Kartellrechtliche Anforderungen aus Brüssel und Washington
Keine Musikehe zwischen Bertelsmann und EMI

Die Fusion der Musikgeschäfte von Bertelsmann AG und EMI Group plc ist gescheitert. Grund seien die kartellrechtlichen Anforderungen aus Brüssel und Washington, wie Bertelsmann am Dienstag mitteilte.

Reuters LONDON/GÜTERSLOH. Die Fusionspläne der Bertelsmann Music Group (BMG) und der britischen EMI zum weltgrößten Musikkonzern sind nach Angaben der Firmen aus kartellrechtlichen Gründen gescheitert. Die Anforderungen der Wettbewerbshüter in den USA und Europa hätten wohl eine komplizierte und langwierige Prüfung nach sich gezogen, teilte Bertelsmann am Dienstag mit. Zudem hätten sich hohe Auflagen abgezeichnet, die die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens vermutlich in Frage gestellt hätten, hieß es. Beide Firmen würden nun weiter ihre eigenen Wege gehen.

Einschränkungen des Wettbewerbs befürchtet

Die Kartellbehörden hatten vor allem bemängelt, dass bei einer Fusion von BMG und EMI die Zahl der führenden Musikunternehmen von fünf auf vier gesunken wäre, was den Wettbewerb nach Angaben der Behörden eingeschränkt hätte. Bei einem Zusammenschluss hätten BMG und EMI die Universal Music von ihrem weltweiten Spitzenplatz verdrängen können.

BMG hält sich auch ohne Partner für stark genug

Man sei nach einer Sondierungsphase zu dem Ergebnis gekommen, die Gespräche über eine Zusammenlegung der Musikgeschäfte nicht fortzusetzen, teilte Bertelsmann am Dienstag mit. Die beiden Unternehmen hatten offiziell seit November über eine mögliche Fusion gesprochen. Bertelsmann betonte am Dienstag wie schon in der Vergangenheit, man sei auch ohne einen Zusammenschluss mit dem britischen Konzern für den Wettbewerb gerüstet. "Mit der Talentschmiede BMG und unserem modernen Vertriebskonzept sind wir im Musikgeschäft in jedem Fall hervorragend ausgestellt", hieß es. Die BMG hat unter anderem Sänger wie Eros Ramazotti, Whitney Houston und Peter Maffay unter Vertrag.

Die EMI verwies am Dienstag zu den Gründen für die Beendigung der Gespräche auch auf das Interesse der Anteilseigner. "Nach einer umfassenden Analyse und Diskussion, waren wir nicht in der Lage ein Geschäft mit Bertelsmann abzuschließen, dass sowohl für unsere Aktionäre als auch für die Wettbewerbsbehörden funktioniert hätte," teilte EMI-Chef Eric Nicoli in einer Presseerklärung mit.

Vor einer Woche hatte Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff der Nachrichtenagentur Reuters zum Stand der Gespräche gesagt, alle grundsätzlichen Fragen zwischen den beiden Unternehmen seien geklärt. "Das gemeinsame Interesse beider Unternehmen richtet sich jetzt darauf, eine Lösung für die kartellrechtlichen Fragen zu finden."

BMG und EMI konnten Wettbewerbshüter nicht überzeugen

Die beiden Konzerne hätten die Bedenken der Wettbewerbshüter zerstreuen können, wenn sie etwa Teile ihrer bisherigen Geschäfte verkauft hätten und dadurch zum Beispiel ein neues Unternehmen entstanden wäre, dass dann die Zahl der großen Musikkonzerne weiter kostant bei fünf gehalten hätte.

Beide Unternehmen waren aber zu solchen Verkäufen nicht bereit. BMG und EMI hatten vielmehr versucht, die Wettbewerbshüter davon zu überzeugen, dass durch die gewachsene Bedeutung des Internets der Konkurrenzdruck auf die fünf größten Musikkonzerne gestiegen sei, was für mehr Wettbewerb sorge. Daher sei die Existenz eines fünften großen Musikkonzerns am Markt nicht notwendig, hatten BMG und EMI argumentiert. Zu den "Big Five" der Branche zählen neben BMG und EMI die Vivendi-Tochter Universal Music, der US-Konzern Warner Music und die japanische Sony Music. Die fünf Unternehmen kontrollieren 75 Prozent des weltweiten Musikmarktes, in dem jährlich rund 38 Milliarden Dollar umgesetzt werden.

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