Katastrophenwetter und russische Trinkgewohnheiten
Mieser Sommer belastet Interbrew

Der verregnete Sommer aber auch hausgemachte Fehler haben das operative Ergebnis des belgischen Brauriesen Interbrew im ersten Halbjahr 2002 stark in Mitleidenschaft gezogen. Ein Minus von rund zwölf Prozent enttäuschte gestern die Börsianer, der Kurs der Interbrew-Aktie gab stark nach.

ire DÜSSELDORF. Mit einem leichten Minus von etwa 4 % beim operativen Ergebnis des belgischen Braukonzerns Interbrew S.A., Leuven, hatten die Analysten vor der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen schon gerechnet. Denn ein regnerischer Sommer in Europa kann jedem Bierbrauer die Bilanz verhageln. Doch gestern berichtete Interbrew-Finanzchef Luc Missorten von so vielen zusätzlichen unerwarteten kleinen Katastrophen, dass die Aktienmarkt-Experten sich vorkommen mussten, als hätte ihnen jemand vorsätzlich ins Bier gespuckt.

Vor allem der internationale Expansionsdrang des nach Anheuser Busch und SAB-Miller drittgrößten Braukonzerns der Welt hat in den vergangenen sechs Monaten einige Dämpfer erhalten. So klagt die zweitgrößte mexikanische Brauerei, Fomento Economico Mexicano, vor einem US-Gericht gegen Interbrews Absicht, die im letzten Jahr erworbene deutsche Premiummarke Beck?s in den Vereinigten Staaten über das konzerneigene Vertriebsnetz von Labatt USA zu vertreiben. Wie das Pfeifen im Wald wirkt hier das Bestreben, die Position des Konzerns in den USA weiter zu festigen. So kündigte Interbrew gestern an, dass die Belgier ab Mitte nächsten Jahres im Besitz der Vertriebsrechte von Bass Ale in den USA sind. 105 Mill. $ zahlt Interbrew dem britischen Getränkekonzern Diageo Plc dafür.

Auch die Gewohnheiten russischer Biertrinker machen Interbrew zu schaffen. So trinkt der Moskauer oder St. Petersburger sein Pils lieber aus der Dose oder der Plastikflasche, statt aus der von den belgischen Brauern angebotenen Glasflasche.

Auch die Flutkatastrophe in Zentraleuropa, von der ebenfalls eine Ergebnisschmälerung erwartet wird, sowie das anhaltend schlechte Wetter in zentralen Absatzgebieten erzeugen neue Sorgenfalten auf der Stirn von Interbrew-Chef Hugo Powell.

Insgesamt sank der Umsatz des Konzerns nach Interbrew-Angaben im ersten Halbjahr 2002 um 1,8 % auf 3,417 (Vorjahr 3,480) Mrd. Euro. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ist im gleichen Zeitraum im Jahresvergleich um 12,1 % auf 573 (652) Mill. Euro gefallen. Der Konzern bekräftigte indes seine Absicht, bis 2004 pro Jahr einen zweistelligen Gewinnzuwachs je Aktie zu erzielen.

Deshalb zeigten wohl die Daumen der Analysten am Ende des gestrigen Börsentages nicht ganz nach unten. Folkert Jan van der Veer von Dexia Securities stufte das Papier erst einmal abwartend auf "neutral". Für Peter Koster von der Friesland Bank Securities bleiben die Aktien von Interbrew ein "langfristiger Kauf".

Mit seinem Deutschland-Geschäft, speziell mit der Marke Beck?s, zeigte sich der belgische Brauriese im ersten Halbjahr 2002 hingegen zufrieden. Nach Interbrew-Angaben ist Beck?s mit einem Plus von 17,8 % die einzige Marke mit einem zweistelligen Volumenwachstum. Zufrieden sind die Belgier mit der Position von Beck?s im oberen Preissegment. Außer der Bremer Traditionsmarke hatte Interbrew im vergangenen Jahr auch die Marke Diebels Alt erworben.

Brancheninsider berichten von weiteren Expansionsbestrebungen des nach eigenen Angaben weltweit produzierenden "lokalen Brauers". Presseberichte, die Belgier seien an der Marke Dom Kölsch interessiert, erwiesen sich jedoch als Produkte der Gerüchteküche.

Hinter den Kulissen sondieren sowohl Interbrew und auch der niederländische Braukonzern Heineken, der bereits Anteile an Paulaner und Karlsberg hält, die Lage auf dem deutschen Markt. Fündig geworden sein sollen die ausländischen Spähtruppen im Raum Hannover und Ostwestfalen.

Quelle: Handelsblatt

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