Kategorien sollen vereinfacht werden
Im Dschungel der Aktienurteile

Immer mehr Investmentbanken ändern ihre Bewertungssysteme

DÜSSELDORF. Goldman Sachs hat es getan, Credit Suisse First Boston (CSFB) hat es getan, die britische HSBC, Merrill Lynch und auch die Deutsche Bank sind mit von der Partie - alle haben sie in den vergangenen Monaten ihre Ratingsysteme zur Einstufung von Aktien geändert. Das Ziel: eine Vereinfachung der Einstufungskatagorien. Zuvor hatten ihre Researchabteilungen Aktien meistens in fünf Empfehlungskategorien eingeteilt. Jetzt vergeben die Analysten meist nur noch drei Urteile, die im Wesentlichen "Kaufen", "Halten" oder "Verkaufen" bedeuten.

Die Banken reagieren damit auf die anhaltende Kritik an der Qualität und der Arbeitsweise ihrer Researchabteilungen. Doch Zweifel sind angebracht, ob das System durch die Änderungen wirklich besser wird. Denn einfach sind Aktienempfehlungen durch die Reform nicht geworden. Denn hinter jeder Anlageempfehlung steckt eine genaue Definition, die von Bank zu Bank verschieden ist. Welcher Zeitraum liegt der Beurteilung zu Grunde, vergleicht der Analyst die Aktie mit einem Index, mit der Branche oder geht er von einer absoluten Kursentwicklung aus, welche erwartete prozentuale Entwicklung steckt dahinter? Das alles muss ein Anleger wissen.

Bedeutet ein "Buy" bei WestLB Panmure etwa ein Plus von mindestens 20 Prozent im Vergleich zum Index, heißt ein "Overweight" bei JP Morgan, dass sich die Aktie besser als der Sektor entwickeln wird. Entwickelt sich der Sektor aber schlecht, kann eine bessere Entwicklung einer einzelnen Aktie dieses Sektors trotzdem ein Kursminus bedeuten. Weiß ein Anleger das alles, dürfte es für ihn keinen Unterschied machen, ob es drei oder fünf Kategorien gibt. Im Gegenteil: mehrere Kategorien bedeuten auch differenziertere Empfehlungen. Und institutionellen Investoren - für die die Banken ihr Research betreiben - ist es durchaus zuzutrauen, dass sie über die einzelnen Anlageempfehlungen Bescheid wissen.

Was bringen also die Änderungen wirklich? Urteile einfach umzubenennen, andere Definitionen zu Grunde zu legen und einige Kategorien zu streichen ist nichts weiter als Kosmetik. An der Tatsache, dass viele Banken immer noch mehr positive Aktienurteile abgeben als negative, ändert sich dadurch erst einmal nichts. Bei der Bank of America sind nach Angaben des Informationsdienstes Bloomberg nur zwei Prozent aller Aktienempfehlungen negativ, bei Merrill Lynch sind es sieben Prozent, UBS Warburg vergibt bei fünf Prozent aller eingestuften Titel ein negatives Urteil.

Und genau das ist einer der Kernpunkte der Vorwürfe: Die Banken hätten zu positive Aktienurteile vergeben, weil sie auf lukrative Folgeaufträge für ihr Investmentbanking spekulierten. Intern spotteten Analysten über einen Titel, nach außen empfahlen sie die Aktie. Negative Urteile gab es kaum, viele Investoren empfanden ein "Neutral" schon als Verkaufsempfehlung. Die Urteile seien zu undurchsichtig, warfen Kritiker den Banken vor. Denn was solle, bitteschön, ein Anleger mit dem Urteil "Untergewichten" anfangen, das nichts anderes sei als der Rat, die Aktie zu verkaufen.

Also schritten die Banken zur Tat. Schließlich ist der Imageschaden groß. Einfacher wolle man das System machen, lautete die Begründung. Die Deutsche Bank und CSFB opferten zum Beispiel "Strong Buy", CSFB stieg zudem von den Einstufungen "Buy", "Hold" und "Sell" auf "Outperform", "Neutral" und "Underperform" um. Merrill Lynch begrub "Accumulate" und "Reduce".

Aber solange nicht das Researchsystem komplett umgekrempelt wird und strikt getrennt wird vom Investmentbanking, nutzen solche kosmetischen Operationen wenig. An Bemühungen das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen, mangelt es indes nicht. Eine Reihe von Banken listet mittlerweile die Anzahl ihrer positiven und negativen Urteile auf, um Transparenz zu schaffen. Bleibt auch wieder die Frage: Kosmetik oder wahre Reform?

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