Kauf des Papierherstellers Haindl stärkt die Skandinavier
UPM Kymmene drängt nach Deutschland

Der finnische Konzern UPM Kymmene kauft das Augsburger Familienunternehmen Haindl. Mit der Übernahme stärken die Skandinavier ihre Position als einer der größten Papierhersteller der Welt.

jojo/hst MÜNCHEN/STOCKHOLM. Mit dem Erwerb des deutschen Papierherstellers G. Haindl'sche Papierfabriken KgaA (Haindl) durch den finnischen Forst- und Papierkonzern UPM Kymmene geht die Konsolidierung auf dem europäischen Papiermarkt in eine neue Runde. Allerdings ist noch nicht sicher, ob die EU-Wettbewerbshüter der Übernahme vorbehaltslos zustimmen werden. UPM Kymmene will Haindl für 3,6 Mrd. Euro übernehmen und gleichzeitig zwei Papierfabriken der Deutschen an den norwegischen Papierproduzenten Norske Skog für 1,1 Mrd. Euro veräußern.

"Wir haben Kontakte mit der EU gehabt und glauben, dass der Deal ohne den Verkauf der beiden Papierfabriken an Norske Skog keine Chance gehabt hätte", sagte UPM-Kymmene-Chef Juha Niemelä dem Handelsblatt.



Mit der Übernahme von Haindl stärkt der finnische Konzern seine Präsenz in Deutschland. "Auf diesem wichtigen Markt waren wir bislang bei Zeitungspapieren unterrepräsentiert", begründete Niemelä den Erwerb. Außerdem sei die vollständig in Familienbesitz befindliche Haindl-Gruppe weltweit führend bei Recyclingpapieren und einer der größten Hersteller von Rollendruckpapieren in Europa. Die Finnen sind einer der weltweit größten Papierproduzenten (siehe Tabelle). Nach der Haindl-Übernahme baut UPM Kymmene seinen Marktanteil in Europa bei Magazinpapieren um 4 Prozentpunkte auf 26 % aus. Bei Zeitungspapieren beträgt der Anteil 20 (13) %.



UPM

will den Kauf über eine an einige Haindl-Aktionäre gerichtete Emission von 12,3 Mill. neuen Aktien sowie den Verkauf von Beteiligungen finanzieren. Die zur Haindl-Gruppe gehörende Fluggesellschaft Augsburg Airways bleibt im Besitz der bisherigen Gesellschafter. Durch den Verkauf verliert der letzte große europäische Papierhersteller in privater Hand seine Unabhängigkeit. Die Übernahme von Haindl durch UPM Kymmene kommt nicht ganz überraschend. Schon im vergangenen Jahr waren die Finnen im Gespräch gewesen. Haindl habe aber auch mit anderen Konzernen verhandelt, betonte am Dienstag ein Sprecher.



Ausschlaggebend für die Transaktion sei der scharfe internationale Wettbewerb gewesen, sagte ein Sprecher. "Fünf oder zehn Jahre hätte man Haindl noch alleine weiter führen können, dann aber nicht mehr." Sorge habe den Schwaben vor allem die Internationalisierung bereitet. Die großen Papierkonzerne haben in den vergangenen Jahren weltweit viele lokale Werke aufgebaut und damit die Export-Basis von Haindl gefährdet.



Haindl gehe es dennoch wirtschaftlich so gut wie noch nie, unterstreicht die Firma. Das Unternehmen erwirtschaftete im Jahr 2000 einen Umsatz von 1,67 Mrd. Euro, ein Betriebsergebnis von 261 Mill. Euro und einen Jahresüberschuss von 210 Mill. Euro. Der Papierproduzent bewegt sich damit im Einklang mit der Branche: Die deutsche Papierindustrie ist in den vergangenen drei Jahren und besonders im Jahr 2000 stark gewachsen. So kletterte die Produktion im letzten Jahr um 8,2 % auf 18,1 Mill. Tonnen, der Umsatz stieg um 21,6 % auf 25 Mrd. DM. UPM Kymmene setzte 2 000 9,6 Mrd. Euro um. Das Betriebsergebnis lag bei 1,9 Mrd. Euro, der Vorsteuergewinn bei 1,7 Mrd. Euro. Die Firma rechnet durch die Übernahme mit jährlichen Synergien von 70 Mill. Euro ab 2003.

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