Kaum Aussicht auf Besserung
Kredite werden knapper

Die Fälle häufen sich, in denen mittelständischen Unternehmen plötzlich die Kreditlinien gekappt werden und sich die Inhaber schnell nach neuen Kreditgebern umsehen müssen. Denn nichts fürchten die Banken derzeit so sehr wie Insolvenzen. Zudem verschärfen neue gesetzliche Eigenkapitalrichtlinien die Situation.

DÜSSELDORF. Für mittelständische Unternehmen wird es immer schwieriger, einen normalen Bankkredit zu bekommen. Dies beweisen auch folgende Beispiele aus dem Bereich der Handwerkskammer Düsseldorf:

  • Ein Heizungsbaubetrieb mit fünf Beschäftigten muss seinen Kontokorrentrahmen zur Vorfinanzierung weiterer Aufträge ausweiten, weil er Forderungsausfälle nach der Pleite eines Kunden ausgleichen muss. Wegen der Forderungsausfälle kündigt seine Hausbank aber kurzfristig den gesamten Kontokorrent. Findet der Handwerker keine neue Bank, muss er für seinen eigentlich gesunden Betrieb Insolvenz anmelden.
  • Bei der Suche nach einer Bankverbindung stößt der Übernehmer einer kleinen Schlosserei auf grundsätzliche Ablehnung, so dass das Weiterbestehen des Betriebes gefährdet ist. Dabei sind Ertrags- und Auftragslage gut, und die Übernahmekonditionen sind durchaus angemessen.

Die Fälle häufen sich, in denen Kreditlinien gekappt werden und sich der Betriebsinhaber von heute auf morgen nach neuen Kreditgebern umsehen muss. "Die Kapitalversorgung des Mittelstandes ist ein Problem, das in Zukunft - nicht nur durch Basel II - in seiner Bedeutung noch zunehmen wird", prophezeit Thomas Köster, Geschäftsführer des Nordrhein-Westfälischen Handwerkstages (NWHT).

Die neue Eigenkapitalrichtlinie (Basel II) sieht vor, dass Banken künftig Kredite in Abhängigkeit vom Kreditrisiko mit Eigenkapital unterlegen müssen. Bislang war eine weniger differenzierte Eigenkapitalunterlegung erforderlich. Die Folge dürfte sein, dass für Kredite an unsichere Schuldner höhere und für solche an erstklassige Schuldner niedrigere Zinsen verlangt werden. Zur Risikoermittlung müssen sich Schuldner einem speziellen Kredit-Rating unterziehen.

"Der steigende Finanzierungsbedarf in den mittelständischen Unternehmen öffnet bei gleichzeitig sinkender Eigenkapitalbasis eine gefährliche Schere zu Lasten der Unternehmen", berichtet Thomas Köster. Dazu trage auch der wachsende Bedarf an Finanzierungsmitteln angesichts der sich in Deutschland verschlechternden Zahlungsmoral und der sich verlängernden Zahlungsfristen bei.

Lediglich 7 % betrug im Jahr 2000 nach Angaben des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes die durchschnittliche Eigenkapitalquote mittelständischer Unternehmen in Deutschland. Fast zwei Fünftel aller Unternehmen haben nach einer Untersuchung der Sparkassenorganisation gar kein Eigenkapital. Dabei gibt es einen engen Zusammenhang zwischen Betriebsgröße und Eigenkapital.

Um so dramatischer trifft der Rückgang von Kreditzusagen den deutschen Mittelstand. Nach einer Sonderuntersuchung der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ging bereits im vergangenen Jahr das Volumen der neuen Kreditzusagen an Unternehmen um durchschnittlich 2,4 % gegenüber dem Vorjahr zurück. Dabei zogen sich die Privatbanken am stärksten aus dem Kreditgeschäft zurück (minus 16 %), aber auch bei den Genossenschaftsbanken nahm das Kreditneugeschäft um 4 % ab. Eine Erklärung für diese Entwicklung bietet unter anderem die in Deutschland grassierende Pleitewelle. Für das laufende Jahr erwartet die Wirtschaftsauskunftei Creditreform mehr als 40 000 Insolvenzen.

Doch auch bei einer konjunkturellen Erholung könnte sich die Kreditversorgung mittelständischer Unternehmen nicht unbedingt wieder verbessern. Die KfW-Studie geht davon aus, "dass sich die Kreditneuvergabe auch nach Ende der Konjunkturflaute nicht deutlich erholen wird".

Eine weitere KfW-Untersuchung fand heraus, dass es "konkrete empirische Belege für eine veränderte Kreditvergabepolitik der Banken" gebe. Schon im Vorgriff auf Basel II würden die Banken die Kreditrisiken stärker prüfen als früher und die Kreditkonditionen stärker an der Bonität des Schuldners ausrichten.

Quelle: Handelsblatt

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