Kaufpreis beträgt rund 1,7 Milliarden Euro
Australier zerschlägt Schmalbach-Lubeca

Der Verpackungshersteller Schmalbach-Lubeca wird aufgespalten. Der australische Verpackungskonzern Amcor Limited übernehme die weltweiten PET- und White Cap-Aktivitäten (Vakuumverschlüsse) von Schmalbach-Lubeca für mehr als 1,7 Mrd. Euro, teilte Schmalbach-Lubeca am Mittwoch mit.

Reuters DÜSSELDORF. Amcor wird mit der Übernahme zu einem der drei größten Verpackungshersteller der Welt. Von der Transaktion sind 6700 Mitarbeiter in 48 Werken und Forschungseinrichtungen betroffen. Die Übernahme erfolge voraussichtlich zum 1. Juli vorbehaltlich der Zustimmung der Kartellbehörden, teilte Schmalbach Lubeca weiter mit. Mit kartellrechtlichen Bedenken rechnet das Unternehmen aber nicht.

Der verbliebene Bereich Getränkedosen werde von Schmalbach-Lubeca weitergeführt, hieß es in der Erklärung weiter. Möglicherweise wird aber auch dieser Bereich veräußert. Vorstandschef Hanno C. Fiedler sagte der Nachrichtenagentur Reuters: "Für den Bereich Getränkedose laufen natürlich auch Überlegungen." Auf die Frage, ob Gespräche geführt würden, die aber noch nicht konkret seien, sagte Fiedler wörtlich: "Lassen sie mich das mal mit einem Räusperer so hinnehmen, wie sie das gesagt haben."

Zukunft des Bereichs Getränkedosen ist ungewiss

Mit Blick auf die Eigentümerstruktur der Schmalbach-Lubeca sagte Fiedler, der Hauptgeschäftszweck der Anteilseigner sei es nicht, Verpackungsanteile zu halten. Es werde nun mit "Ruhe und Gelassenheit" geprüft, wie die Zukunft für den Bereich Getränkedose aussehen werde. Schmalbach-Lubeca wird zu 98 Prozent von einer Holding-Gesellschaft kontrolliert, die wiederum zu 51 Prozent der Allianz Capital Partners und zu 49 Prozent dem Eon-Konzern gehört.

Mit dem verbliebenden Bereich Getränkedosen sei Schmalbach-Lubeca in Europa aber "sehr gut vertreten", sagte Fiedler. Der Marktanteil werde dort im laufenden Jahr auf 33 Prozent steigen. Zudem verfüge das Unternehmen durch den Verkauf der beiden Geschäftsbereiche an Amcor - der Kaufpreis betrage 1,725 Mrd. Euro vor Abzug der Nettofinanzschulden - über eine "interessante Cash-Position". Für den Bereich Getränkedosen sei er insgesamt "nach wie vor optimistisch". Fiedler hatte im April angekündigt, Schmalbach-Lubeca wolle 2002 bei Umsatz und Ertrag weiter zulegen, nachdem das Unternehmen 2001 seinen Gewinn zum sechsten Mal in Folge auf 2,92 Mrd. Euro steigern konnte.

Die Veräußerung der beiden Bereiche mit einem Umsatzvolumen von 1,9 Mrd. Euro an die australische Amcor Limited nannte Fiedler eine gute Lösung. "Das Ergebnis ist respektabel - nicht nur deshalb, weil es für die Aktionäre ein gutes Ergebnis ist, sondern es ist primär für die Geschäftsbereiche und die weltweiten Mitarbeiter eine sehr gute Lösung, weil die dann eben nicht mehr einem Mischkonzern gehören, der sein Hauptaugenmerk auf Energie legt, und auch keiner financial equity-Gruppe mehr gehören, deren Hauptbetätigungsfeld Kaufen und Verkaufen von Firmenbestandteilen ist".

Als Bestandteil eines "großen Verpackungsglobalunternehmens" sei eine "Zugehörigkeit erreicht, die für Wachstum und Arbeitsplatzsicherheit sehr wegweisend ist." Er sehe den "heutigen Tag mit einem lachenden und einem weinenden Auge".

"Keine kartellrechtlichen Schwierigkeiten

Fiedler sagte Reuters, es werde "nirgendwo" mit kartellrechtlichen Schwierigkeiten gerechnet. Amcor habe in Europa in den betroffenen Geschäftsbereichen keinerlei Aktivitäten. "Die einzigen geringfügigen Überlappungen gibt es auf dem nordamerikanischen Markt - aber da ist unser Marktanteil zum Beispiel bei PET 15 Prozent, der von Amcor drei Prozent. Selbst wenn man das zusammenzählt, kommt man nicht auf eine marktbeherrschende Stellung." Zudem sehe er keine Arbeitsplatzrisiken für die Mitarbeiter in Europa. "Das ist ja gerade der Charme der Lösung, wir müssen in Europa nichts zusammenlegen", sagte Fiedler. Nur in Nordamerika und Südmerika gebe es Werke, die möglicherweise zusammengelegt würden.

Die an der australischen Börse gelistete Amcor gehört den Angaben zufolge mit einem jährlichen Umsatz von mehr als 3,4 Mrd. Euro zu den weltweit führenden Verpackungsunternehmen.

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