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Kassenärzte planen Liste "unseriöser" Pharmafirmen

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) kämpft mit allen Mitteln gegen Pharmahersteller, die die so genannte aut-idem-Regelung zu unterlaufen versuchen.

hon DÜSSELDORF. Dazu zählt unter anderem eine einer Index-Liste mit allen Pharmaherstellern, die sich dem Gesundheits-Sparpaket der Bundesregierung durch "unseriöse Praktiken" entziehen wollen.

Als Beispiel für solche Tricksereien nennt KBV-Vorsitzende Manfred Richter-Reichhelm ein Pharmaunternehmen, das eine Packung mit hundert Tabletten zum "Mondpreis" von 500 Euro auf den Markt gebracht habe - fünf Euro pro Pille. Das selbe Präparat gibt es auch in einer 50er-Packung für bescheidene 35 Euro. Die größere Packung wird zu diesen Bedingungen zwar niemand kaufen, aber sie hat einen anderen Effekt. Da sich die aut-idem-Regelung an den Durchschnittspreisen vergleichbarer Medikamente orientiert, wird durch solche Ausreißer das gesamte Preisgefüge durcheinander gebracht. Das sei allerdings ein Einzellfall wie Richter-Reichhelm zugibt.

Weitere Tricks sind nach Angaben von Richter-Reichhelm Re-Importe oder Appelle an Apotheker, trotz aut-idem-Regel einfach die teueren Medikamente weiter zu verschreiben. Richter-Reichhelm: "Ich habe Unterlagen eines Fachjuristen der Pharmaindustrie vorliegen, in der solches Vorgehen diskutiert wird."

Um weitere solche Fälle aufzudecken, arbeitet die KBV mit zwei Methoden. Zum einen bittet sie ihre Mitglieder, die Augen aufzuhalten und besondere Vorkommnisse zu melden. Zum anderen will sie systematisch die Medikamentenpreise beobachten und besondere Schwankungen weiter verfolgen.

Die Sanktionsmöglichkeiten der Vereinigung sind allerdings begrenzt. Sie gehen über Empfehlungen an die Mitglieder nicht hinaus. "Kritische Ärzte werden sich überlegen, ob sie weiterhin Medikamente von Herstellern verschreiben, die in diesem Zusammenhang unangenehm aufgefallen sind", hofft Richter-Reichhelm.

Um den Ausgabenzuwachs bei den Arzneimitteln abzuflachen, gibt die KBV den Ärzten noch einen weiteren Ratschlag: Sie sollen einfach von vornherein die preiswerteren Medikamente verschreiben und dann die aut-idem-Wahl ausschließen. Das hätte den positiven Nebeneffekt, so Richter-Reichhelm, dass die Patienten dann auch immer genau das Medikament bekommen, das auf dem Rezept steht.

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