Kartellamts-Auflagen
Höhenflug für den David vom Niederrhein

Mit dem Winterflugplan ab Ende Oktober werden am deutschen Himmel verstärkt fünf rote Sterne auftauchen. Sie zieren das neue Logo einer Airline, die mit knapp 80 Beschäftigten, gut 50 000 Passagieren und gerade 11 Mill. DM Umsatz im letzten Jahr bisher eher ein Exot war.

MÖNCHENGLADBACH. Das wird sich ändern: Mit wöchentlich 110 Flügen werden die Turboprop-Maschinen der European Air Express GmbH (EAE), Mönchengladbach, nicht nur am Heimatstandort, sondern auch in Paderborn, Dortmund und München zum vertrauten täglichen Anblick werden. Und ab nächstem Frühjahr werden sie auch die Route Nürnberg - Berlin bedienen.

Mit ihren Liniendiensten tritt sie an gegen zwei ungleich größere Wettbewerber - die Lufthansa AG, Köln, und die Regionalfluggesellschaft Eurowings AG mit Sitz in Nürnberg und Dortmund. Der plötzliche Auftrieb für die EAE kommt nicht von ungefähr: Der David vom Niederrhein soll verhindern, dass Lufthansa mit dem beabsichtigten 49-Prozent-Einstieg bei Eurowings (Handelsblatt vom 25. 9.) die marktbeherrschende Stellung im innerdeutschen Luftverkehr weiter ausbaut. Dies ist eine Auflage des Bundeskartellamtes. Auf sein Betreiben geben die beiden Großen zum 28. Oktober jeweils drei Flüge zwischen Paderborn bzw. Dortmund und München auf, um der EAE den Markteintritt zu ermöglichen.

Hinter der kleinen Airline steckt Finanzkraft. Die Gesellschaft gehört zu der Mönchengladbacher Vibro-Gruppe der Familie Viehof. Diese war Anfang 1998 in der Öffentlichkeit bekannter geworden, als sie ihre 86 Allkauf-SB-Warenhäuser an den Metro-Konzern und 150 Allkauf-Reisebüros an den Münchener Reiseveranstalter FTI verkaufte. Über den Kaufpreis bewahrten die Beteiligten seinerzeit Schweigen; die Branchenschätzungen bewegten sich von 1,5 bis 2,5 Mrd. DM.

Die Brüder Michael und Klaus Viehof fungieren jetzt als EAE-Geschäftsführer. Im Airline-Business sind sie seit zwei Jahren; zur Gruppe gehört auch die Vibro Air Flugservice GmbH, die Privat-Charterflüge für Geschäftsreisende anbietet.

Mit zwei 46sitzigen Turboprop-Maschinen vom Typ ATR 42 hatte die EAE im vergangenen Frühjahr den Linienflugbetrieb mit eigenem Personal begonnen. Von der Heimatbasis aus wurden bisher München und London-Luton bedient. Der England-Flug wird in diesen Tagen gestrichen. Denn, so Vertriebs- und Marketingchef Hartmut Gordziel, "wir konzentrieren alle Kraft auf das neue Liniennetz." Vom künftigen Konkurrenten Eurowings hat die Airline bereits drei ATR 42 gekauft und will noch zwei weitere erwerben; ihre beiden älteren Flieger hat sie ausgemustert. Zusammen mit der Aufstockung beim fliegenden Personal und beim Ausbau der Infrastruktur spricht Gordziel von einer "zweistelligen Millioneninvestition".

Für den Wettbewerb mit den Großen fühle sich die EAE - Slogan: "the business airline" - gut gerüstet. Sie biete komfortabel ausgestattete Maschinen, ein "besseres und anderes Catering" klassenlos im ganzen Flugzeug und Reisebüro-Provisionen für den Ticketverkauf deutlich über denen der Wettbewerber. Hinzu kommt eine weitere Auflage des Kartellamts an die Lufthansa-Adresse: Sie muss ihr Kundenbindungsprogramm "Miles & More" innerdeutsch allen Wettbewerbern öffnen. Während die Kranich-Airline diese und andere Auflagen "noch prüft" und nicht kommentieren will, ist dies für EAE ein weiteres gutes Argument, offensiv anzutreten. Manager Gordziel ist sich sicher: "Wir werden schon einen gesunden Wettbewerb bieten."

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