Kaschmir-Konflikt
Indien bringt Raketensysteme in Stellung

Die Kriegsvorbereitungen auf dem indischen Subkontinent nehmen bedrohliche Ausmaße an. Indiens Ministerpräsidenten Vajpayee will einem Krieg nicht mehr um jeden Preis verhindern.

Reuters NEU-DELHI. Indien hat die militärischen Vorbereitungen für den Fall eines Krieges mit Pakistan vorangetrieben. Verteidigungsminister George Fernandes sagte, die Raketensysteme des Landes seien "in Position" gebracht worden. Das Ministerium erklärte zudem, Kampfflugzeuge seien auf vorgeschobenen Stützpunkten an der Grenze stationiert worden. In den Grenzregionen wurden Luftschutzübungen abgehalten und einige Orte evakuiert.

Am Mittwoch beriet das Kabinett über das weitere Vorgehen. Ministerpräsidenten Atal Behari Vajpayee sagte zuvor: "Wir wollen keinen Krieg, aber er wird uns aufgezwungen und wir müssen dem ins Gesicht sehen." Die Börsen reagierten auf die Kriegsgefahr verunsichert und mit fallenden Kursen.

Beide Staaten, die über Atomwaffen verfügen, haben ihre Streitkräfte an der Grenze verstärkt und die größte Truppenkonzentration seit fast 15 Jahren zusammengezogen. Indiens Armee verhängte eine Urlaubssperre und sagte die Parade zum Tag der Armee am 15. Januar ab.

Anlass der jüngsten Spannungen war ein Anschlag auf das indische Parlament am 13. Dezember, bei dem 14 Menschen starben. Indien macht Separatisten aus Kaschmir dafür verantwortlich und wirft Pakistan vor, diese Gruppen zu unterstützen. Beide Staaten führten seit ihrer Unabhängigkeit 1947 bereits zwei Kriege um die Region Kaschmir. Sie wird heute von Indien und Pakistan sowie zu einem kleinen Teil von China kontrolliert.

In der vergangenen Woche hatte Indien seinen Botschafter aus Pakistan abgezogen und einen pakistanischen Diplomaten unter Spionagevorwurf des Landes verwiesen. Unklar blieb zunächst, welche Auswirkungen die Verhaftung eines Führers der militanten Gruppe Jaish-e-Mohammad in Pakistan haben wird. Indien macht Jaish-e-Mohammad und die Gruppe Lashkar-e-Taiba für den Anschlag auf das Parlament verantwortlich. Der pakistanische Generalmajor Rashid Quereshi sagte Reuters in Islamabad, Jaish-e-Mohammad- Chef Maulana Azhar Masood sei verhaftet worden. Über die Gründe könne er keine Angaben machen.

Pakistans Präsident Pervez Musharraf warf in einer Rede am Dienstag islamischen Fundamentalisten im eigenen Land vor, dem Ruf der Religion durch Extremismus und Hetze zu schaden. Zugleich versicherte er seine Landsleute, dass die pakistanischen Streitkräfte bereit und fähig seien, alle Angriffe zurückzuschlagen.

In den vergangenen Tagen hatten sich indische und pakistanische Truppen an der Demarkationslinie in Kaschmir mehrfach Scharmützel mit leichten Waffen und Granatwerfern. Im indischen Bundesstaat Rajasthan, der rund 1000 Kilometer Grenze mit Pakistan hat, ordneten die Behörden Luftschutzübungen an. Dazu werde nachts zeitweise der Strom abgeschaltet und der Betrieb von Generatoren verboten, hieß es. Dazu heulten Sirenen, und Kampfflugzeuge würden über die Stadt fliegen.

Indiens Wirtschaft ist nach Aussage seines Finanzministers Yashwant Sinha für einen Krieg mit Pakistan gut gerüstet. Sinha sagte am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters, er hoffe aber, dass es zu keinem Krieg kommen werde. Unsicherheiten jeder Art seien für Wirtschaftswachstum nicht gut. Sinha sagte, Indien verfüge zurzeit über "komfortable Devisenreserven, komfortable Getreide-Reserven und eine niedrige Inflationsrate". Dies gäbe dem Land die Stärke, die Konsequenzen eines Konflikts viel besser zu durchstehen als dies etwa Pakistan könne, sagte Sinha weiter.

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