Kartellamt will Fusionen in jetziger Form nicht genehmigen
Ölmultis wollen Fusionen durchboxen

Die Partner Shell/Dea und BP/Aral wollen durch den Verkauf von Tankstellen ihre geplanten Fusionsvorhaben beim Bundeskartellamt durchboxen. Vor allem ausländische Wettbewerber wittern ihre Chance, auf dem hiesigen Tankstellenmarkt Fuß zu fassen oder ihre Anteile zu erhöhen.

lip HAMBURG. Die Mineralölkonzerne Shell/Dea und BP/Aral sind bereit, sich von einem erheblichen Teil ihrer Tankstellen zu trennen. Damit wollen sie ein Scheitern ihrer Fusionsvorhaben verhindern, nachdem das Bundeskartellamt die geplanten Zusammenschlüsse in der jetzigen Form nicht genehmigen will. Deshalb verhandeln die betroffenen Ölmultis - wie es aus Kreisen beider Konsortien heißt - bereits intensiv mit rund einem halben Dutzend in- und ausländischer Mineralölunternehmen über den Verkauf von 1 500 bis 2 000 Stationen.

Totalfina liegt gut im Rennen

Als aussichtsreichste Interessenten gelten die mit 1 000 Tankstellen in Deutschland vertretene französische Totalfina, des Weiteren die Conoco-Gruppe mit ihren 500 "Jet"-Stationen sowie der russische Energiekonzern Lukoil, der erst Anfang des Jahres mit einer Übernahme von Veba Oil und deren Aral-Stationen liebäugelte.

Auslöser für die Verkaufswelle ist ein Hinweis des Bundeskartellamts Ende November, die beabsichtigten Fusionen der Ölmultis Shell/Dea und BP/Aral nicht genehmigen zu wollen. Begründung: Sie würden den Wettbewerb auf dem deutschen Tankstellenmarkt beeinträchtigen: Nach den derzeitigen Plänen will Shell rund 1 500 Stationen in die Ehe mit Dea (1 700 Tankstellen) einbringen. BP beabsichtigt hingegen, ihre 930 Tankstellen mit den mehr als 2 300 Aral-Stationen zu verschmelzen.

Gestern hat das Shell/Dea-Konsortium dem Bundeskartellamt fristgemäß mitgeteilt, zu welchen Konzessionen es bereit ist: Nach firmeninternen Informationen wollen die beiden Konzerne zwischen 700 und 900 Stationen veräußern. BP und Aral hingegen wollen offenbar zwischen 800 und 1 100 Stationen verkaufen. Dieses Konsortium muss den Wettbewerbshütern am Mittwoch seine Pläne offen legen.

Sprecher der Unternehmen: "Kein Kommentar"

Öffentlich hüllen sich alle beteiligten Unternehmen noch in Schweigen: Die Sprecher von Shell/Dea sowie BP/Aral wollen übereinstimmend zu den "Inhalten möglicher Konzessionen an das Kartellamt keine Aussagen machen". Ein Shell-Sprecher bestätigte indessen, dass bereits Kontakte mit anderen Unternehmen aufgenommen wurden, um eine Veräußerung von Stationen auszuloten.

Der Zwang, Tankstellen verkaufen zu müssen, trifft die Ölmultis zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Denn die Konzerne verdienen wegen des harten Preiskampfes und des stetig rückläufigen Benzinabsatzes kein Geld im Tankstellengeschäft mehr. Zudem ist der deutsche Markt mit mehr als 16 000 Stationen überversorgt. Vor diesem Hintergrund versucht der Hamburger Mineralölwirtschaftsverband (MWV) seit längerem im Verbund mit den Konzernen einen Strukturfonds ins Leben zu rufen. Dabei ist geplant, dass alle Öl-Unternehmen gemeinsam Geld in diesen Fonds einzahlen, der die Schließung von rund 4 000 unrentablen Tankstellen ermöglicht.

Shell/Dea

und BP/Aral stecken deshalb in der Klemme: Sie können nur mit erheblichen Preisabschlägen, Tankstellen an ihre Wettbewerber abgeben. Dabei werden sie auf einen Paketverkauf abzielen, um Stationen in strukturschwachen Regionen abzustoßen. Ein Verkauf größerer Einheiten dürfte jedoch Zeit kosten, die die Konzerne nicht haben: Denn solange sie die Auflagen des Kartellamts nicht erfüllen, können sie die Fusionen nicht umsetzen.

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