Katastrophale Zahlen und gescheiterte Übernahmeverhandlungen
Der Wedeco-Aktie fehlt nun jede Phantasie

Wenn der Düsseldorfer Wasseraufbereiter Wedeco am Dienstag seine endgültigen Quartalszahlen vorstellt, dann sehen viele Anleger bereits gar nicht mehr hin. Zu krass war das, was sie am vergangenen Donnerstag präsentiert bekamen.

FRANKFURT/M. Auf einen voraussichtlichen Verlust von 3,5 Mill. Euro wurde da bereits hingewiesen. Zudem ist das bis dato prognostizierte Jahresergebnis von 10,5 Mill. Euro, das das Management bis zuletzt als "konservativ" bezeichnete, nur noch Makulatur. Kein Wunder also, dass die Aktie wie ein Stein fiel

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Für Wedeco-Aktionäre indes sind verfehlte Prognosen nichts neues. Bereits im Vorjahr musste das Management zurückrudern. Und auch 2001 hatte das TecDax- Unternehmen seine Ziele klar verfehlt. Zu offensichtlich ist inzwischen die Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität, so dass Analysten ganz offen von einem Mangel an Glaubwürdigkeit sprechen. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass Wedeco den Ruf als "Anlegers Liebling" hatte: Hohe Zuwachsraten, bahnbrechende Technik und ein Markt, der Wedeco die Produkte förmlich aus den Händen riss. Kein Wunder, boten die Düsseldorfer doch die Möglichkeit, Wasser mit umweltfreundlichem ultraviolettem Licht (UV) und Ozon anstatt mit schädlichem Chlor aufzubereiten. Bis auf den Höchstkurs von 47,90 Euro stieg die Aktie im Herbst 2000, zuletzt notierte sie knapp über 10 Euro.

Mindestens genauso belastend wie die miserablen Quartalszahlen sind für Wedeco jedoch die gescheiterten Fusionsverhandlungen mit dem kanadischen Wettbewerber Trojan. Beide Unternehmen gelten innerhalb der UV-Branche als weltweit führend, weshalb ein Zusammenschluss von Expertenseite allseits begrüßt wurde. Nun aber bekam Trojan nicht die Finanzierung des Deals zusammen, wie es aus Bankenkreisen hieß, weshalb die Gespräche wohl endgültig gescheitert sind. Wedeco belasten im Gegenzug Kosten von 3 Mill. Euro für die Fusionsverhandlungen, von denen im ersten Quartal bereits 1,8 Mill. Euro zu Buche schlagen.

Ohnehin mutete das angedachte neue Firmenkonstrukt seltsam an: Trojan sollte offiziell Wedeco übernehmen, anschließend sollte die neue Firma aber vom ehemaligen Wedeco-Management geführt werden. Mit der Familie von Firmenchef Werner Klink, die noch 25,1% der Anteile hält, soll sich Trojan bereits über den Verkauf der Anteile einig gewesen sein. Im Gespräch sollen nach Auskunft von Analysten 20 Euro je Aktie gewesen sein, was angesichts des aktuellen Kurses als reichlich ambitioniert gewertet wurde. Schließlich wäre damit viel Phantasie mitbezahlt, hieß es. Bei manchen kommen indes Erinnerungen an die Zeit des Börsenganges auf: Auch im Herbst 1999 stammten 1,5 Mill. der insgesamt 4 Mill. Aktien aus Beständen der Altaktionäre und brachten diesen beim Preis von 7,80 Euro je Stück 11,7 Mill. Euro ein. Ein zweiter Zahltag ist zumindest vorerst ausgefallen.

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