Kartellamt stellt sich gegen Kabelnetz-Übernahme
Libertys Deutschland-Offensive steckt fest

Die mit großem Getöse eingeleitete Deutschland- Offensive des US-Konzerns Liberty Media steckt erst einmal fest. Das Kartellamt will den Kauf eines Großteils des Kabelnetzes der Deutschen Telekom unter den derzeitigen Bedingungen nicht genehmigen.

dpa MÜNCHEN. Zuvor hatte Liberty bereits den Antrag auf einen Einstieg beim Bezahlsender Premiere World zurückgezogen.

Der undurchsichtige Medienmogul John Malone, von vielen schon als eine Art Leo Kirch in XXL gefürchtet, ist erst einmal auf Normalmaß geschrumpft. "Es ist ein wenig stiller geworden um ihn", sagt ein Münchner Branchenkenner. Allerdings erwarten die meisten, dass der gewiefte Geschäftsmann Malone so schnell nicht aufgeben wird.

Liberty Media ist einer der einflussreichsten Medienkonzerne der Welt. Seit Anfang der 90er Jahre kaufte Malone in vielen Ländern Fernsehkabelnetze auf. Libertys weltweite Beteiligungen reichen von der Satelliten-Technologie über die Produktion und den Vertrieb von Unterhaltungs- und Informationsprogrammen bis zur Internet-Telefonie. Malone ist zudem maßgeblich an der News Corp von Rupert Murdoch beteiligt.

Für 5,5 Mrd. Euro will der Konzern nun auch noch rund 60 % des Telekom-Kabelnetzes haben. Von den Platzhirschen in Deutschland wurde Liberty von Anfang an misstrauisch beäugt. "Liberty Media fährt eine aggressive Strategie bei den Inhalten und plant, weitere Anteile an Programmanbietern zu erwerben", kritisierte RTL- Geschäftsführer Gerhard Zeiler. Auch bei Kirch zeigte man sich am Donnerstag zufrieden: "Die KirchGruppe sieht sich durch die Abmahnung des Kartellamts in ihrer Einschätzung bestätigt", sagte ein Sprecher.

Malone verschlechterte nach Einschätzung vieler Beobachter vor allem mit seinem undiplomatischen Auftreten seine Chancen. So meldete er beispielsweise beim Kartellamt ohne Absprache mit der KirchGruppe den Einstieg bei Premiere an. Dadurch vergrößerten sich die Ängste, Liberty wolle neben dem Kabel auch noch die Inhalte beherrschen. Ohne Zustimmung Leo Kirchs wäre ein Premiere-Einstieg allerdings wohl ohnehin nicht möglich gewesen. Daher wurde Malones Vorstoß von vielen als Aufbau von Verhandlungsmasse gewertet, um dem Kartellamt später Konzessionen machen zu können.

Mit den deutschen Fernsehsendern hatte es sich Malone schon vorher verscherzt. Gerade erst hatten sich diese in zähen Verhandlungen endlich auf den technischen Standard MHP (Multimedia Home Plattform) für die Empfangsgeräte des digitalen Fernsehen geeinigt. Da erklärte Liberty, dass die Decoder, die Ende 2002 an die rund zehn Mill. Kabelhaushalte verschenkt werden sollten, den Standard MHP nicht unterstützen würden.

Völlig offen ist, wie es nun weitergeht. "Wir überprüfen die Erklärung der Kartellbehörde, um festzustellen ob wir die vorgelegten Vorbehalte im Einklang mit einem durchführbaren Geschäftsplan und einer Kapitalstruktur befriedigen können, die unseren Aktionären angemessene Erträge bringt", erklärte Liberty-Media-Präsident Robert Bennet. Liberty hat zwei Wochen Zeit, zu der Vorentscheidung des Kartellamts Stellung zu nehmen. Dass Malone große Zugeständnisse macht, gilt in der Branche als eher unwahrscheinlich.

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