Kartellrechtliche Bedenken gegen die Fusion von Usinor, Arbed und Aceralia
Thyssen-Krupp läuft den Stahl-Giganten hinterher

Francis Mer und Ekkehart Schulz sind dicke Freunde. Der Franzose sichert gerade sein Lebenswerk Usinor - am Freund aus Deutschland vorbei. Kann die Fusion des französischen Stahlunternehmens mit den Konkurrenten Arbed aus Luxemburg und Aceralia aus Spanien zum mit Abstand weltgrößten Stahlgiganten also als eine weitere herbe Schlappe für den Thyssen-Krupp-Konzern gewertet werden? Im vergangenen Jahr war schon nach anfänglich großem Tamtam der Börsengang der Stahltochter mit einigem Imageverlust abgesagt worden.

Aller gegenteiligen Beteuerungen zum Trotz wäre der Stahlkocher gerne unter ein Dach mit Usinor gekommen. Denn die Branchen-Experten rechnen damit, dass in Europa schon mittelfristig drei global agierende Stahlunternehmen dominieren werden. Thyssen-Krupp behält nach der sich nun anbahnenden Fusion Rang drei.

Die Verhandlungen zwischen Düsseldorf und Paris waren im vergangenen Jahr schon weit fortgeschritten - alle kartellrechtliche Bedenken wurden erst einmal beiseite geschoben. Im Edelstahl wäre "Thysinor" der Konkurrenz weit enteilt. Thyssen-Krupp ist alleine schon Weltmarktführer. Usinor als Nummer zwei rückt allerdings nun dichtauf.

Selbst im Flachstahlgeschäft - Bleche für Autos oder Maschinen - sind in beiden Konstellationen die Marktanteile in Europa gewaltig. Das neue Bündnis kommt auf mehr als 40 Prozent. Ob Brüssel da ohne Auflagen sein Plazet gibt, scheint mehr als fraglich. Auch die deutsch-französische Stahlehe wäre nicht all zu weit unter diesen Daten geblieben. Thyssen-Krupp ist weltweit die Nummer drei in diesem Segment.

Aber, das hat die Geschichte der Zusammenschlüsse gezeigt, auch in der Stahlindustrie muss eins plus eins in der Addition nicht unbedingt zwei ergeben. Die letzte große Fusion - von British Steel und der niederländischen Hoogovens zur Nummer drei - ist einer der Beweise. So richtig in Tritt ist das Gebilde bisher nicht gekommen.

Und auch das neue Bündnis muss Kapazitätsbereinigungen aggressiv angehen, die Produktion ist relativ zersplittert. Synergien können nur gehoben werden, wenn Standorte geschleift werden. Da hat Usinor nach der Übernahme der belgischen Cockerill Sambre aber einen schweren Klotz am Bein. Der wallonischen Regierung wurden weitgehende Bestands- und Arbeitsplatzgarantien gegeben.

Wer dagegen seine Struktur im letzten Jahrzehnt den Marktverhältnissen angepasst hat, der kann - auch ohne Zwang zur reinen Größe - in der von starken Konjunkturzyklen geprägten Stahlbranche gute Zahlen schreiben. Das beweist Thyssen-Krupp, das sich ganz auf den Rohstahlstandort Duisburg und auf Flach(edel)stahl konzentriert hat. Selbst in schlechten Jahren sollen nun nachhaltig positive Ergebnisse erwirtschaftet werden, hat Schulz vorgegeben.

In der Düsseldorfer Zentrale gilt aber weiter der Grundsatz: "Wir werden den Konzentrationsprozess in der Branche aktiv mitgestalten". Wobei Schulz die Betonung auf aktiv legt. Was aber bleibt dem deutschen Marktführer noch, um in Europa zu überleben? Der Kooperations-Markt ist auf dem alten Kontinent weitgehend ausgereizt. Deswegen werden die Fühler nach Übersee ausgestreckt - mit Schwerpunkt Nord- und Südamerika. Da sind schon einige Kandidaten ausgemacht, etwa Brasiliens CST. Globale Erfahrung gibt es im Edelstahl und auch im Flachstahl gilt für alle Großen die Devise: "Wir müssen unseren Kunden auf ihrem Weg in die Globalisierung folgen". Der wichtigste Abnehmer ist die Automobilindustrie und die agiert rund um den Globus. Thyssen-Krupp muss sich auf den dornigen Weg machen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%