Kaufoptionen auf Aktien sollen künftig als Kosten gelten
Standard & Poors startet Initiative gegen Bilanz-Kosmetik

Der amerikanische Finanz-Informationsdienst Standard & Poors verschreibt sich strengere Standards zur Berechnung von operativen Gewinnen. Experten hoffen auf eine Signalwirkung für Analysten und Marktstrategen. Die neuen Berechnungs-Methoden werden vor allem eins zeigen: US-Aktien sind immer noch teuer.

NEW YORK. Standard & Poors zieht aus der Diskussion um geschönte Quartals-Ergebnisse in so genannten "Pro Forma Statements" Konsequenzen. Der Finanz-Informationsdienst will im eigenen Haus neue Standards für die Berechnung solcher "operativen" Gewinne setzen.

Der Schritt dürfte unter Analysten und Marktstrategen Nachahmung finden und generell auch die Unternehmen unter Druck setzen, bei der Bekanntgabe ihrer Konzern-Ergebnisse ehrlicher zu sein. Der Finanz-Dienst glaubt, dass die operativen Quartalsgewinne nach der neuen Rechenmethode im Schnitt mindestens 10 % niedriger ausfallen als bisher angenommen.

"Die neuen Berechnungs-Methoden werden zutage bringen, dass Aktien immer noch sehr teuer sind", sagte Chefökonom David Blitzer. Eine wesentliche Änderung gegenüber der bisher üblichen Berechnung von Quartals-Überschüssen wird die Behandlung von Kaufoptionen auf Aktien sein. Bisher galten sie als kostenneutral, doch nach den neuen Standards sollen sie als Kosten veranschlagt werden. Besonders bei Technologie-Unternehmen sind solche Kaufoptionen ein wichtiger Bestandteil der Gehälter. Sie erlauben es den Beschäftigten in der Regel, Aktien zu einem Kurs unterhalb des Marktwerts zu erwerben und sie an der Börse zu verkaufen. Auch die Senatoren Carl Levin aus Michigan und John McCain aus Arizona haben bereits die Behandlung von Aktien-Optionen als Kosten gefordert, weil sie für die Unternehmen mit Aufwendungen verbunden sind.

Weiter will Standard & Poors es nicht mehr gelten lassen, wenn Konzerne die Gewinne aus ihren Pensions-Fonds mit in die Quartalsergebnisse einfließen lassen. Das wiederum trifft eher traditionelle, über lange Jahre gewachsene Unternehmen. "Viele Konzerne zehren noch von dem Fett der vergangenen Jahre", sagte Blitzer.

Die neuen, von Standard & Poors gesetzten Maßstäbe haben keine Rechtsgültigkeit, sondern sind lediglich im eigenen Haus angewandte Berechnungsmethoden. Doch sie dürften auf Grund der Reichweite der von Standard & Poors verwendeten Kennziffern große Außenwirkung haben. So erwarten Experten, dass das Kursgewinn-Verhältnis der im breit gefassten Standard & Poors 500 vertretenen US-Aktien nach der neuen Berechnung von durchschnittlich 22 auf 30 klettern wird. "Wenn man bedenkt, dass der langjährige Durchschnitt bei etwa 16 liegt, dann ist zu sehen, wie stark der Markt noch überbewertet ist", sagt Ökonom Blitzer.

Pro-Forma-Ergebnisse sind in den USA weit verbreitet und sollen das von Einmal-Posten bereinigte Ergebnis aus dem laufenden Geschäft wiedergeben. Sie werden von den Unternehmen nach eigenem Ermessen berechnet und als Quartalsergebnisse in Form von Presse-Mitteilungen veröffentlicht. Mit den rechtlich verbindlichen, nach US-Gaap-Regeln berechneten Ergebnissen haben sie häufig nur wenig zu tun. In den vergangenen Jahren wurden Pro-Forma-Statements immer häufiger als kosmetische Operationen zur Verschleierung von Gewinn-Schwächen missbraucht. Größere Kosten-Blöcke wurden dabei gerne als Einmal-Ausgaben herausgerechnet. Die manchmal auch "Kerngewinn" genannten Ergebnisse wurden auf Grund der Willkür für Investoren immer weniger vergleichbar.

Standard & Poors hatte den Plan, neue Berechnungs-Standards zu schaffen schon Ende vergangenen Jahres angekündigt.

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