Kartellamt skeptisch
Kommentar: Malone betreibt ein Verwirrspiel

John Malone will groß ins deutsche Kabelgeschäft einsteigen. Er hat allerdings ein Problem, das sein Vorhaben verhindern könnte.

Verwunderung und Verägerung über John Malone wachsen gleichermaßen. Der milliardenschwere Chef der Liberty Media will einen Großteil des deutschen Kabelnetzes kaufen. Doch er hat ein Problem: Das Bundeskartellamt muss noch zustimmen. Dabei hat Malone sich auf eine verwirrende Taktik eingelassen: Mit immer neuen Ankündigungen will er Verunsicherung in der deutschen Medienbranche säen, um schließlich ans Ziel zu kommen.

So kündigte die Liberty-Europa-Chefin Miranda Curtis zunächst an, den mühsam gefunden Decoder-Standard namens MHP nicht nutzen zu wollen. Begündung: Zu teuer. Die Branche schrie auf. Dann verkündete ein Malone-Sprecher vollmundig, man habe sich bereits auf den Einstieg bei Kirchs Bezahl-Fernsehen Premiere geeinigt. Wenige Tage später dementierten die Amerikaner und entschuldigten sich sogar bei Kirch. Schließlich wurde aber bekannt, dass Malone den Premiere-Einstieg schon beim Kartellamt angemeldet hatte.

Die Medienbranche hat sich durch die Manöver Malones nicht spalten lassen. Das Gegenteil ist inzwischen der Fall: Die Abwehrfront steht in seltener Eintracht. Nach Bertelsmann/RTL und der öffentlich-rechtlichen ARD plädiert jetzt auch die Münchener Kirch-Gruppe beim Kartellamt für eine Untersagung der Malone-Pläne. Die Konkurrenten eint die gemeinsame Angst: Sollte Malone und seine Liberty Media erst die volle Kontrolle über das Kabelnetz haben, wird er nicht mehr alle Sender frei einspeisen, sondern bestimmte Programme bevorzugen - mit unabsehbaren Folgen.

Dabei ist besonders Leo Kirch in einer Zwickmühle. Auf der einen Seite muss er auf den freien Kabel-Zugang der TV-Sender Sat 1, Pro 7 und Co. pochen. Auf der anderen Seite könnte der Konzern - zugleich Deutschland größter Film- und Sportrechtehändler - sein bisheriges Milliardengrab Pay-TV mit Hilfe Malones über Kabel endlich zum Durchbruch bringen.

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