Kaukasus-Konflikt
Russische Firmen kommen nur noch schwer an Kapital

Der Einmarsch in Georgien kommt russischen Unternehmen teuer zu stehen: Investoren bewerten die politischen Risiken für Russland und seine Unternehmen neu und bleiben zurückhaltend. Die Abhängigkeit von ausländischem Fremdkapital birgt ein hohes Risiko, glauben Experten.

FRANKFURT. Die Kaukasus-Krise stellt russische Unternehmen vor Probleme: Sie kommen nur noch schwer an Kapital. Denn seit dem Einmarsch russischer Truppen in Georgien Anfang August sind die Anleiheplatzierungen russischer Firmen auf dem internationalen Bondmarkt eingebrochen. Nach Daten der US-Investmentbank JP Morgan haben russische Firmen im August nur neue Bonds über 80 Mill. Dollar platziert. Von April bis Juli kamen dagegen monatlich neue Dollar-Bonds russischer Unternehmen zwischen 4,1 und 5,4 Mrd. Dollar auf den Markt. Und auch auf dem Heimatmarkt wird das Geld knapp.

„Der Georgien-Konflikt hat Investoren die politischen Risiken für Russland und seine Unternehmen neu bewerten lassen“, sagt Victoria Miles, leitende Strategin für Unternehmensanleihen aus Schwellenländern bei JP Morgan. Dabei stelle der Konflikt zwar keine unmittelbare Bedrohung für die Finanzkraft und das Ertragswachstum russischer Firmen dar. Dennoch schade die Kaukasus-Krise dem Ansehen Russlands als vergleichsweise defensive und sichere Anlageregion.

Eine anhaltende Zurückhaltung ausländischer Fremdkapitalgeber wäre für russische Unternehmen vor allem deshalb problematisch, weil sie stark auf den Kapitalmarkt angewiesen sind. In den vergangenen drei Jahren haben russische Firmen mit Abstand mehr Anleihen und syndizierte Kredite – also Kredite, die von mehreren Banken geschultert werden – aufgenommen als Unternehmen aus anderen Schwellenländern.

„Die hohe Abhängigkeit russischer Unternehmen von ausländischen Kapitalgebern ist ein nicht zu unterschätzendes Risiko für die Firmen und die Wirtschaft insgesamt“, warnt Sergey Dergachev, Fondsmanager für Schwellenländeranleihen bei Union Investment. Die halbstaatlichen und anderen großen Unternehmen, die sich Geld auf dem internationalen Kapitalmarkt besorgen, hält Dergachev dank prall gefüllter Kassen und potenzieller staatlicher Unterstützung zwar nicht für bedroht. Allerdings müssen auch sie jetzt mit niedrigeren Margen schon allein deshalb rechnen, weil sie nur noch teurer an frisches Geld kommen. Laut JP Morgan ist die Effektivverzinsung von Dollar-Anleihen russischer Firmen auf im Schnitt 8,3 Prozent gestiegen. Das entspricht einem Renditeaufschlag von 4,95 Prozentpunkten im Vergleich zu sicheren US-Staatsbonds. So hoch wie derzeit waren die Risikoprämien zuletzt vor über fünf Jahren.

„Die politische Krise ist dabei aber nur ein Faktor unter vielen“, sagt Wolfgang Zecha, Fondsmanager für Schwellenländeranleihen bei Cominvest. Neben dem Georgien-Konflikt stünden die gestiegene Inflation, der sinkende Ölpreis und die allgemeine Risikofurcht der Investoren. Dergachev von Union Investment sieht zudem die wachsende Verschuldung der Konsumenten als Unsicherheitsfaktor. Dazu kämen staatliche Attacken auf den Ölkonzern TNK-BP und den Montanriesen Mechel.

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