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Katholik, Sozialist, Premier, Hochkommissar

Für Ex-Regierungschefs findet sich immer ein akzeptabler Job. Uno-Hochkommissar für Flüchtlinge etwa. Ab Mitte Juni will sich der ehemalige portugiesische Premierminister António Guterres (56) an der Aufgabe versuchen.

Für Ex-Regierungschefs findet sich immer ein akzeptabler Job.
Uno-Hochkommissar für Flüchtlinge etwa. Ab Mitte Juni will sich der ehemalige portugiesische
Premierminister António Guterres (56) an der Aufgabe versuchen.
Während andere ihre Kriege führen, wird Hochkommissar Guterres und sein
Flüchtlingshilfswerk UNHCR den Opfern der Konflikte helfen müssen. Insgesamt fallen
17 Millionen Menschen unter das UNHCR-Mandat - Flüchtlinge, Vertriebene,
Asylsuchende, Staatenlose. Brennpunkt ist die sudanesische Bürgerkriegsregion
Darfur.
Weltweit bauen mehr als 6000 UNHCR-Mitarbeiter mit lokalen Helfern Camps für
Flüchtlinge und Vertriebene, schützen die Verjagten vor Übergriffen der
Kriegsparteien. In mehr als fünf Jahrzehnten fanden 50 Millionen Menschen Zuflucht
beim UNHCR - zweimal erhielt das Werk den Friedensnobelpreis.
Auf einen Tiefpunkt rutschte das Image des UNHCR unter der Führung des
Guterres-Vorgängers Ruud Lubbers. Der niederländische Ex-Premierminister, Lebemann
und schwerreich, fiel durch vermeintliche sexuelle Belästigungen von
Untergebenen auf. Anfang 2005 schmiss Lubbers den Job als Hochkommissar.
Derartige Eskapaden erwarten Genfer Diplomaten vom zweifachen Vater und
praktizierenden Katholik Guterres nicht. Im Jahr 1999 rückte der portugiesische
Kabinettschef (1996 - 2002) auch an die Spitze der Sozialistischen
Internationale. In beiden Funktionen knüpfte der studierte Elektrotechniker ein exzellentes
Neztwerk. Die Kontakte sollen Guterres jetzt helfen.
Denn wie fast alle Uno-Agenturen wird das UNHCR von Geld-Sorgen geplagt. Die
mehr als 1 Milliarden US-Dollar Jahresbudget reichen kaum, um allen
Schutzbefohlenen ein erträgliches Leben zu finanzieren. Der neue UNHCR-Chef muss in
seiner dreijährigen Amtszeit bei reichen Ländern die Hand aufhalten.
Der Portugiese wird auch bei Machthabern in Krisenländern und
Rebellen-Kommandanten als Bittsteller erscheinen: Er muss für seine Helfer um Zugang zu
Vertriebenen und Flüchtlingen nachsuchen. Nur zu oft sind die Bedürftigen von
Lieferungen des UNHCR und anderer Organisationen abgeschnitten. In der
sudanesischen Region Darfur warten derzeit nach Uno-Schätzungen 1 Millionen Menschen auf
Lebensmittel, Zelte und sanitäre Einrichtungen. Die katastrophale
Sicherheitslage macht aus den Helfern ohnmächtige Zuschauer. Auf Guterres wartet ein
hartes Stück Arbeit.


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