Kassen vor Kosten bewahren
Neues HIV-Medikament nicht unbegrenzt verfügbar

Erstmals seit Jahren hat die Europäische Arzneimittelagentur (EMEA) ein Aids-Medikament einer völlig neuen Wirkstoff-Klasse zugelassen. Auch das neue Mittel namens Fuzeon könne die tödliche Immunschwäche nicht heilen, sondern nur die Lebensqualität der HIV-Patienten verbessern, sagte Karl Schlingensief, Vorstandsvorsitzender von Hoffmann-La Roche Deutschland (Grenzach-Wyhlen) am Mittwoch in Frankfurt.

HB/dpa FRANKFURT/BERLIN. Das seit Dienstag in Europa zugelassene Medikament sei zudem zunächst nur für solche Patienten vorgesehen, bei denen andere Therapien nicht mehr helfen.

Die neuen Medikamentenklasse, die bereits die Fusion von Viren und Immunzellen blockiert, eröffnet nach Ansicht der Deutschen Aids-Hilfe (DAH) tatsächlich eine weitere Therapie-Perspektive. "Einer breiten Anwendung steht jedoch der noch hohe Preis und die relativ umständliche Anwendung entgegen", sagte am Mittwoch in Berlin der DAH-Medizinreferent Armin Schafberger in einem dpa-Gespräch.

Das Produkt mit dem Wirkstoff Enfuvirtide ist ein so genannter Fusionshemmer. Sie greifen ein, bevor das Virus in die Immunzellen gelangt. Die Viren können sich dann nicht mehr vermehren. Dagegen attackieren die bisherigen Mittel den Aidserreger erst nach seinem Vordringen in die weißen Blutzellen. Fusionshemmer sind die vierte Wirkstoffklasse auf dem Markt nach Nukleosiden, Protease-Hemmern und Transkriptase-Hemmern, die 1987, 1995 und 1998 zugelassen wurden. Meist bekommen Patienten eine Kombination dieser Medikamente.

Infizierte erhalten Kombinationen von Medikamenten

Bisher habe es in den drei Klassen zusammen 17 Aids-Medikamente gegeben, sagte Schafberger. "Wegen der raschen Resistenzbildung von Aids-Viren erhalten Infizierte eine Kombination von drei bis vier, manchmal auch mehr Medikamenten", erläuterte er.

"Afrika, wo es die meisten Infizierten und Erkrankten gibt, hat zunächst nichts von Fuzeon", meinte Schafberger. "Selbst wenn es bezahlbar wäre, gibt es Schwierigkeiten mit der notwendigen Kühlung und den nötigen Spritzen." Das Medikament muss zwei Mal täglich - ähnlich wie bei Insulin - gespritzt werden. Es sei mindestens doppelt so teuer wie die bisherigen Aids-Medikamente. Der Herstellungsprozess sei sehr aufwendig.

Es gebe in Deutschland mehrere tausend Patienten, die gegen Wirkstoffe der drei verfügbaren Arzneimittel-Klassen resistent seien oder sie nicht vertrügen, erläuterte Prof. Schlomo Staszewski, Aids- Experte am Universitätsklinikum Frankfurt. Derzeit werden in Deutschland 18 000 HIV-Patienten mit Medikamenten gegen Viren behandelt. Weltweit sind rund 42 Millionen Menschen mit dem Aidsvirus infiziert.

Medikament ist vorerst nicht für alle verfügbar

Die Behandlung mit Fuzeon kostet laut Hoffmann-La Roche monatlich 1650 Euro. Es wurde bereits Mitte März in den USA zugelassen und soll in zwei Wochen in Deutschland verfügbar sein. Es ist allerdings vorerst nicht für alle Patienten verfügbar. Wegen des aufwendigen Produktionsprozesses stehe der Wirkstoff zunächst nicht unbegrenzt zur Verfügung, gab Roche zu. Daher habe die Zulassungsbehörde die Vergabe auf "die bedürftigsten Patienten" beschränkt.

Der Arzt muss Daten daher über den Immunstatus des Kandidaten an eine Zentralstelle faxen, die dann eine Vergabenummer zurückfaxt. Nur mit dieser Nummer bekommt der Patient in der Apotheke seine Spritzen. Auch wenn am Mittwoch vor allem eine "Übervorsichtigkeit" der Zulassungsbehörde als Grund genannt wurde, klang doch durch, dass es auch gewünscht sei, die Kassen vor allzuhohen Kosten zu bewahren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%