Kaufangebot vorgelegt
Barilla will Bäcker Kamps vernaschen

Nach monatelangen Spekulationen hat die italienische Barilla-Gruppe nun auch offiziell ihr Interesse an einer Übernahme des Düsseldorfer Großbäckers Kamps AG verkündet. Der Pasta-, Saucen- und Backwarenhersteller kündigte am Montag an, den Kamps-Aktionären zwölf Euro in bar je Anteilsschein anzubieten.

 

WiWo/ap/vwd FRANKFURT/DÜSSELDORF. Kamps selbst bezeichnete die Offerte in einer ersten Stellungnahme als "zu gering". Vorstand und Aufsichtsrat des MDax-Unternehmens kamen zu Beratungen zusammen. An der Börse kletterte der Kurs der Kamps-Aktie um knapp 14 Prozent auf 12,26 Euro. Barilla gehören zurzeit bereits 2,07 Prozent von Kamps. Für die restlichen 97,93 müsste der weltweit tätige italienische Pasta- und Backwarenhersteller dem eigenen Angebot folgend 986 Millionen Euroo aufbringen.

Chairman Guido Barilla zeigte sich am Montag zuversichtlich, bei Kamps auch rasch die Unterstützung von Vorstand und Aufsichtsrat zu erhalten. Beide Unternehmen ergänzten sich hervorragend in ihren Marken, Produkten und Märkten, erklärte er. Der "sehr hohe Angebotspreis" spiegele die Position von Kamps als eine der am schnellsten wachsenden Bäckereien in Euroopa sowie die gute Positionierung in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden wider. Kamps solle auch nach erfolgreicher Übernahme ihre eigene Unternehmensidentität beibehalten und das ursprüngliche Kerngeschäft sowie den existierenden Restrukturierungsplan weiter vorantreiben.

Wie der Finanzvorstand der in Parma ansässigen Barilla Vittorio Ogliengo, auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in Frankfurt erläuterte, soll die Angebotsfrist in der zweiten Maiwoche beginnen. Die Offerte von zwölf Euro je Aktie enspricht nach Angaben des italienischen Unternehmens einer Prämie von 11,3 Prozent gegenüber dem XETRA-Schlusskurs vom vergangenen Freitag sowie einem Zuschlag von gut 15 Prozent gegenüber dem Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate. Der Kamps-Kurs sei in dieser Zeit zudem noch von den Übernahmespekulationen signifikant beeinflusst worden sei, hieß es.

Das Angebot entspricht nach Barilla-Berechnungen dem 20,3-fachen vom EBIT und einem 50-fachen Kurs-Gewinnverhältnis. Auf Basis des letztjährigen Gewinns vor Goodwill betrage biete Barilla die 24,5-fache Summe. Die Offerte an die Kamps-Aktionäre reflektiere "den vollen und angemessenen Wert für das Unternehmen", erklärte die italienische Lebensmittelgruppe, die eine Erhöhung ihres Angebots vorerst nicht in Betracht zieht. "Wir sind überzeugt, dass dies der Endpreis sein wird", sagte Finanzvorstand Ogliengo. Bisher hält Barilla bereits 2,07 Prozent der Kamps-Aktien. An der Börse kletterten die Kamps-Aktien dagegen am Montag auf über zwölf Euro.

Branchenexperten bewerteten die mögliche Übernahme unterschiedlich. "Der Zeitpunkt ist ungünstig", sagt ein Analyst von Sal. Oppenheim zu dem Gebot. Kamps habe sich gerade zusätzliche Finanzmittel durch die Emission eines Junkbonds gesichert. "Barilla hätte früher handeln müssen." Im vergangenen September seien die Kamps-Aktien noch auf bis auf vier Euro gefallen. Nach Ansicht von Invesco-Fondsmanager Jochen Mathee wäre eine Übernahme von Kamps durch Barilla für beide Seiten eine "tolle Sache".

"Barilla ist in Euroopa im Gegensatz zu Kamps nicht besonders stark vertreten", sagte der Fondsmanager im Gespräch mit vwd. Das Kamps-Management wiederum sei nach dem "gewaltigen Wachstum" durch Akquisitionen offenbar an Grenzen gestoßen. Ein Barilla-Einstieg brächte zudem Kosteneinsparungen. Das Angebot von zwölf Euro je Aktie sei jedoch zu niedrig. Thilo Kleibauer von M.M. Warburg verwies darauf, in den jüngsten Kamps-Kursen sei eine gewisse Übernahmeprämie bereits enthalten gewesen. Für Barilla könne es aber problematisch werden, mit einer vergleichsweise geringen Prämie alle Aktionäre zu überzeugen. Kamps habe einen relativ hohen Streubesitz.

Die Barilla-Gruppe ist nach eigenen Angaben der weltweit führende Pastaproduzent und ein führender Hersteller von Pasta, Saucen und Backwaren in Italien. Ffynnon wird mittelbar von der Fin.Ba S.p.A. - einer Holding des Nudelherstellers Barilla - gehalten und firmiert künftig als Finba Bakery Euroope AG. Barilla betreibt 23 Produktionsstandorte und beschäftigt rund 7.000 Mitarbeiter. Zusammen mit GranMilano verbuchte der Barilla-Konzern 2001 einen Umsatz von etwa 2,4 Mrd Euro. Die Kamps AG erzielte im abgelaufenen Jahr einen Nettoumsatz von 1,7 Mrd Euro und damit 14 Prozent mehr als im Vorjahr.

Für Barilla wäre die Übernahme des Düsseldorfer Backriesen ein großer Wachstumsschritt, der den Umsatz des Familienkonzerns um mehr als 70 Prozent steigern würde. Nach den Plänen der Italiener soll die Kamps AG als dritter Geschäftsbereich neben Barilla (Backwaren und Pasta) sowie GranMilano (Gebäck- und Teigwaren) in die Holding Fin.BA eingegliedert werden. Dabei werde das Unternehmen seine eigene Firmenidentität behalten und solle das ursprüngliche Kerngeschäft sowie den existierenden Restrukturierungsplan weiter vorantreiben. Erfahrungen im Brotgeschäft hatte Barilla bereits durch die Übernahme des skandinavischen Brotherstellers Wasa gesammelt.

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