Geschäftsführer Hans-Joachim Ziems am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters.

Reuters FRANKFURT. "Saban hat in den letzten Wochen einen großen Teil des Vorsprungs aufgeholt, den Bauer hatte", fügte er hinzu. Die Angebote seien nach dem jetzigen Eindruck materiell gleichwertig und könnten etwa zur selben Zeit unterschriftsreif sein. Mit einer Entscheidung und einem Abschluss der Verträge rechnet Ziems bis Ende Februar.

Der Bauer Verlag reagierte gelassen auf die Äußerungen von Ziems und geht weiter von einem erfolgreichen Abschluss der monatelangen Verhandlungen aus: "Wir sind nach wie vor sehr optimistisch und sind bei den Verhandlungen auf der Zielgeraden", sagte Verlagssprecher Andreas Fritzenkötter.

Kirch-Media will konkretes Angebot Sabans abwarten

Kirch-Media verhandelt seit Herbst eigentlich exklusiv mit einem Konsortium des Bauer Verlags und der Bank HVB Group über eine Übernahme des Kerngeschäfts von Kirch-Media, dem Filmrechtehandel, und der Mehrheit an der TV-Tochter ProSiebenSat.1. Das Angebot von Bauer hat nach Angaben von Branchenkreisen ein Gesamtvolumen von rund zwei Milliarden Euro.

Der US-Unternehmer Saban, der in den USA mit Trickfilmen ein Vermögen verdiente, hatte im Dezember ein konkurrierendes Angebot vorgelegt, was er am Donnerstag noch konkretisieren will. "Wir können keinen Deal mit Bauer unterschreiben, wenn Saban ein Angebot vorlegt. Die paar Tage werden wir jetzt noch warten und uns anschauen, wie konkret das Angebot ist", sagte Ziems. Schon nächste Woche wolle er aber mit Abschlussgesprächen beginnen und den Gläubigerbanken möglicherweise beide Offerten zur Entscheidung vorlegen.

In verhandlungsnahen Kreisen werden die Chancen des Saban-Angebots teilweise aber immer noch skeptisch gesehen. Das Bauer-Konsortium habe für die Ausgestaltung der komplizierten Struktur der Übernahme schließlich Monate gebraucht, sagte ein Beteiligter. "Zu glauben, dass ist in wenigen Tagen aufzuholen, ist völlig absurd", hieß es.

Verträge unter Vorbehalt der Genehmigung durch Kartellamt

Haim Saban ist nach eigenen Angaben mit dem französischen Sender TF1 im Gespräch über die Bildung eines Konsortiums für die Übernahme, würde den Kauf aber auch allein abwickeln. Ein Vorteil dieser Offerte wäre möglicherweise, dass eine Übernahme des größten deutschen TV-Konzerns und der größten deutschen Filmbibliothek keine kartellrechtlichen Probleme aufwerfen würde. Beim Bauer-Verlag, der bereits mit 31,5 Prozent an dem TV-Sender RTL II beteiligt und deutscher Marktführer bei Programmzeitschriften ist, hat Bundeskartellamts-Chef Ulf Böge bereits Bedenken geäußert.

Kirch-Media-Geschäftsführer Ziems sagte, er wolle auf jeden Fall einen jahrelangen kartellrechtlichen Streit verhindern. "Wenn beide Angebote identisch wären, wäre die Frage des Kartellrechts sicher ein Vorteil für Saban." Auch ein Vertrag mit Bauer würde unter dem Vorbehalt stehen, dass die Genehmigung durch die Kartellbehörden innerhalb weniger Monate erfolgt, erläuterte Ziems. Das sei bei solchen Verträgen üblich. Der Bauer Verlag hat sich immer zuversichtlich geäußert, die kartellrechtliche Genehmigung für eine KirchMedia-Übernahme zu bekommen. Der Verlag bespreche verschiedene Modelle mit den Kartellbehörden, hatte es geheißen.

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