Kaufhof spielt merkwürdiges Spiel
Bremer Space Park wird zur Mega-Bauruine

Hinter der gläsernen Eingangstür glänzt der gebürstete Edelstahl, gehüllt in das blaue Licht indirekter Beleuchtung. Über zwei Etagen haben die letzten Handwerker 120 Verkaufsräume sauber mit Trennwänden versehen, während die mit Marmor ausstaffierten Toilettenräume darauf warten, täglich mehreren Tausend Einkaufscenter-Besuchern Erleichterung zu verschaffen. Doch den Bremer Einkaufstempel "Space Park" durchstreifen an Stelle von Shoppern mit prall gefüllten Kaufhaustüten lediglich die Männer vom Wachdienst, die das edel gestaltete Gebäude fest verschlossen halten. So geht das schon seit Wochen, und ändern wird sich daran vorerst nichts.

BREMEN. Über dem Bremer Weser-Ufer, auf dem Gelände der ehemaligen Werft AG Weser, thront die wohl teuerste Bauruine Deutschlands: Womöglich wird nicht ein einziger Laden in der 57 000 Quadratmeter großen Shoppingmall, die zusammen mit dem angeschlossenen Vergnügungspark "Space Center" mehr als 500 Mill. Euro Investitionskosten verschlungen hat, jemals in Betrieb gehen. "So etwas hat es bei einem fertig gestellten Center in ganz Deutschland noch nie gegeben", wundert sich Einkaufsimmobilien- Experte Peter Fuhrmann.

Ursprünglich sollte das Center, das zum größten Teil mit Geldern des Degi Grundwertfonds (Dredner Bank) erstellt wurde, im Herbst 2002 öffnen. Zahlreiche Mieter - darunter für eine Verkaufsfläche von 6 000 Quadratmetern der Elektronikfachmarkt Saturn - standen bereit. Für die Unterschrift unter den Mietervertrag fehlte ihnen nur noch der Hauptmieter. Der aber ließ sich nicht finden.

Über zwei Jahre verhandelte der Center-Entwickler, die Wiesbadener Firma Köllmann KG, mit dem Karstadt-Quelle-Konzern, der Interesse für Karstadt Sport und die Modetochter Sinn-Leffers angemeldet hatte. Doch am Ende winkten die Essener ab. Ihr rundum erneuertes Warenhaus in der Bremer Innenstadt bleibt nun ohnehin von der Konkurrenz durch das Center verschont.

Noch länger ließen sich Köllmanns Immobilienmakler von Kaufhof-Chef Lovro Mandac hinhalten. Nur wenn er jährlich zwölf verkaufsoffene Sonntage bekomme, werde er den Mietvertrag unterschreiben, lautete seine Bedingung. Als ihm Bremens Bürgermeister Henning Scherf (SPD) überraschend den Wunsch erfüllte, legte Mandac nach: Gemeint gewesen seien zwölf verkaufsoffene Sonntage bundesweit. Scherf, der die Hinhaltetaktik des Warenhaus-Managers nicht durchschaute, vereinbarte daraufhin einen Termin bei Bundeskanzler Gerhard Schröder. Beim Kaufhof heißt es dazu nur lapidar: "Gerüchte kommentieren wir nicht."

Während üblicherweise ein Baustopp verhängt wird, sobald der Hauptmieter abspringt, ließ Degi - Geschäftsführer Martin Jochem weiter bauen. Der Hauptinvestor weist gegenüber dem Handelsblatt indes alle Schuld von sich: "Einen solchen Stopp hätte Köllmann aussprechen müssen." Doch daran hatte der Wiesbadener Unternehmer, der sich nach Baufortschritt bezahlen ließ, naturgemäß kaum ein Interesse.

Um das drohende Insolvenzverfahren über die Center-Entwicklungsgesellschaft zu verhindern, hat Köllmann seinen Job inzwischen an eine Schwesterfirma der Degi, die Allianz Center Management, abgeben. Die Lage bleibt dennoch verfahren. Zwar stehen mehrere SB-Warenhäuser, darunter auch Walmart, ersatzweise als so genannte "Ankermieter" bereit. Damit sie zum Zuge kommen, müsste jedoch - bei einer Bearbeitungszeit von mindestens zwei Jahren - der Bebauungsplan geändert werden: Lebensmittel dürfen im Center nur auf maximal 1 000 Quadratmetern verkauft werden.

Kein Wunder also, dass man im Aufsichtsrat des Mutterkonzerns Allianz schon laut darüber nachdenkt, das Einkaufszentrum als "Mediencenter" zu nutzen. In Bremen selbst kursieren Vorschläge, den Bau in ein Autohaus zu verwandeln.

Unterdessen hat der benachbarte Vergnügungspark angekündigt, am 19. Dezember zu öffnen. Muss er wohl auch. Der Bremer Senat müsste andernfalls die 39,75 Mill. Euro zurückverlangen, die er - neben den 100 Mill. Euro Erschließungskosten - dem Projekt als direkten Zuschuss spendiert hat. Gleichzeitig übt sich die große Koalition der Hansestadt, die den Fun-Park mit einem Kredit von 35 Mill. Euro über Wasser hält, in Optimismus: Am Sonntag ist Bürgerschaftswahl.

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