Katastrophaler Zustand der Fischbestände
Poker um Schicksal von Fischern und Fischen

Die EU-Fischereipolitik steht angesichts bedrohlicher schrumpfender Bestände und einer viel zu großen Fangflotte vor der einschneidendsten Reform ihrer Geschichte. Die EU-Fischereiminister haben sich am Montag zu einer Marathon- Sitzung in Brüssel versammelt, um in den kommenden Tagen - nötigenfalls rund um die Uhr - den Streit um Fangbeschränkungen, das Ende der Beihilfen für den Neubau von Schiffen und einheitliche scharfe Kontrollen in einem harten Verhandlungspoker zu beenden.

HB/dpa BRÜSSEL. "Wir können nicht so weitermachen wie bisher. Der katastrophale Zustand einiger Bestände ist traurige Realität", beschrieb EU- Kommissar Franz Fischler zu Beginn die Situation. "Diese Reform ist eine Reform für die Fischer, denn ohne Fische kann es auch keine Fischer geben", hielt Fischler denjenigen Ländern im Ministerrat entgegen, die sich hartnäckig gegen eine Wende stemmen, wie sie der EU-Kommissar bereits im März vergangenen Jahres vorgeschlagen hatte.

Auf dem Tisch der Ministerrunde liegt ein Kompromissvorschlag der dänischen EU-Ratspräsidentschaft. Er sieht die dringend notwendige Abkehr von "einer verfehlten Fischereipolitik mit überhöhten Fangquoten und zu vielen Booten, gefördert mit öffentlichen Mittel" vor, wie Fischler sagte. So soll der Neubau oder-kauf von Schiffen nun nach 2004 nicht mehr subventioniert werden. Ursprünglich sollten die millionenschweren Beihilfen bereits mit dem vor der Tür stehenden Jahreswechsel enden. Außerdem soll Geld für die Modernisierung der Trawler nur noch locker gemacht werden, wenn es um die Verbesserung des Sicherheitsniveaus an Bord geht und nicht um die Anschaffung etwa modernster Fanggeräte.

Weiter müssen sich die Minister auf die Fangquoten für das kommende Jahr einigen. Die Vorschläge der EU-Kommission dazu sehen drastische Beschränkungen um bis zu 80 Prozent etwa beim besonders gefährdeten Kabeljau vor. Ohne einschneidende Maßnahmen dürfte zukünftig der Preis für Speisefisch noch schneller als bisher in die Höhe schnellen. Und letztlich steht zu befürchten, dass der Kabeljau in europäischen Gewässern buchstäblich zu Tode gefischt wird und ganz verschwindet.

Während eine Reihe von EU-Ländern wie Deutschland die Reformen im Sinne eine nachhaltigen Fischerei unterstützen, wollen die in der Gruppe der "Freunde der Fischerei" zusammengeschlossenen Staaten um Frankreich und Spanien an dem bisherigen System festhalten und so viel fischen wie irgend möglich. Dabei gehen in der EU nicht zuletzt auf Grund der Überfischung jährlich 8 000 Arbeitsplätze in diesem Sektor verloren.

Die Fakten sprechen für sich. So gab es nach Angaben der EU-Kommission Anfang der 70er Jahre in den EU-Gewässern rund 90 Prozent mehr ausgewachsene Fische als Ende der 90er Jahre. Besonders gefährdet ist der Kabeljau, dessen Bestand in der Nordsee in den vergangenen 20 Jahren um 60 Prozent abnahm. "Jeder, der diese warnenden Zeichen ignoriert und behauptet, es sei im Interesse der Fischer, so weiterzumachen wie bisher, ist weder ein Freund der Fischer noch der Fischerei", wandte sich Fischler in einem offenen BRief an die europäischen Fischer.

Nach offiziellen Angaben gibt es in der Union knapp 100 000 Fischereifahrzeuge. Im EU-Fischereisektor sind insgesamt gut 500 000 Menschen beschäftigt. Spanien hat die größte Flotte in der Union mit 17 500 Booten. Die deutsche Flotte ist mit gut 2300 Booten relativ klein.

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