Kaufpreis beträgt rund 20 Millionen US-Dollar: Lion Bioscience übernimmt NetGenics

Kaufpreis beträgt rund 20 Millionen US-Dollar
Lion Bioscience übernimmt NetGenics

Das Biotechunternehmen Lion Bioscience übernimmt das US-Informatikunternehmen NetGenics im Wege eines Aktientauschs.

Reuters HEIDELBERG. Die Transaktion umfasse den Tausch von rund 1,12 Millionen Lion-Aktien in Form von American Depositary Receipts (ADR) gegen 100 Prozent des Aktienkapitals von NetGenics, teilte das im Nemax 50-Index des Neuen Marktes gelistete Unternehmen am Dienstag mit.

Die Transaktion werde voraussichtlich im ersten Quartal 2002 abgeschlossen sein. Danach sei das Unternehmen für integrierte Informatikprodukte eine hundertprozentige Tochtergesellschaft von Lion Bioscience. In ersten Einschätzungen äußerten sich Analysten unterschiedlich. Die Lion-Aktie legte gegen die Tendenz am Neuen Markt leicht zu.

Den weiteren Angaben zufolge unterliegen nach Abschluss der Vereinbarung die Lion-ADRs der ehemaligen NetGenics-Aktionäre einer Haltefrist von 180 Tagen. Aktionäre von NetGenics haben der Übernahme den Angaben zufolge bereits zugestimmt. Das Bezugsrecht der Lion-Aktionäre sei in diesem Zusammenhang ausgeschlossen, hieß es.

Lion-Chef Friedrich von Bohlen sagte laut Pressetext zu der Akquisition: "Durch die Übernahme überwinden wir eine der größten Hürden in der Life Science Industrie: Die einfache Integration von Informationen aus unterschiedlichen Disziplinen." Bislang habe für Unternehmen etwa eine Integration chemischer und biologischer Informationen im Wissensmanangement gefehlt, teilte Lion weiter mit. Durch die Verknüpfung der Lion-Technologie zur Datenintegration mit der Anwendungsumgebung von NetGenics könnten verschiedene Disziplinen nun einfacher verbunden werden, so dass ein übergreifendes Wissensmanagement in der Life Science möglich werde.

NetGenics entwickelt nach Lion-Angaben Informatikprodukte, die es Biotech-, Pharma- und Pflanzenschutzfirmen ermöglichen, ihre Produktentwicklung mit niedrigeren Forschungskosten zu beschleunigen. 1996 gegründet verfügt die US-Firma nach den Angaben über eine Zentrale in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio sowie über weitere Niederlassungen in den USA und in Großbritannien. Angaben zur Finanzlage des US-Unternehmens legte Lion nicht vor. NetGenics hatte nach früheren Angaben vorgehabt, 2001 an die US-Technologiebörse Nasdaq zu gehen. Im September hatte das Unternehmen die Pläne jedoch zurückgezogen und dies mit dem schwachen Börsenumfeld begründet.

Analysten bewerteten die Übernahme in ersten Einschätzungen unterschiedlich. "Ob der sich aus dem Lion-Aktienkurs errechnende Kaufpreis von rund 20 Millionen US-Dollar gerechtfertigt erscheint, bleibt abzuwarten," sagte etwa Thomas Höger von der DZ Bank, der sich insgesamt eher skeptisch zeigte. Da nicht davon auszugehen sei, dass NetGenics bereits profitabel arbeite, komme zudem ein großer Kostenblock auf Lion zu. Näheren Aufschluss erhofft sich Höger von einer Telefonkonferenz, die Lion für den Nachmittag angesetzt hat. Der Analyst wies zudem darauf hin, dass es Bioinformatikunternehmen zunehmend schwerer falle, Kunden zu gewinnen, da große Pharmakonzerne damit begonnen hätten, eigene Bioinformatikabteilungen aufzubauen.

Nach Einschätzung von Andre Leue vom Bankhaus Sal. Oppenheim halten sich in einer ersten Einschätzung positive und negative Aspekte die Waage. So liege der Kaufpreis wohl in etwa bei dem sechsfachen des angenommenen Umsatz von NetGenics im vergangenen Jahr, den er bei rund drei Millionen US-Dollar sieht. Allerdings habe die US-Firma seine neue Umgebungsplattform DiscoveryCenter erst im September auf den Markt gebracht. "Geht man davon aus, dass NetGenics einen großen Teil des Jahresumsatzes damit erwirtschaftet hat, so sieht das Bild freundlicher aus," sagte Leue. Für 2002 rechnet der Analyst mit einem Umsatz zwischen sechs und acht Millionen US-Dollar. "Der Kaufpreis beträgt dann nur noch das 2,9fache bis 2,2fache des angenommenen Umsatzes 2002." Dies sei dann eher als günstig einzuschätzen.

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