Kassenärztliche Bundesvereinigung kritisiert geplante Programme für chronisch Kranke
Ärzte warnen vor Amerikanisierung des Systems

Die Ärzteschaft bringt zusätzliche Schärfe in die Auseinandersetzung um die rot-grüne Gesundheitspolitik. Führende Vertreter der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) warfen Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) vor, sie leite mit ihren Reformgesetzen einen schleichenden Systemwechsel der solidarischen Krankenversicherung in Richtung "Kassenversorgungsstaat" ein.

pt BERLIN. Schmidt wolle das deutsche Gesundheitswesen "amerikanisieren". Dabei werde die Qualität der Versorgung auf der Strecke bleiben, erklärte KBV-Vorstandsmitglied Wolfgang Aubke. Die Verbände der Ersatzkassen warfen der KBV vor, sie inszeniere ein "Horror-Märchen". Stein des Anstoßes sind die Krankheits-Management-Programme für sieben chronische Erkrankungen von Diabetes bis Asthma, die Schmidt bereits 2002 auflegen will. Für jeden Versicherten, der freiwillig an einem solchen Programm teilnimmt, soll die jeweilige Krankenkasse Geld aus dem Finanzausgleich der Kassen erhalten.

KBV-Vorstandsmitglied Hans Friedrich Spies warf Schmidt vor, die Programme als reines "Vehikel" für einen zusätzlichen Finanztransfer von Billig-Kassen mit vielen gesunden Mitgliedern zu teuren Großkassen aufzulegen, die viele Kranke versorgen müssen. Einen Systemwechsel sieht die KBV vor allem darin, dass die Kassen allein über Qualitätsstandards der Programme sowie Auswahl und Bezahlung der teilnehmenden Ärzte und Krankenhäuser entscheiden sollen.

Damit würden die Kassenärztlichen Vereinigungen, die laut Gesetz eine qualitativ hochwertige Versorgung sicher stellen müssen, systematisch ausgeschaltet. Die Kassen würden für den Bereich der sieben chronischen Krankheiten, auf die immerhin 60 % aller Kassenleistungen entfallen, zu "Health-Mantainance-Organisationen" (HMOs) nach amerikanischem Muster. Dieses System sei in den USA aber gerade daran gescheitert, dass die HMOs Sparziele über eine hochwertige Versorgung gestellt hätten.

Die gleiche Entwicklung sieht die KBV für Deutschland voraus. Sie fürchtet, dass die Kassen die Qualitätsstandards der Programme bewusst niedrig halten werden, um mehr Geld aus dem Finanzausgleich zu erhalten, als sie für chronisch Kranke ausgeben müssen. Schwer Erkrankte würden daher kaum Chancen haben, die Programme zu nutzen. Außerdem erwarten sie eine Verschlechterung der Versorgung jener Kranken, die sich nicht einschreiben können. Zu verhindern sei dies nur durch eine Beteiligung der KBV. Dagegen fürchten die Kassen, eine Mitsprache der KBV könne das ganze Projekt blockieren. Sie drängen den Gesetzgeber, einige der sieben chronischen Krankheiten bereits im Gesetz zu regeln, um ohne lange Abstimmung rasch damit starten zu können.

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