Katastrophe auf Berliner Kinderzeltplatz
Sieben Tote bei Unwettern in Deutschland

In Berlin und Brandenburg sind Mittwochabend bei einem der schwersten Unwetter seit Jahrzehnten sieben Menschen ums Leben gekommen. Das tragischste Unglück ereignete sich auf einem Jugendzeltplatz auf der Berliner Wannsee-Insel Schwanenwerder. Zwei Jungen wurden von umgestürzten Bäumen erschlagen. 13 Kinder, Jugendliche und Erwachsene wurden verletzt, aber nicht lebensgefährlich.

HB BERLIN/MÜHLENBECK. Bei den Toten handelt es sich um einen 12-Jährigen aus Berlin-Müggelheim und einen 15-Jährigen aus Frankfurt (Main), teilte Landesbranddirektor Andreas Broemme am frühen Donnerstagmorgen der Presse mit. Beide waren Mitglieder der Jugendfeuerwehr.

In Berlin-Pankow wurde laut Polizei ein Mann von einem Ast erschlagen, in Reinickendorf ein 60-Jähriger von einem umgestürzten Baum getötet. Im Land Brandenburg starb ein 18-Jähriger unter einem eingestürzten Laubendach. Bei Seelow und bei Storkow wurden eine 25 Jahre alte Autofahrerin und ein 45 Jahre alter Mann von Bäumen erschlagen. Wegen umgestürzter Bäume, blockierter Fahrwege und Schienen sowie Überflutungen waren Polizei, Feuerwehr und andere Rettungskräfte im Großeinsatz.

Die beiden Jungen hatten mit noch etwa 120 Kindern und Jugendlichen in einem Zeltlager der Feuerwehr, des Technischen Hilfswerkes und des Roten Kreuzes eine Ferienwoche verlebt. Nach verschiedenen Unwetterwarnungen waren die Zelte überprüft und die Kinder in vermeintliche Sicherheit auf der Insel gebracht worden. Die zwei Jungen waren aus derzeit unbekannten Gründen noch in den Zelten, erklärte Landesbranddirektor Albrecht Broemme vor der Presse.

Bäume wurden zuvor inspiziert

Schon vor Beginn des Zeltlagers waren die Bäume laut Broemme vom Gartenbauamt inspiziert worden. Der schwere Sturm stürzte jedoch acht von ihnen um. Die Rettungsarbeiten wurden durch quer liegende Bäume auf der Zufahrtstraße zu der Insel erschwert. Hilfskräfte konnten nur mit Booten übersetzen, um die Verletzten zu bergen. Erst nach Mitternacht war die Zufahrt passierbar. Broemme sprach von "den widrigsten Umständen, die man sich nur vorstellen kann". Rettungshunde waren zur Sicherheit noch in der Nacht auf der Suche nach eventuellen Opfern im Einsatz, obwohl laut Feuerwehr niemand vermisst wurde.

Nach 20.15 Uhr hatte die Feuerwehr in Berlin den Ausnahmezustand verhängt. Sämtliche 18 Notrufleitungen waren besetzt. Auch Polizei, Technisches Hilfswerk, Freiwillige Feuerwehren und der Bundesgrenzschutz waren im Einsatz, insgesamt laut Broemme etwa 1500 Helfer. Nach einer ersten Bilanz stürzten in Berlin bis Mitternacht fast 1150 Bäume um. Die Feuerwehr registrierte bis dahin 2076 Einsätze. Vier Personen waren von Bäumen eingeklemmt worden und mussten befreit werden. Wegen loser Bauteile rückte die Feuerwehr 127 Mal aus. Ein Gebäude, zu dem ein Feuerwehsprecher keine genaueren Angaben machen wollte, stürzte ein. Autos wurden demoliert.

Der Bahn - und der S-Bahnverkehr wurden durch umgestürzte Baumstämme, herabfallende Äste und Oberleitungen beeinträchtigt. Auch bei der U-Bahn kam es zu Ausfällen. Abschnitte der Stadtautobahn konnten wegen umgestürzter Bäume zeitweilig nicht befahren werden. Gegen 20.30 Uhr wurde der Flugverkehr auf dem Airport Tegel für eine halbe Stunde eingestellt. Auch in Schönefeld kam es zu Verspätungen.

Sicherheit am Mast gesucht

Im Bereich des Bahnhofs Zoo und an der Fischerinsel berichteten Augenzeugen von einer Windhose. "Der Sturm hat Abfall und Äste in einer grauen Wolke durch Straßen der Innenstadt geblasen", berichtete ein Passant. Ein anderer Zeuge sagte: "Auf dem Bahnhof Zoo mussten sich Reisende an Beleuchtungsmasten festhalten, weil der Sturm so stark war."

Ein Konzert auf dem Berliner Gendarmenmarkt zum 50-jährigen Bestehen des Berliner Sinfonie-Orchesters (BSO) musste abgebrochen werden. Wegen der Behinderungen im Schienenverkehr "müssen Reisende teils mit größeren Verspäterungen rechnen", sagte ein Bahnsprecher. Die Aufräumungsarbeiten dürften bis in die Morgenstunden dauern.

Allein im Bereich Brandenburg an der Havel seien nach 19.30 Uhr innerhalb von einer guten halben Stunde 40 Sturmschäden gemeldet worden, sagte ein Sprecher des Lagedienstes im Innenministerium. Im Bereich des Polizeipräsidiums Potsdam waren es etwa eine Stunde später etwa 150 Schadensfälle. Meistens stürzten Bäume auf Häuser und Straßen. Die Feuerwehr sei auch hier zeitweise an die Grenzen ihrer Kapazität gekommen.

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