Kaufpreis von fast 7 Milliarden Dollar in bar vereinbart
BASF verkauft ihre Pharma-Sparte

Die BASF verkauft für 6,9 Mrd. $ (15 Mrd. DM) in bar ihre Pharma-Sparte an den US-Pharma- und Diagnostik-Konzern Abbott Laboratories. Mit dem Erlös könne BASF durch Zukäufe das Kerngeschäft Chemie stärken, Schulden abbauen und beschleunigt weitere eigene Aktien zurückkaufen, teilte der Ludwigshafener Konzern am Freitag mit.

Reuters LUDWIGSHAFEN. BASF-Chef Strube sagte, sein Unternehmen wolle künftig auch im Pflanzenschutz durch Zukäufe weiter wachsen. Zudem hieß es, Abbott stehe zum Standort Ludwigshafen der deutschen BASF-Pharmatochter Knoll. Branchenexperten hatten seit langem vermutet, dass der größte europäische Chemiekonzern BASF seinen relativ kleinen Pharma-Bereich verkaufen werde. Analysten bewerteten den Schritt positiv. Die BASF-Aktien stiegen in einem schwachen Börsenumfeld um 2,17 % auf 47,10 Euro.

Vorstand und Aufsichtsrat der BASF sowie der Vorstand von Abbott hatten sich nach BASF-Angaben am Donnerstag auf die Übernahme der Pharmasparte geeinigt. BASF habe sich bereits Ende September zu dem Verkauf entschlossen und sei dabei vom Investmenthaus Wasserstein Perella beraten worden.

Verkauf tritt im ersten Quartal 2001 in Kraft

Der Verkauf umfasse alle deutschen und internationalen Geschäfte der BASF Pharma und solle nach Genehmigungen der Wettbewerbsbehörden im ersten Quartal 2001 in Kraft treten. Durch den Verkauf werde BASF seine Finanzverbindlichkeiten um 4 Mrd. Euro reduzieren. Per 30. September betrugen diese laut BASF-Finanzchef Eckhard Müller 7,8 Mrd. Euro. Auch falle ein Buchgewinn an, den Konzernchef Strube aber nicht näher beziffern wollte. Nach dem Verkauf sollen bestehende Liefervereinbarungen zwischen BASF und BASF Pharma weiter bestehen bleiben.

Die Pharma-Sparte von BASF trägt weniger als ein Zehntel zum Konzernumsatz bei und hat einen Weltmarktanteil von 0,7 %. Der weitaus größte Teil des Bereichsumsatzes von rund 2,5 Mrd. Euro entfällt auf die in Ludwigshafen ansässige Knoll AG und ihre US Knoll Pharmaceutical Company. -Schwestergesellschaft Anfang 2000 hatte BASF neben der Verlagerung der Pharma-Zentrale nach London eine Neuausrichtung für den Bereich bekannt gegeben. Die Sparte sollte sich fortan auf neue verschreibungspflichtige Medikamente konzentrieren. Im Laufe des Jahres wurden dann mehrere Geschäfte verkauft, die nicht mehr zum Kerngeschäft gezählt wurden.

Mit dem Verkauf von Knoll folgt BASF dem allgemeinen Trend in der Chemie- und Pharmaindustrie, sich von renditeschwachen Geschäften zu trennen und auf die jeweiligen Kernkompetenzen zu konzentrieren. Zudem wächst nach Auffassung von Analysten in der gereiften Pharmabranche die kritische Größe für Konzerne, wie die Fusion der beiden britischen Konzerne Glaxo Wellcome und SmithKline Beecham zeige. Für Technologien zum Aufspüren neuer Medikamente etwa sind hohe Aufwendungen in der Forschung nötig. Am Donnerstag hatte der US-Chemiekonzern DuPont mitgeteilt, er erwäge, sich von seiner Pharmasparte zu trennen und sich künftig auf die Chemie zu konzentrieren.

DB-Bank Analyst bewertet Abschluss positiv

Chemie-Analyst Martin Rödiger von der DG-Bank bewertete den Abschluss positiv. "Das ist ein guter Verkaufspreis", sagte er. Auch Petra Meyer von Sal. Oppenheim hielt die Veräußerung für einen angemessenen Schritt. Bei den nun in Aussicht gestellten Zukäufen habe BASF wohl in erster Linie den Pflanzenschutz im Visier. "Im Augenblick sind da einige Aktivitäten mit sehr niedrigem Preis auf dem Markt", sagte sie. Als Beispiel nannte sie das Pflanzenschutz- Unternehmen Syngenta, das in diesem Jahr aus der Abspaltung und anschließenden Fusion der Agro-Sparten von Novartis und AstraZeneca entstand. BASF hatte erst im laufenden Jahr die Pflanzenschutz-Sparte Cynamid der amerikanischen AHP für 3,8 Mrd. $ gekauft.

BASF-Chef Jürgen Strube sagte, BASF sei bereits mit dem Cynamid-Erwerb weltweit zu den Top-Drei Unternehmen in dieser Sparte aufgestiegen. "Wir wollen auf diesem Gebiet selbstverständlich weiter wachsen, vorrangig durch eigene Innovationen aber durchaus auch durch selektive Akquisitionen." Da, wo für BASF interessante zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten bestehen, wolle der Konzern sie wertsteigernd nutzen. Einzelne Unternehmen nannte Strube nicht. "Denn das würde die Preise in erster Linie in die Höhe treiben." Insgesamt werde sich BASF künftig auf seine Kerngeschäfte Öl- und Gas, Pflanzenschutz und innovative Chemie konzentrieren, sagte Strube. Dabei seien auch weitere Verkäufe nicht ausgeschlossen.

BASF erzielte im vergangenen Jahr mit 105 000 Beschäftigten einen Konzernumsatz von 29,5 Mrd. Euro. Der Pharma-Bereich hat weltweit 10 700 Mitarbeiter, die Knoll AG in Deutschland rund 3 000. Abbott stellt Produkte und Dienstleistungen für das Gesundheitswesen bereit. Hauptgeschäftsbereiche sind Pharma-, Ernährungs-, Krankenhaus- und Diagnose-Produkte. Das Unternehmen erzielte im vergangenen Jahr mit 58 000 Mitarbeitern 13,2 Mrd. $ Umsatz und 2,4 Mrd. $ Nettogewinn.

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