"Katastrophale Fusionsbilanz"
Daimler-Chrysler steht turbulente Hauptversammlung bevor

Daimler-Chryler steht am 11. April eine turbulente Hauptversammlung bevor. Der Konzern veröffentlichte am Montag in Stuttgart die Gegenanträge mehrerer Kleinaktionäre und Aktionärsschutzvereinigungen, die dem Vorstand und zum Teil auch dem Aufsichtsrat die Entlastung verweigern wollen. Dabei geht es mehrfach um die Fusion von Daimler-Benz und der angeschlagenen US-Sparte Chrysler. Daimler-Chrysler wies die Vorwürfe in einem Brief an die Aktionäre zurück.

ap STUTTGART/FRANKFURT. Ein Freiburger Aktionär etwa beantragt, den Vorstand nicht zu entlasten. Vorstandschef Jürgen Schrempp habe bei der Hauptversammlung 1998 "wiederholt vorgetäuscht", Daimler-Benz und Chrysler als gleichwertige Partner fusionieren zu wollen.

Tatsächlich sei aber eine Übernahme geplant gewesen, wie Schrempp in einem Interview mit der "Financial Times" offenbart habe. Dort habe Schrempp unter anderem gesagt: "Wenn wir gesagt hätten, Chrysler wird eine Abteilung, hätte auf deren Seite jeder gesagt: Wir kommen so auf keinen Fall ins Geschäft."

Das Unternehmen sagte dazu am Montag, die "im Hinblick auf die Daimler-Chrysler-Fusion aufgestellten Behauptungen sind falsch und entbehren jeder Grundlage".

Nach dem Interview der "Financial Times" im November vergangenen Jahres hatte der Daimler-Chrysler-Großaktionär und US-Milliardär Kirk Kerkorian eine Klage über neun Milliarden Dollar (18,95 Milliarden Mark) gegen den Konzern eingereicht. Kerkorian wirft Schrempp vor, die Chrysler-Aktionäre belogen zu haben.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) hatten bereits in der vergangenen Woche Gegenanträge angekündigt. Die DSW wirft dem Vorstand vor, das strategische Ziel der Welt-AG mit einer Aggressivität verfolgt zu haben, die die damit verbundenen Risiken sträflich vernachlässigt habe. Die SdK sprach von einer "katastrophalen Bilanz" der Fusion von Daimler und Chrysler.

Daimler-Chrysler betonte am Montag, es bleibe Ziel des Unternehmens, "langfristig zum weltweit führenden Automobilhersteller" zu werden. Um dies zu erreichen, sei eine Vier-Säulen-Strategie aufgestellt worden: "Eine starke und ausgewogene Präsenz in den Märkten Europa, Amerika und Asien; ein vollständiges, hochattraktives Markenportfolio; ein umfassendes Produktprogramm zu jedem Kundenwunsch; Technologie und Innovationsführerschaft."

Ende Februar seien zudem die konkreten Meilensteine genannt worden, wie die Entwicklung in den kommenden drei Jahren gestaltet werden solle. Danach soll die Führung von Mercedes-Benz im Premiumsegment noch weiter ausgebaut und der Turnaround bei Chrysler erreicht werden. Außerdem sollen die Position als Weltmarktführer bei Nutzfahrzeugen ausgebaut und bei Freightliner wieder Gewinne erzielt werden. Schließlich wolle Daimler-Chrysler die Profitabilität des Dienstleistungsgeschäfts verbessern und eine intensive und profitable Zusammenarbeit mit Mitsubishi etablieren. "Im Jahr 2003 werden wir beim Operating Profit wieder an das hohe Niveau der Vorjahre anschließen", prognostizierte das Unternehmen.

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