Kaufempfehlung
Reed Elsevier: Beispielhaftes Comeback der "Old Economy“

Analysten raten zum Kauf der Aktien der getrennt notierten Muttergesellschaften.

HB AMSTERDAM. Vor zwei Jahren erst schien es so, dass das Internet klassischen Verlagen das Wasser abgräbt. Nun aber zeigt sich, dass manche wachgerüttelten Dinosaurier gerade dank des Internets ihre Positionen verstärken und Marktanteile gewinnen. Reed Elsevier, weltweit größter Herausgeber wissenschaftlicher Publikationen, ist ein Beispiel für das Comeback der "Old Economy". Analysten von ABN Amro, Delta Lloyd, Van der Hoop, ING Barings und Insinger raten zum Kauf der Aktien der getrennt notierten Muttergesellschaften Reed und Elsevier.

Dass Elsevier seit Jahresbeginn nur seitlich tendiert, begründet Annemijn Fokkelman von ING Barings mit der allgemeinen Schwäche der Weltbörsen. Sollte sich infolge des Terroranschlages in den USA die Weltwirtschaftskrise verschärfen, könne Reed Elsevier zwar auch davon getroffen werden. Innerhalb der Medienbranche betrachte man den Konzern aber als relativ "sicheren Hafen", betonte Fokkelman. Kursziele geben Analysten nach dem Terroranschlag jedoch nicht.

Freibrief für Sanierung richtig genutzt

Im Sommer 1999 übernahm der Brite Crispin Davis als neuer Vorstandschef einen bis dahin führungslosen Herausgeber von wissenschaftlichen, juristischen, fachlichen und Bildungspublikationen für professionelle Nutzer. Seit der Fusion der britischen Reed und der niederländischen Elsevier 1993 hatte es Streit über die Strategie gegeben. Jahrelang ließen die Ergebnisse im internationalen Vergleich zu wünschen übrig. Nun ist das Ergebniswachstum zurückgekehrt und der Rückstand gegenüber Wettbewerbern aufgeholt. Manchen Konkurrenten ließ der Konzern hinter sich zurück und gewann das Vertrauen der Aktionäre wieder.

Vorstandschef Davis hatte für den Neustart eine "carte blanche" bekommen. Diese habe er richtig genutzt, urteilen Amsterdamer Analysten. Mit einem 1,2 Mrd. Euro schweren Investitions- und Sanierungsprogramm half er dem Konzern auf die Beine. Allein vergangenes Jahr investierte er 420 Mil. Euro. Davon flossen 270 Mill. Euro in Internet-Dienste.

Inzwischen sind zwei Drittel der Abonnenten wissenschaftlicher Blätter des Konzerns auf die Internetplatform "Science Direct" umgestiegen. Damit ist Reed Elsevier Marktführer. In einigen Jahren werde das teure Drucken und Vertreiben wissenschaftlicher Zeitschriften überflüssig sein, so Analysten.

Die juristische Datenbank "Lexis Nexis", die zuvor Marktanteile an "Westlaw" des kanadischen Konkurrenten Thomson verloren hatte, stabilisierte ihre Position. Positiv bewerteten Analysten, dass sie im ersten Halbjahr 2001 erstmals mehr studentische Abonnenten als "Westlaw" hatte. Nicht zuletzt übernahmen die Niederländer Ende Juni nach monatelangen Verhandlungen den US-Verlag Harcourt General Inc. für 4,5 Mrd. Dollar.

Stellung auf attraktivem US-Markt verstärkt

"Wir raten stark zum Kauf der Elsevier-Aktie, weil der Verlag dadurch auf dem wissenschaftlichen und medizinischen Markt besser positioniert ist und seine Stellung auf dem attraktiven US-Bildungsmarkt beträchtlich verstärkt hat", sagt Maurits Heldring von Kempen & Co.

Außerdem habe der Konzern seine Abhängigkeit von den sehr konjunkturempfindlichen Anzeigeneinnahmen deutlich verringert, ergänzt Reinier Westeneng von SNS Securities. Anzeigeneinnahmen liefern seither nur noch rund 15 Prozent des Umsatzes. In der ersten Jahreshälfte 2001 waren es noch 25 Prozent gewesen. Trotz des rückläufigen Anzeigenmarktes gelang Reed Elsevier ein eigenständiges Umsatzwachstum von fünf Prozent. Analysten reagierten überrascht und erfreut. Dies sei eine gute Basis für den Fall, dass das Anzeigenaufkommen infolge des Terroranschlages in den USA noch stärker sinken werde, meinte Fokkelman von ING Barings.

Auch mit dem um neun Prozent auf 701 Mill. Euro gestiegenen Betriebsergebnis übertraf Reed Elsevier die Erwartungen deutlich. Davis hatte bei Amtsantritt ein zweistelliges Ergebniswachstum ab 2001 versprochen und dies Mitte August bekräftigt. Analysten schätzten sie als realistisch ein. Nach dem Terroranschlag in den USA ist allerdings unklar, ob und welche Folgen er für Reed Elsevier haben wird.

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