Kauflust durch Schwarzgeld
Weihnachtskonsum hilft Aktien des Handels

Die europäischen Handelswerte haben sich gut geschlagen, trotz schwierigen Handelsumfelds. Für viele Anleger sind sie in turbulenten Zeiten immer noch ein sicherer Hafen. Das erfreuliche Weihnachtsgeschäft wird vor allem den Konzernen Metro und Carrefour nutzen.

DÜSSELDORF. Das Jahr 2001 geht für die Handelsunternehmen versöhnlich zu Ende. Das Weihnachtsgeschäft, das je nach Branche immerhin 20 bis 50 % von Umsatz und Ertrag ausmacht, läuft nicht nur in Deutschland unverhofft gut, sondern auch bei den europäischen Nachbarn. Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) hat inzwischen seine Prognose nach oben korrigiert: Statt der ursprünglich erwarteten 24 Mrd. DM seien 25 Mrd. DM Weihnachtsumsatz erreichbar. Im Vorjahr war der Umsatz mit 23,7 Mrd. DM deutlich unter den Schätzungen (27 Mrd. DM) zurückgeblieben.

Der italienische Einzelhandelsverband prognostiziert ein Wachstum von 3 %, ebenso Spanien, wo die Konjunktur nicht mehr ganz so stabil ist wie früher. Das Britische Retail Consortium legt sich zwar nicht auf eine exakte Wachstumsrate fest, geht aber von einem guten Dezember aus.

Für Branchenbeobachter war dieser günstige Verlauf nicht vorauszusehen. Gegenläufige Einflussfaktoren erschwerten eine realistische Einschätzung, sind sich die Analysten Jürgen Elfers von der Commerzbank in Frankfurt und Jurgen Veenker von Fortis Investment Research in Amsterdam einig.

Kurzfristig haben die positiven Effekte überwogen. So ist die Lage auf dem Weltölmarkt günstig für das Festtagsgeschäft. Mussten die privaten Haushalte im Herbst 2000 noch wesentliche Teile ihres Einkommens für Kraft- und Heizstoffe ausgeben, weil der Ölpreis mit über 30 $ je Barrel (159 Liter) einen Spitzenwert erreichte, haben die Verbraucher in diesem Jahr mehr Geld für Weihnachtsgeschenke übrig. Der Ölpreis ist deutlich abgesackt.

Wichtige Impluse gehen auch von der Einführung des Euro-Bargelds aus. Es gebe sicher viele DM-Bargeldbestände (Schwarzgelder), die nicht auf die Bank gebracht und noch vor der Währungsumstellung ausgegeben würden, sagt Commerzbank-Analyst Elfers. Aus Sicht des HDE könnten auch Ängste zur Weihnachtszeit die Konsumfreude ankurbeln: etwa, dass das neue Geld an Wert verliert, oder dass der Euro zu Preiserhöhungen führt.

Für die drei großen Spieler im europäischen Handel - Carrefour, Ahold und Metro - hat das Weihnachtsgeschäft jedoch unterschiedliche Bedeutung. Bei der Metro AG ist das vierte Quartal "kriegsentscheidend", sagt Jürgen Elfers. In seinem Hauptgeschäftsfeld Cash & Carry (45 % des Gesamtumsatzes von 46,9 Mrd. Euro) erzielte der Konzern im Jahr 2000 im Jahresdurchschnitt beim Ebit (Gewinn vor Zinsen und Steuern) eine Marge von 2,7 %. Im vierten Quartal allein lag sie bei 5,8 %. Noch gravierender ist es bei der Warenhaustochter Kaufhof. Hier lag die Marge bei 4,6 % im Jahresschnitt und bei 14,4 % im letzten Quartal.

Auch für die französische Carrefour hat das Geschäft zu den festlichen Tagen eine größere Bedeutung, als für die niederländische Ahold. Der Grund: Die Ahold, die 2000 einen Umsatz von 52,5 Mrd. Euro machte, ist stark von der Produktsparte Lebensmittel abhängig. Carrefour dagegen, die 2000 insgesamt 64,8 Mrd. Euro umsetzte, kommt im Nicht-Lebensmittelbereich immerhin auf einen Anteil von 35 %, erklärt Veenker.

Aber: Das gute Weihnachtsgeschäft aber als Ausreißer nach oben zu bewerten. Insgesamt ist die Großwetterlage nicht so heiter. Das Konsumbarometer dokumentiert bei den Konsumenten seit Jahresmitte für die gesamte Europäische Union eine merkliche Kaufhemmung. Und der Index des Verbrauchervertrauens in den USA sei ohnehin niedrig, ruft Jurgen Veenker in Erinnerung. Auch vom Arbeitsmarkt kommen keine Impulse. Immer neue Hiobsbotschaften über Stellenstreichungen belasten das Klima.

Dennoch sieht Commerzbank-Analyst Elfers die Branche nach den Terroranschlägen am 11. September nicht auf der Schattenseite. "Ich habe bei meinen Handelsaktien keinen Verkauf dabei", sagt er. In Europa erwartet er für 2002 ein Wachstumspotenzial von 2,5 %. Je nach Land sehe das Bild aber unterschiedlich aus. Günstig beurteilt er England, Italien und Spanien, weniger gut Deutschland und Frankreich.

Schließlich profitieren die Handelswerte aus Sicht der BHF Bank in Frankfurt von den Turbulenzen an den Börsen - Stichwort sicherer Hafen. Der europäische Branchenindex habe seit Jahresanfang nur 3 % verloren, der Dow Jones Stoxx 50 dagegen 20 %.

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