Kartellamts-Chef Ulf Böge verweigert Genehmigung
Ölkonzerne geben sich nicht geschlagen

So wie geplant können die Fusionen im deutschen Mineralölmarkt nicht über die Bühne gehen. Ulf Böge bestätigte, was er bereits öfter angedeutet hat: Wenn Shell die Dea-Tankstellen übernimmt und BP die Aral-Stationen schluckt, fürchtet der Kartellamts-Chef "weitgehend wettbewerbslose Strukturen" auf dem Benzinmarkt.

beu/sts/HB HAMBURG/DÜSSELDORF. Die Beteiligten der geplanten Doppelfusion auf dem deutschen Mineralölmarkt bleiben optimistisch, am Ende doch noch die Erlaubnis von den Wettbewerbshütern zu bekommen. Dies erklärten gestern sowohl Shell und RWE-Dea als auch der Eon-Konzern, der sein Raffinerie- und Tankstellengeschäft mit dem Ölmulti BP zusammenlegen will.

Für die Deutsche Shell GmbH wie für RWE-Dea kommen die Einwände aus Bonn, die neben dem Tankstellenmarkt auch das Bitumen- und Flugbenzingeschäft betreffen, keineswegs überraschend. Beide Konzerne verwiesen darauf, dass die vom Bundeskartellamt erfolgte Unterrichtung über dessen Bedenken ein "übliches Vorgehen" der Behörde sei - zumal bei Zusammenschlussvorhaben in dieser Größenordnung. RWE-Dea war bereits davon ausgegangen, dass die Fusion mit Shell im Downstream-Bereich - also das Zusammenlegen der Tankstellen und Raffinerien sowie des Heizöl-, Bitumen- und Flugbenzinhandels - nicht problemlos über die Bühne gehen würde.

Nun wollen RWE-Dea und Shell die Gespräche mit dem Kartellamt fortsetzen. Sie seien "zuversichtlich, dass die bestehenden Bedenken ausgeräumt werden können". Zugeständnisse seien möglich. Ähnlich kommentierte die Düsseldorfer Eon AG die Entscheidung des Kartellamtes.

Die Aktien der Versorgerunternehmen RWE und Eon reagierten zunächst so gut wie gar nicht auf die Bedenken des Bundeskartellamts. Die Papiere der Dea-Mutter RWE notierten bei 41,88 Euro und damit leicht über dem Vortageswert. Die Anteilsscheine von Eon kosteten 56,24 Euro und verbesserten sich ebenfalls geringfügig.

Die geplanten Zusammenschlüsse hätten weitreichende Auswirkungen auf den Tankstellenmarkt. Kommt es zur Fusion zwischen Shell und RWE-Dea, wollen beide Konzerne ihre Mineralölverarbeitung und den Verkauf rückwirkend zum 1. Juli 2001 zusammenlegen. Dabei übernimmt Shell die unternehmerische Führung und langfristig auch alle Anteile von RWE-Dea. Davon versprechen sich beide Konzerne jährliche Einsparungen von 150 Mill. Euro.

Die neue Shell & Dea Oil GmbH verfügte dann über 3 106 Tankstellen in Deutschland und erzielte einen Marktanteil von 24 % (Shell 13 %, Dea 11 %). Mit einer Rohölverarbeitungskapazität von 34,3 Mill. t jährlich in sechs Raffinerien wäre das neue Unternehmen der mit Abstand größte Raffineriebetreiber in Deutschland. Der gemeinsame Mineralölabsatz erreicht 38,9 Mill. t.

Für kurze Zeit war Shell neuer Marktführer in Deutschland - vor Aral mit einem Anteil von 18 %. Im Juli legten dann Aral-Eigentümer Eon und BP nach. Zum Jahreswechsel will BP 51 % an der Aral-Mutter Oil AG von Eon übernehmen, ebenso wie die operative Kontrolle über die Eon-Öltochter. Abgesehen von jährlich 200 Mill. $ Einsparungen kassiert BP damit über 2 300 Aral-Tankstellen. Zusammen mit den BP-Stationen, die auf Aral umgerüstet werden sollen, schöbe sich BP mit fast 3 300 Stationen und einem Marktanteil von rund 25 % vor Shell/Dea und Esso (10 %) auf Platz eins.

Die Aussicht, dass 60 % des Tankstellenmarktes von einem Oligopol von drei Anbietern beherrscht wird, beunruhigt nicht nur Kartellamts- Chef Ulf Böge, sondern auch die kleineren Wettbewerber. "Den freien Tankstellen brechen weitere Versorgungspartner weg", gibt der Vorsitzende des Bundesverbandes Freier Tankstellen, Hans-Willi Müller, zu bedenken. Durch den Einwand des Kartellamtes sieht der Verband allerdings derzeit noch keine Entwarnung.

Die Konzerne können sich aber nicht einfach von Stationen trennen und so unter die kritische Grenze rutschen. Zum einen ist der deutsche Markt überbesetzt; rund 4 000 der 16 000 Tankstellen sind überflüssig, und die meisten machen Verluste. Käufer sind deshalb nicht in Sicht. Zum anderen wollen Shell und BP durch die Aufkäufe Marktanteile ausbauen, um auf europäischer Ebene die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Die deutschen Konzerne Eon und RWE als Verkäufer wollen sich aus dem Geschäft verabschieden, weil sie im Europa- Maßstab zu klein sind. Fordert das Kartellamt zu weitgehende Einschnitte bei den Tankstellennetzen, machen die Deals keinen Sinn mehr.

Die Firmen sollen sich nun bis zum 10. Dezember äußern. Wegen der schwierigen Sachlage rechnet die Branche damit, dass sich die Fristen verlängern und eine Entscheidung des Kartellamtes frühestens im Januar fällt.

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