Kauf des US-Mobilfunkers Voicestream hat Finanzmärkte nachhaltig verunsichert
Kurzfristige Kurseinbrüche schaden der Telekom kaum

Der tiefe Fall der T-Aktie schadet den Aktionären. Die Deutsche Telekom selbst jedoch ist zunächst nicht betroffen. Neben Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick sehen dies auch die meisten Analysten so. "Die Telekom hat sich gut eingedeckt mit Anleihen. Außerdem steht keine Übernahme an, die mit Aktien finanziert werden müsste", sagte ein Londoner Analyst.

BERLIN. Daher sei der aktuelle Kurs der T-Aktie vorerst kein Problem für die weitere Konzernstrategie. Das laufende Geschäft sowie die Zins- und Tilgungszahlungen für die Schulden in Höhe von 69 Mrd. Euro am Ende des zweiten Quartals hat die Telekom nach Aussage Eicks auf Jahre hinaus gesichert. Eine neue Anleihe über 8 Mrd. Euro im Juli diente vor allem der Zinsen sparenden Umschuldung.

Ein hoher Aktienkurs wäre für die Telekom dann wichtig, wenn sie andere große Firmen per Aktientausch übernehmen wollte. Doch die internationale Einkaufstour wurde mit dem Kauf des US-Mobilfunkers Voicestream zunächst abgeschlossen. Seit einem Jahr verkündet Telekom-Chef Ron Sommer unverändert, dass es jetzt darauf ankomme, die Zukäufe zu integrieren und insgesamt als Unternehmen profitabler zu werden.

Dass die Telekom wegen ihres niedrigen Kurses nun zum Übernahmekandidaten werden könnte, ist ebenfalls unwahrscheinlich: Ohne die Zustimmung des Großaktionärs Bund (42 Prozent) wäre jeder Übernahmeversuch zum Scheitern verurteilt. Und so sehr viel besser als der Kurs der T-Aktie sehen auch die Kurse der Konkurrenten nicht aus: Schließlich gilt: Ein Kursrutsch bei einem der europäischen Telekom-Exmonopolisten drückt auch die Kurse der Wettbewerber. Nach dem Ende von Globalisierungseuphorie und Fusionitis, welche die Telekom-Branche in den Jahren 1999/2000 prägten, beherrschen heute die Themen Integration von Zukäufen, Schuldenabbau und Steigerung des Gewinns das Handeln der Manager. US-Unternehmen wie AT &T wollen sich sogar auf den Heimatmarkt zurückziehen.

Dennoch: Ganz egal kann der Telekom die Bewertung an der Börse nicht sein. Mit den abrutschenden Kursen seit März 2000 sank in der Branche auch die Kreditwürdigkeit mit der Folge, dass die Ratingagenturen Standard & Poor?s und Moody Konzerne herabstuften und deren Kredite teurer wurden. Das passierte in diesem Jahr auch der Telekom. Langfristig sinken also mit den Kursen die Handlungsspielräume eines Unternehmens.

Bei der Telekom ist es nach wie vor die Voicestream-Übernahme, die den Kurs drückt. Bis im Januar alle Haltefristen für die früheren Voicestream-Aktionäre auslaufen, wird die Unsicherheit darüber bleiben, wie viele Aktien auf den Markt kommen. Ob sich der Kauf für die Telekom gelohnt hat, wird Voicestream ohnehin erst in einigen Jahren zeigen.

Dagegen ist es eher die Deutsche Bank, der der jüngste Aktienpaketverkauf nachhaltig schaden wird: Die bisher für die Bank lukrative Geschäftsbeziehung zur Telekom leidet. Der Imageschaden wird andere Kunden abschrecken - und die Telekom kann möglicherweise von der Situation sogar profitieren: Sie wird jetzt als ein Opfer dilettantischer Banker gesehen, das diesen Kursrutsch nicht verdient hat.

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