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Kaufring stellt Insolvenzantrag

Das seit Jahren mit hohen Verlusten kämpfende Handelsunternehmen Kaufring AG hat, wie in der vergangenen Woche angekündigt, beim Amtsgericht Düsseldorf Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt.

rtr DüSSELDORF. Das Gericht habe Rechtsanwalt Friedrich Wilhelm Metzeler zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt, teilte der Düsseldorfer Konzern am Donnerstag mit. Ziel sei es, "intakte Unternehmensbereiche zu erhalten". Bereits am vergangenen Freitag hatte Kaufring mitgeteilt, ein Sanierungskonzept sei in letzter Minute gescheitert und es drohe Zahlungsunfähigkeit. Betroffen von der Insolvenz sind nach Firmenangaben 760 Mitarbeiter an den Standorten Düsseldorf und Krefeld.

Unklar sei, ob bei den Einzelhandelstöchtern mit 1100 Mitarbeitern eine Insolvenz abgewendet werden könne, hieß es weiter. Der Sanierungsplan sah unter anderem die komplette Kaufring-Entschuldung durch den Verkauf der Immobilien in Düsseldorf bis zum Jahresende vor. Die Veräußerung sei bisher nicht gelungen, hieß es. Darüber hinaus belastete die schwache Einzelhandelskonjunktur das Ergebnis. Für 2001 erwartet Kaufring nach eigenen Angaben operative Verluste von 35 Mill. DM. Damit werde sich ein Verlust in Höhe von mindestens der Hälfte des Grundkapitals ergeben.

Für das erste Halbjahr 2001 hatte Kaufring Ende August einen auf 19,3 (Vorjahr 16,5) Mill. DM gestiegenen Fehlbetrag ausgewiesen. 2000 erzielte der Konzern bei einem Geschäftsvolumen von 1,8 (2,6) Mrd. DM Umsatzerlöse von 0,641 (1,1) Mrd. DM. Aufgrund von Immobilienverkäufen, die 130 Mill. DM in die Kassen spülten, war das Ergebnis mit 39,5 (minus 258) Mill. DM positiv ausgefallen.

Bereits 1999 war Kaufring in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Ein Bankenpool unter Führung der Commerzbank gewährte damals einen Überbrückungskredit von 50 Mill. DM und bewahrte so den Handelskonzern zunächst vor dem Aus. Im Anschluss trennte sich der Konzern im Zuge der eingeleiteten Restrukturierungen weitgehend von seinen Aktivitäten im Einzelhandel und von rund der Hälfte seiner Mitarbeiter. Ziel war, zum "schlanken Dienstleiter" mit dem Kerngeschäft Großhandel zu avancieren.

Die im Sommer beschlossene Fusion der Großhandelsbereiche der Kaufring AG und der EK Großeinkauf eG in Bielefeld kam bisher nicht zustande und ist nach Angaben von Firmensprecher Gerrit Veldhoen nun kein Thema mehr. Ursprünglich sollte das gemeinsame Unternehmen mit einem Geschäftsvolumen von vier Mrd. DM zum 1. Januar 2002 gegründet werden. Spekulationen zufolge scheiterte das Vorhaben an den unterschiedlichen Strukturen der Unternehmen.

Die Kaufring-Aktien verloren am Donnerstag deutlich und erreichten mit 0,19 einen neuen Tiefstand nach einem Schlusskurs am vergangenen Freitag von 2,37 ?.

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