Kartellamt prüft Holtzbrinck-Pläne
Tagesspiegel darf an Gerckens gehen

Das Bundeskartellamt will zwar den Verkauf des Berliner "Tagesspiegel" an den früheren Holtzbrinck-Manager Pierre Gerckens freigeben, die Übernahme der "Berliner Zeitung" durch Holtzbrinck aber vertieft prüfen.

HB BONN. Mit der Genehmigung des Tagesspiegel-Verkaufs sei allerdings noch keine Entscheidung über die strittige Übernahme des Berliner Verlages mit der "Berliner Zeitung" durch die Stuttgarter Holtzbrinck-Gruppe getroffen oder verbunden, erklärte das Bundeskartellamt am Freitag in Bonn. Dieser geplante Kauf werde nun weiter geprüft.

Ein Sprecher des Holtzbrinck-Konzerns erklärte in Stuttgart: "Wir freuen uns über die Entscheidung. Wir hatten nichts anderes erwartet". Dabei geht es vor allem um die Frage, ob der "Tagesspiegel" nach wie vor Holtzbrinck zuzurechnen ist. Das Kartellamt wird dabei auch die bestehende Holtzbrinck-Option für den "Tagesspiegel" berücksichtigen. Die Prüfung kann grundsätzlich drei Monate dauern.

Beide beim Kartellamt zur Freigabe angemeldeten Vorhaben seien, auch nach eigener Aussage der Beteiligten, eng miteinander verknüpft, teilte das Kartellamt mit. Dies werde auch durch die Vereinbarung zwischen Holtzbrinck und Gerckens deutlich. Danach soll die Veräußerung des "Tagesspiegels" an Gerckens nur dann wirksam werden, wenn der Übernahme des Berliner Verlages durch Holtzbrinck keine kartellrechtlichen Hindernisse mehr entgegenstünden.

Das Kartellamt sieht im Verkauf des "Tagesspiegels" an Gerckens einen kontrollpflichtigen Zusammenschluss. Für sich allein betrachtet erfülle er nicht die Voraussetzungen für eine Untersagung. Die Wettbewerbsbehörde entschied daher nach eigenen Angaben, dieses Vorhaben freizugeben und zugleich bei der Übernahme des Berliner Verlags in die vertiefte Prüfung (Hauptprüfverfahren) einzutreten.

"Mit dieser Entscheidung konzentriert sich das Amt auf die eigentliche Frage, ob der "Tagesspiegel" weiterhin der Holtzbrinck - Gruppe zuzurechnen ist", erläuterte Kartellamtspräsident Ulf Böge. "Wäre das der Fall, entspräche der Erwerb des Berliner Verlages durch Holtzbrinck dem ursprünglich vom Bundeskartellamt bereits geprüften Zusammenschlussvorhaben." Zuvor hatte Böge bereits erklärt, sein Haus werde "zu prüfen haben, ob sozusagen hier ein Strohmann-Geschäft, eine treuhänderische Tätigkeit, vorliegt oder nicht".

Holtzbrinck will den "Tagesspiegel" an Gerckens abgeben, um eine Erlaubnis zur Übernahme der Gruner + Jahr-Tochter Berliner Verlag ("Berliner Zeitung", "Berliner Kurier") zu bekommen. Die Kartellwächter hatten eine direkte Übernahme untersagt, da der Stuttgarter Konzern den "Tagesspiegel" herausgebe. Die "Berliner Zeitung" ist Marktführerin unter den Abo-Zeitungen in der Hauptstadt, gefolgt von "Berliner Morgenpost" (Axel Springer Verlag) und "Tagesspiegel".

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