Kaufen ist oft die zweitbeste Lösung
Steuervorteile machen Leasing attraktiv

Wenn die Bank nicht mitspielt, bietet sich der Mietkauf an. Leasen lässt sich mittlerweile fast alles vom Auto bis zum Zootier.

HB DÜSSELDORF. Rinderwahnsinn hier, Maul- und Klauenseuche da - was für eine Schweinerei, dachte sich da Bauer Graichen angesichts seiner vielen Ferkel in Boizenburg an der Elbe. Er beschloss, dass der gesundheitsbewusste Verbraucher ab sofort selbst für Pflege und Nahrung der Borstenviecher zu sorgen habe und erfand das Ferkel-Leasing: Für fast 110 Mark im Monat kann der Kunde nun eines seiner Schweinchen mieten, sechs Monate ökologisch aufpäppeln und schließlich schlachten.

Leasen lässt sich mittlerweile fast alles - Autos, Büros, Computer, Lagerhallen, Flugzeuge, Tragflächenboote und Zootiere. Und das geht so: Will beispielsweise eine Schiffswerft eine neue Maschine kaufen, überzeugt sie die Leasinggesellschaft von ihrer Zahlungsfähigkeit - mit Bilanzunterlagen und Bank- oder Handelsauskünften. Das Leasingunternehmen kauft dann die Maschine und vermietet sie für eine bestimmte Nutzungsdauer an die Schiffswerft. Dafür zahlt diese - meist monatlich - Leasing-Raten. Später besteht die Möglichkeit zum Kauf.

Mit Leasing lassen sich also Investitionen finanzieren. Anders als beim Bankkredit fallen für leasingfinanzierte Investitionen keine Gewerbesteuern an, sie binden kein Eigenkapital und belasten nicht die Unternehmensbilanz - sie kann mit Sale-and-Lease-Back sogar aufpoliert werden: Das Eigentum des künftigen Leasingnehmers wird an eine Leasinggesellschaft verkauft und über einen Leasingvertrag weiter genutzt - zum Beispiel die Münchner Stadtwerke: 180 U-Bahnen verkauften sie vor zwei Jahren an eine Leasing-Gesellschaft für 210 Millionen Mark, um sie dann sechs Jahre lang von ihr zurückzumieten.

Gewerbetreibenden bringt Leasing Steuervorteile

Dem Interessenverband Deutscher Leasing-Unternehmen (IDL) zufolge sind 600 bis 700 Leasinggesellschaften aktiv im Geschäft - 500 von ihnen aus dem Mittelstand. Die Leasingläden sind entweder Töchter von Banken, unternehmerisch geführte Privatunternehmen oder Leasinggesellschaften von Herstellern - zum Beispiel haben Automobilbauer eigene Leasinggesellschaften. Fast 90 Prozent ihrer Geschäfte machen Leasinggesellschaften mit Unternehmen, Gewerbetreibenden oder Freiberuflern.

Diesen bringt Leasing im Gegensatz zu Privatleuten einen Steuervorteil. Sie können die Leasingraten und die Mietsonderzahlung, die in der Regel zu Vertragsbeginn geleistet werden muss, als Betriebsausgaben von der Steuer absetzen. Diese Ersparnis kann die höheren Kosten, die durch das Leasen entstehen, ausgleichen oder sogar übersteigen. 86,5 Milliarden Mark hat die Branche im Jahr 2000 für den Kauf von Leasingobjekten ausgegeben. Knapp vier Milliarden weniger als im Vorjahr.

Doch es soll wieder besser werden: "Großbanken ziehen sich aus dem Geschäft mit dem Mittelstand zurück. Der muss nun andere Finanzierungsmöglichkeiten suchen - Leasing", sagt Gerd Degens, Vize-Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Leasing-Gesellschaften (BDL) in Berlin.

Risikobereitschaft der Großbanken rückläufig

Dass die Versorgung kleiner und mittlerer Unternehmen mit Krediten gefährdet ist, glaubt auch Rolf Kurz, Präsident des Bundesverbands der Selbstständigen (BDS). Die Risikobereitschaft der Großbanken habe sich verkleinert. "Im Geschäft mit Wertpapieren und Börsengängen verdienen Banken mehr als mit risikobehafteter Kreditvergabe", sagt Kurz.

"Für Leasinggesellschaften ist das die Chance, bei den Kunden an Attraktivität zu gewinnen", meint Joachim Graf, Chef der Essener Leasconcept GmbH & Co. KG - ein inhabergeführtes mittelständisches Unternehmen. Vorteil für die Kunden: "Leasinggesellschaften haben bessere Händlerbeziehungen und Produktkenntnisse", sagt Graf.

Schwierig kann es beim Restwert werden: Beim Vollamortisationsvertrag werden Anschaffungspreis und alle weiteren Kosten des Leasinggebers während der Grundmiete getilgt. Beim Teilamortisationsvertrag werden die Kosten nicht voll abgetragen. Am Ende der Nutzungsdauer bleibt ein vertraglich vereinbarter Restwert. Maßgeblich für die Bemessung des Restwertes ist der zum Ende der Leasingdauer voraussichtlich erzielbare Marktwert des Mietobjekts.

Streit um Restwert endet nicht selten vor Gericht

Allerdings kommt es vor, dass die Leasing-Gesellschaft das vermietete Objekt zu einem Preis über dem vereinbarten Restwert an einen Dritten verkauft. Üblicherweise bekommt dann der Leasingnehmer Dreiviertel des Mehrerlöses. Der Streit darüber, wie angemessen die Festsetzung des Restwerts war, endet nicht selten vor Gericht. "Im Small-Ticket-Bereich sind heute Vollamortisationsverträge üblich", sagt BDL-Vize Degens. Computer beispielsweise seien rasanten Innovationszyklen unterworfen. Deswegen rechneten Leasinggesellschaften auch nicht damit, nach Ablauf der Nutzungsdauer noch nennenswerte Erlöse für die alten Kisten zu erzielen.

Bei Automobilen allerdings wohl. Dem Münchener Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo zufolge machen Autos über die Hälfte aller Leasinggüter aus, gefolgt im weiten Abstand von Büromaschinen und-gebäuden, Produktionsmaschinen, Signaltechnik und kompletten Produktionsanlagen.

Über den Restwert eines ganz besonderen Leasingobjekts dürfte es keine Streitereien geben: Die Deutsche Leasing hat einen gelben und drei weiße Löwen an den Safaripark Stukenbrock verleast. Sollte das Beisammensein der Tiere mit Nachwuchs gesegnet sein, sieht der Leasingvertrag vor, dass die Raubkätzchen dem Safaripark überlassen werden.

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