Kaum Alternativen in Sicht
Letzte Frist für Williams-BMW

Der Vertrag von Ralf Schumacher bei Williams-BMW läuft am Ende dieser Saison aus. Noch ist die Zukunft des Rennfahrers ungewiss. Manager Willi Weber fordert eine klare Entscheidung.

HB KUALA LUMPUR. Im Vertragspoker zwischen Ralf Schumacher und dem Williams-Team hat Manager Willi Weber eine letzte Frist für die Entscheidung gesetzt. "Eine Woche nach Bahrain wird die endgültige Entscheidung fallen. Wir werden in England verhandeln", kündigte Weber am Donnerstag in Kuala Lumpur an.

Noch vor dem Osterfest sollen die Würfel in Sachen Zukunftsplanung gefallen sein. "Ralf möchte endlich wissen, woran er ist", sagte Weber. Ralf Schumacher ist sich vor dem Großen Preis von Malaysia am Sonntag sicher: "Im Moment spreche ich mit BMW-Williams. Für dieses Team fahre ich, und dort will ich auch bleiben."

"Ralf muss aufpassen, dass er nicht auf einmal vor verschlossenen Türen steht", warnt der ehemalige Formel-1-Pilot Hans-Joachim Stuck vor einer bösen Überraschung. Denn auch Teamchef Frank Williams, im deutsch-britischen Team für die Fahrerverträge zuständig, ist genau wie sein Widersacher Willi Weber mit allen Wassern gewaschen und nicht untätig gewesen. Mit Ferrari-Pilot Rubens Barrichello hat "Sir Frank" verhandelt, doch der Brasilianer wollte nicht wechseln: "Ferrari war immer erste Wahl."

Nach diesem Bekenntnis für die Scuderia kündigte der 31 Jahre Brasilianer am Donnerstag bei einer Pressekonferenz im "Hotel Pan Pacific" unmittelbar neben der Rennstrecke den Großangriff auf seinen Teamkollegen Michael Schumacher an. "Manche Leute sagen, Ferrari ist das Team von Michael, da er länger hier fährt und die Titel gewonnen hat. Aber ich bin hier, um das zu ändern", sagte er. "In diesem Jahr habe ich die größte Chance, Weltmeister zu werden. Man muss fest daran glauben, dann wird der Traum auch wahr."

Der sechsmalige Weltmeister Schumacher traut Barrichello einiges zu: "Rubens macht einen fantastischen Job. Er ist Jahr für Jahr besser geworden. Er ist mein größter Rivale." Williams-BMW, McLaren - Mercedes und Renault scheinen nach dem souveränen Ferrari-Doppelsieg zum Saisonauftakt in Melbourne weit zurückgefallen zu sein. "Die Dinge können sich schnell ändern. Es war ein Rennen und nicht mehr", versuchte Michael Schumacher die Spannung anzuheizen. Doch im tropisch heißen Malaysia sind gerade 45 000 der 120 000 Tickets verkauft worden, wobei die Zurückhaltung der Fans mehr etwas mit den Parlamentswahlen am Sonntag als mit der drohenden Langeweile zu tun hat.

Ralf Schumacher steht unter Druck

Nach dem angeblichen Flirt von Ralf mit Renault, den Teamchef Flavio Briatore und Willi Weber später einhellig dementierten, steht der jüngere der beiden Kerpener Rennfahrer-Brüder in Malaysia unter gewaltigem Druck. Mit einem guten Ergebnis würde der 28-Jährige seine Verhandlungsposition verbessern. Schließlich gibt es nicht viele gute Teams, bei denen Ralf Schumacher Weltmeister werden kann. Dafür hat er auf die Hälfte seines Festgehaltes bei Williams-BMW verzichtet und stattdessen hohe Prämien ausgehandelt, ehe der Deal platzte. "Ralf beeil Dich, und triff um Gottes willen eine Entscheidung", riet der bei McLaren-Mercedes ausgemusterte David Coulthard seinem Kollegen bereits. Der Schotte wird in der neuen Saison im Silberpfeil-Cockpit von Ralf Schumachers Teamkollegen Juan-Pablo Montoya (Kolumbien) ersetzt. Und er wird bei vielen Formel-1-Teams als Fahrer gehandelt.

"Wir wollen ja bei Williams-BMW bleiben. Das ist unser erstes Ziel. Wenn man sich an einen Hersteller bindet, geht es vor allem darum, sich über viele Jahre in das Team einzubringen. Deshalb wäre Toyota sicher auch eine Alternative, auch wenn sie noch kein Topteam sind. Auch Ferrari war nicht an der Spitze, als Michael Schumacher 1996 dorthin gegangen ist. Warum sollte Ralf nicht ein ähnliches Kunststück gelingen?"

Das komplette Interview mit Willi Weber

Zuletzt wurde Ralf Schumacher mit Renault in Verbindung gebracht.

"Mit Renault-Teamchef Flavio Briatore verstehe ich mich zwar blendend, denn wir sind seit Jahren gute Freunde. Wir reden deshalb oft miteinander. Aber in dieser Hinsicht gab es noch nie ein Gespräch mit ihm. Aber Renault ist ohne Frage ein tolles Team."

Nachdem der Williams-Vertrag noch immer nicht unterschrieben ist, müssen sie doch verschiedene Optionen ausloten?

"Ich wäre ein schlechter Manager, wenn ich das nicht tun würde. Sie können sicher sein, dass ich intensiv über die Situation nachgedacht habe. Nach dem Rennen in Bahrain werden wir verhandeln, und ich werde im Fall der Fälle Alternativen abklopfen."

Wann genau wird die Entscheidung fallen?

"Eine Woche nach Bahrain wird die endgültige Entscheidung fallen. Wir werden in England verhandeln. Alles, was geschieht, entscheiden wir zusammen. Alles, was geschehen ist, war abgestimmt. Und so wird es auch in Zukunft bleiben."

Dabei lag der Williams-Vertrag für Ralf Schumacher unterschriftsreif schon auf dem Tisch.

"Doch dann wurde er zurückgezogen, und deshalb geht das Pokerspiel nun von vorn los. Aber Frank Williams ist lange genug in der Formel 1, er will gewisse Dinge im Vertragswerk noch verändern. Aber nach so vielen Jahren in der Formel 1 ist mir nichts mehr fremd. Auch ich beherrsche dieses Spiel."

Um was geht es?

"Ganz klar nicht um die Finanzen. Ralf hat bereits einen großen finanziellen Abstrich hingenommen. Vom Jahr 2005 an wird er erfolgsbezogen bezahlt. Wenn Ralf gut fährt, dann wird er sein momentanes Gehalt halten können."

Wie reagiert Ralf?

"Ralf geht das Theater an die Nieren. Er ist ziemlich genervt und möchte sich auf seinen Sport konzentrieren. Aber er möchte endlich wissen, woran er ist."

Viele Alternativen gibt es aber nicht?

"Wir wollen ja bei Williams-BMW bleiben. Das ist unser erstes Ziel. Wenn man sich an einen Hersteller bindet, geht es vor allem darum, sich über viele Jahre in das Team einzubringen. Deshalb wäre Toyota sicher auch eine Alternative, auch wenn sie noch kein Topteam sind. Auch Ferrari war nicht an der Spitze, als Michael Schumacher 1996 dorthin gegangen ist. Warum sollte Ralf nicht ein ähnliches Kunststück gelingen?"

Wäre denn bei Ferrari ein Platz frei?

"Solange der Michael dort fährt, mit Sicherheit nicht."

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