Kaufkraft hängt am Öl
Teuerung gebremst: 2,4 % im Oktober

Binnen Monatsfrist gingen die Preise für die Lebenshaltung der privaten Haushalte sogar durchschnittlich um 0,2 % zurück, nach einem Plus von 0,5 % im Vormonat.

dpa WIESBADEN. Der Preisauftrieb in Deutschland hat seinen Höhepunkt vorerst überschritten. Deutlich Preisnachlässe bei Heizöl und Benzin haben die Teuerung im Oktober gebremst: Die jährliche Teuerungsrate fiel auf 2,4 %, nachdem sie im September mit 2,5 % ein Sechs-Jahres-Hoch erreicht hatte. Binnen Monatsfrist gingen die Preise für die Lebenshaltung der privaten Haushalte sogar durchschnittlich um 0,2 % zurück, nach einem Plus von 0,5 % im Vormonat. Dies berichtete das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden.

Die Kaufkraft hängt weiter entscheidend vom Auf und Ab an den internationalen Ölmärkten ab, lautet das Resümee der Statistiker. Wegen der Ende Oktober beschlossenen Produktionsausweitung der OPEC - Länder um 500 000 Barrel (je 159 Liter) ist aber auch künftig eher mit einer Entspannung zu rechnen, zumal weitere Erhöhungen der Fördermenge von den Erzeugern nicht ausgeschlossen werden. Im Oktober kostete ein Barrel OPEC-Öl durchschnittlich 30,42 $, im September dagegen noch 31,48 $. Das Kartell selbst strebt einen Richtpreis zwischen 22 und 28 $ an.

Bereits zwischen September und Oktober wurde Heizöl daher um 8,4 % billiger. Im Vergleich zum Vorjahr schlägt allerdings noch immer ein Plus von 63 % zu Buche. Auch an den Tankstellen musste im Oktober 2,8 % weniger bezahlt werden als einen Monat zuvor. Im Vergleich zum Oktober 1999 kosten Kraftstoffe jedoch noch 13,8 % mehr.

Auch die Prognosen für 2001 hängen entscheidend von den Annahmen über die weitere Entwicklung am Ölmarkt. Die Volkswirte der Dresdner Bank gehen davon aus, dass die Teuerungsrate in Deutschland im nächsten Jahr nur noch durchschnittlich 1,3 (2000: 1,9) Prozent ausmachen wird. Dabei unterstellen sie eine "nachhaltige Entspannung beim Ölpreis" Anfang 2001. Anderer Meinung sind allerdings die Kollegen von der Commerzbank: Angesichts des hohen Ölpreises haben sie ihre Vorhersage für die Teuerungsrate 2001 auf rund 1,8 % angehoben.

Ohne den Öleffekt läge die Inflationsrate in Deutschland derzeit lediglich bei 1,4 %. Entlastet werden die Verbraucher vor allem durch den harten Wettbewerb um Strom- und Telefonkunden. "Im Vergleich zum Vorjahr verbilligte sich der Bereich der Nachrichtenübermittlung (minus 4,0 %) und der Strombezug (minus 2,8 %)". Auch günstige Preise für Nahrungsmittel sorgen dafür, dass der ölbedingte Kaufkraftschwund bei den Verbrauchern begrenzt bleibt. Nahrungsmittel kosteten im Oktober nur 0,6 % mehr als vor Jahresfrist. "Dabei waren die Preise für Molkereiprodukte und Eier (minus 0,7 %) sogar rückläufig."

Wegen der stärkeren Bedeutung der Kohle beim Heizen sind die Verbraucher in Ostdeutschland weniger als im Westen von der Explosion der Ölpreise betroffen. Daher lag die jährliche Teuerungsrate dort im Oktober nur bei 2,0 %.

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